Cabrios: C-Klasse vs. BMW 4er

Mercedes C 200 Cabrio/BMW 420i Cabrio: Test

— 01.09.2016

C oder 4er – Stoff oder Stahl?

Mercedes entblättert die C-Klasse fürs Sonnenbad. Und will entspannt am BMW 4er vorbei. AUTO BILD hat die beiden Cabrios zum Vergleich gebeten.

Reden wir ganz offen: In diesem Land fehlen Charakterköpfe. Typen, die ein eigenes Profil besitzen und dieses mutig in den Wind halten, sogar in den von vorn. Dachten Sie auch gerade an unsere Politiker? Dann war das zwar nicht beabsichtigt, aber sicher auch kein Zufall. Wie das mit dem eigenen Kurs geht, zeigen das neue Mercedes C 200 Cabrio und sein wichtigster Kontrahent, das BMW 420i Cabrio. Beide werden von einem 184 PS starken Zweiliter-Vierzylinder befeuert. Der sitzt vorn, treibt aber die Hinterachse an. Danach kommen 2 + 2 Sitze und dann ein wenig Kofferraum. Fertig.

Entspanntes Cruisen ist nur auf den vorderen Plätzen möglich

Enge Kiste: Sowohl in der offenen C-Klasse als auch im 4er Cabrio reicht es hinten eigentlich nur für Kinder.

Also doch alles eins? Nee, nee! Die feinen Sonnenbänke haben schon ihren ganz eigenen Stil. Gediegen und entspannt der Benz mit dem lässigen Stoffverdeck, sportlich und spritzig der Bayer mit dem steifen Stahldeckel. Wer wird unser Sonnenkönig? Eines vorweg: Auch wenn BMW und Mercedes jeweils vier Sitzplätze haben – fahren Sie lieber nur zu zweit! Schon im 4er fühlen Erwachsene sich eingeengt, in der C-Klasse kneift es noch mehr. Vorn lässt es sich dagegen ganz entspannt auf hervorragenden Sitzen lümmeln (beide gegen Aufpreis mit Nackenföhn), im funktionalen Cockpit stöbern und Sonne tanken. Gegen Sturmschäden an der Frisur hilft das klassische Windschott (Mercedes 351, BMW 360 Euro). Vom Mercedes-Duo aus kleinem Windschott zwischen den Fondkopfstützen und ausfahrbarem Spoiler am Windschutzscheibenrahmen raten wir dringend ab.
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Die Klapp-Mechanik fällt beim BMW komplizierter aus

Sesam öffne dich: Vom Coupé zum Cabrio braucht der BMW 24 Sekunden – das klappt auch bis 18 km/h.

Damit lässt sich zwar zu viert fahren, es weht aber schon ab 80 km/h recht kräftig, und die 821 Euro teure "Aircap" verunstaltet das an sich schöne Cabrio doch deutlich. Nicht der einzige Fauxpas, den Mercedes sich leistet. Am Kofferraumdeckel fehlt ein Öffner, die Ladeluke ist winzig, zum Ausbau der störenden Fondkopfstützen empfiehlt das Handbuch einen Besuch in der Fachwerkstatt. Vielen Dank. Doch wir wollen nicht ungerecht sein. Den Gurtbringer mögen wir genauso wie das stabile und schnelle Verdeck (handgestoppte 18 Sekunden), das sogar bis Tempo 60 und auch per Funkschlüssel in Aktion tritt (im Stand muss aber die Bremse getreten werden). Der BMW braucht für das komplizierte Klipp-Klapp seines Hardtops sechs Sekunden länger, arbeitet bis 18 km/h und nur über den Schalter in der Mittelkonsole. Der Nackenföhn verhindert, dass sich die Kopfstützen vorn in der Höhe verstellen lassen – geht gar nicht.
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Über wenige Zehntel bei der Beschleunigung oder ein paar km/h Spitze streiten wir hier nicht – geschenkt. Beide Frischluft-Flitzer machen richtig Alarm, kommen unter neun Sekunden auf 100 km/h und schaffen weit über Tempo 200. Das reicht locker, um das Cabrio-Barometer mal eben auf Sturm zu stellen. Trotzdem wirkt die offene C-Klasse nicht so heißblütig wie der BMW.

Preis: Schwupps, sind die 50.000 Euro geknackt

Anker werfen: Aus Tempo 100 stoppt der Mercedes mit rund 35 Metern fast zwei Meter eher als der BMW.

Der mit mehr Drehmoment gesegnete Mercedes gefällt in der Rolle des kraftvollen Cruisers, dreht aber weniger beherzt aus und klingt immer eher angestrengt als wild. Die sanfte Neunstufenautomatik nimmt sich beim Kickdown mehr Zeit, der Bayer mit seiner famosen Achtstufenautomatik lässt dagegen nichts anbrennen. Der 420i agiert wacher, dreht freier und klingt nicht nur sportlicher. Dazu passen das straffe Sportfahrwerk und die präzise Lenkung. Und der C 200? Stress ist ihm fremd. Er will reisen und nicht rasen. Die Luftfederung reitet lange Wellen ebenso gekonnt ab, wie sie kurze Stöße schluckt. Auch hier passt die Lenkung, die jede Hektik vermeidet und trotzdem ausreichend direkt anspricht. Wem es doch mal im Gasfuß juckt, der findet im Sportmodus einen talentierten Partner fürs fröhliche Kurvenkratzen. Gern mit spätem Bremsen: Mit rund 35 Metern aus 100 km/h stoppt der Benz fast zwei Meter früher als der BMW.

So ein C 200 Cabrio gibt es ab 44.238 Euro, den offenen 420i ab 44.300 Euro. Dann noch die empfehlenswerte Automatik, Fahrwerk, Räder und Kleinkram obendrauf – schwupps, sind die 50.000 Euro geknackt. Trotzdem gibt es nur zwei Jahre Garantie und bei Mercedes auch noch jährliche Wartung. Offen gesagt: frech!
Fahrzeugdaten BMW Mercedes
Modell 420i Cabriolet C 200 Cabriolet
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1998 cm³ 1991 cm³
kW (PS) bei 1/min 135 (184)/5000 135 (184)/5500
Nm bei 1/min 270/1350 300/1200
Vmax 230 km/h 237 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik Neunstufenautomatik
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 - 255/40 R 18 Y 225/45 - 245/40 R 18 Y
Reifentyp Michelin Pilot Super Sport ContinentalSportContact 5
Radgröße 8,0 - 8,5 x 18" 7,5 - 8,5 x 18"
Abgas CO2 144 g/km 140 g/km
Verbrauch* 8,1/5,1/6,2 l 7,8/5,2/6,2 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 9,0 l/100km 8,9 l/100km
Testrunde*** 7,5 l/100km 7,1 l/100km
Sparverbrauch**** 6,6 l/100km 6,7 l/100km
Tankinhalt 60 l/Super 66 l/Super
Kältemittel R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 66 dB (A) 70 dB (A)
Anhängelast gebremst/ungebremst 1500/695 kg 1800/750 kg
Kofferraumvolumen 220–370 l 285-360 l
Länge/Breite/Höhe 4638/1825–2017/1384 mm 4686/1810-2016/1409 mm
Testwagenpreis 52.290 Euro 53.034 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte BMW Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 3,1 s 2,7 s
0–100/130 km/h 8,7/14,3 s 8,3/13,8 s
0–160/200km/h 22,5/43,5 s 21,9/43,7 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 4,9 s 4,8 s
80–120 km/h 6,2 s 6,1 s
Leergewicht/Zuladung 1798/387 kg 1753/392 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 47/53 % 52/48 %
Wendekreis links/rechts 11,4/11,2 m 11,1/11,0 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,5 m 35,6 m
aus 100 km/h warm 36,5 m 34,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 56 dB (A) 55 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A) 63 dB (A)
bei 130 km/h 69 dB (A) 68 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,5 l S – 179 g/km 7,1 l S – 168 g/km
Reichweite 790 km 930 km

Neue C-Klasse Cabrio im ersten Vergleichstest

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: BMW 420i Cabrio und Mercedes C 200 Cabrio (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

26.08.2016

Preis:

1,00 €

Autor: Gerald Czajka

Stichworte:

Cabrio

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