Mercedes C 250 d 4Matic T im Dauertest

Mercedes C250 d T-Modell Mercedes C250 d T-Modell Mercedes C250 d T-Modell

Mercedes C 250 d 4Matic T: 100.000-Kilometer-Dauertest

— 24.07.2017

Ein Mercedes in neuem Licht

In unschuldigem Weiß ging die C-Klasse bei uns auf Langstreckentour. Stressige 100.000 Kilometer später rollte sie mit fast weißer Weste ins Ziel.

Mit Stern am Kühler hat man es auch nicht leicht. Der lastet schwer wie Beton – wie der Bundesadler auf der Brust unserer Kicker. Alles außer Top-Leistungen sind inakzeptabel, hängen lassen ist nicht. Nicht als Nationalspieler und auch nicht als Mercedes. Schon der Leitspruch "Das Beste oder nichts" lässt keinen Spielraum für Formschwäche. Auf die feine Mitgift unseres Dauertest-Autos trifft die Benz-Maxime schon mal zu. Drinnen ist dieser C fast so edel wie die S-Klasse. Hochwertige Materialien, blitzsaubere Verarbeitung – viel nobler geht's nicht. Edles Holz, gestepptes Designo-Leder in Sattelbraun mit hellen Nähten (Testchef Andreas May: "rattenscharf", Matthias Moetsch: "igitt"). Dazu das komplette Technikfeuerwerk der Assistenzsysteme, inklusive Allrad. Aus der prallen Ausstattungsliste im Taschenbuchformat stecken hier Extras für 26.000 Euro drin, Preis all-inclusive: 75.000 Euro. Da muss 'ne alte Frau lang für stricken. Ja, ja, das hören die Benz-Bauer ständig – trotzdem funkelt der Stern momentan wie zu besten Zeiten. Und besonders hell an der C-Klasse. 425.000 Stück verkauften die Stuttgarter im letzten Jahr weltweit. Kein anderer Mercedes ist erfolgreicher, kein anderer wichtiger für das wirtschaftliche Wohl der Traditionsmarke.

Gebrauchtwagensuche: Mercedes C-Klasse

Spon­ta­ne­i­tät ist nichts für die Siebenstufenautomatik

Video: Mercedes C-Klasse T-Modell (2014)

Edler Lastesel

Wer morgens am Schlüssel dreht, kann den Erfolg zunächst schwer nachvollziehen. "Startet wie ein olles Taxi", meckerten Kollegen regelmäßig – und vergaben dem C 250 d sein vorlautes Nageln ebenso regelmäßig schon nach wenigen Kilometern. Der 204-PS-Biturbo beruhigt sich schnell und lässt dann nicht mehr viel anbrennen. 500 Newtonmeter Drehmoment sind ein amtlicher Wert und fallen kraftvoll über alle vier Räder her. Wobei die 1,8 Tonnen des voll ausgestatteten T-Modells erst einmal in Schwung gebracht werden wollen. Die Siebenstufenautomatik hat hier auf die meisten Fragen die richtige Antwort. Wenn der Fahrer allerdings plötzlich eine neue Idee hat, spontan vom gemütlichen Rollen auf Vollgas schaltet (Techniker nennen das Change-of-mind), fehlt dem Getriebe oft das passende Zahnrad. Mit der nächsten großen Modellpflege Mitte 2018 wird sich das ändern. Neben dem sparsameren und laufruhigeren Zweiliter-Vierzylinder-Diesel aus der E-Klasse (150/194 PS) zieht dann auch die spontanere Neunstufenautomatik in die C-Klasse.
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen

Unser Dauertester ist im besten Sinne ein Mercedes alter Schule

Glückliche Reise: Die bequemen Sitze, der hohe Komfort und der kräftige Diesel machen die C-Klasse zu einem exzellenten Langstreckenauto.

Okay, das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau. Denn schon dieses aktuelle Motor/Getriebe-Team lässt – bis auf den rauen Ton – nicht wirklich viele Wünsche offen. Vor allem auf Reisen. "Als Langstreckenauto ein Traum", notiert Dirk Branke im Dauertestbuch, das mit jedem weiteren Kilometer eher einem Poesiealbum gleicht. Kollege Branke trifft damit den Kern eines Autos, das im besten Sinne ein Mercedes alter Schule ist: straffe, bequeme Sitze mit großem Verstellbereich, dank Akustikglas kaum Windgeräusche, perfekte Klimatisierung und eine "Federung, die im Marshmallow-Modus jeden Straßenbelag glatt zieht". Zitat: Jan Horn. Und Christian Steiger ergänzt nur wenige Seiten später im Bordbuch: "Die C-Klasse passt immer, protzt nie und nervt nur selten. Das ist es, was ich von einem Mercedes erwarte."

Das "Navi-Multimedia-Gedöns" kann ganz schön nerven

Wo bin ich? Navigieren gehört nicht gerade zu den Top-Talenten der C-Klasse.

Wenn etwas nervt an diesem talentierten Langstreckenläufer, dann geht es meistens aufs Konto des "Navi-Multimedia-Gedöns", wie Kollegen das 3500 Euro teure Comand-System taufen. Die Bluetooth-Anbindung von Handys ist umständlich und alles andere als intuitiv, die Menüführung braucht Zeit der Gewöhnung, bis man sie ablenkungsfrei draufhat, und das Navisystem mit seiner recht antiquierten Kartendarstellung führt einen gern auch mal direkt in den Stau hinein – entweder wird er zu spät, gar nicht oder überflüssigerweise angezeigt. Zumindest die Grafik der Straßenkarten hat Mercedes mittlerweile modernisiert. Während auch die fehlerbehaftete Schildererkennung öfter ihr Fett wegbekommt (Trefferquote nur circa 70 Prozent), funktioniert die Distronic Plus bis zum Schluss einwandfrei und bekommt Bestnoten. Bis Tempo 200 regelt sie den Abstand zum Vorausfahrenden automatisch und beherrscht Stop-and-go bei zähem Verkehr inklusive Lenkeingriff wie im Schlaf. "Gerade auf langen Strecken ein echter Komfortgewinn", notiert Testchef Andreas May nach einem 1000-Kilometer-Trip am Stück.
Überblick: Alles zur Mercedes C-Klasse

Die Abschluss-Untersuchung attestiert beste Gesundheit

Was bleibt unterm Strich? Die Spalte "Ausfälle" können wir uns diesmal eigentlich sparen. Obwohl das T-Modell bis unters Dach mit sensibler Technik vollgestopft ist, hält fast alles bis zum Schluss. Nur einmal, ausgerechnet auf der letzten Fahrt, blinkt eine Warnleuchte im Cockpit auf: Ausfall des Spurhalte-Assistenten. Mit dieser Meldung fahren wir schließlich zur Demontage ins Stuttgarter Werk. Diagnose dort: Nicht der Assistent ist defekt, sondern nur ein Sensor. Trotzdem: drei Strafpunkte in der Endwertung. Die anschließende Untersuchung per Endoskop attestiert dem Patienten beste Gesundheit und eine lange Lebenserwartung. Was uns am meisten beeindruckt, ist die Qualität der Materialien im Innenraum. Nach stressigen 100.000 Kilometern, abgespult an 663 Testtagen, sieht die C-Klasse innen fast noch jungfräulich aus, wie nach dem ersten Wochenendausflug. Die Sitze straff, die Teppiche flauschig, Holz und Kunststoffe nahezu frei von Kratzern, kein Klappern, kein Knarzen. Gut, das kann man bei dem stolzen Preis erwarten, haben wir aber auch schon anders erlebt. Bleibt die Erkenntnis: So ein Stern am Kühler kann eine ganz schöne Bürde sein – aber auch ein Versprechen.

In der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests außerdem aufgefallen ist.

Mercedes C 250 d 4Matic T im Dauertest

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Wertung: Mercedes C 250 d T-Modell
Fehlerpunkte max.
Zuverlässigkeit
Liegenbleiber 0 x 15 0
Motor-/Getriebeschaden 0 x 15 0
Defekte Antriebs-/Funktionsteile 0 x 5 0
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch 1 x 3 3
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt 0 x 5 0
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) 0 x 2 0
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) 0 x 1 0
Langzeitqualität (aus Demontage)
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) 0–5 0
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) 0–5 1
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) 0–5 0
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) 0–5 0
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) 0–5 0
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) 0–5 0
Alltagswertung/Fahren
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch 0–10 4
Gesamtpunkte 8
Note: 1-
0 Punkte: 1+; 1–4 Punkte: 1; 5–8 Punkte: 1-; 9–12 Punkte: 2+; 13–16 Punkte: 2; 17–20 Punkte: 2-; 21–24 Punkte: 3+; 25–28 Punkte: 3; 29–32 Punkte: 3-; 33–36 Punkte: 4+; 37–40 Punkte: 4; 41–44 Punkte: 4-; 45–48 Punkte: 5+; 49–52 Punkte: 5; 53–56 Punkte: 5-; ab 57 Punkte: 6.




Autor:

Manfred Klangwald

Fazit

Anspruch und Wirklichkeit. Bei der C-Klasse liegen diese zwei ganz dicht beieinander. "Das Beste oder nichts" – im Dauertest kam unsere C-Klasse der Benz-Maxime sehr nahe. Was beim hohen Eintrittspreis auch selbstverständlich sein sollte. Alltagstauglichket und Langzeitqualität sind exzellent. Nach der V-Klasse erneut ein Top-Ergebnis im Dauertest. Mercedes findet anscheinend zu alter Form zurück.

Autoren: Manfred Klangwald, Tomas Hirschberger

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