Vergleich: Audi RS 5, Lexus IS-F und Mercedes C 63 AMG

Mercedes C 63 AMG/Audi RS 5/Lexus IS-F: Test

— 19.03.2013

Sie drehen noch mal richtig auf

Der Ökotrend lässt die Motoren schrumpfen, aber es gibt sie noch, die echten Ballermänner: Audi RS 5, Lexus IS-F und Mercedes C 63 AMG im Vergleich.

Mad Max? Kennt man, oder? Ein auf Rache gebürsteter Ex-Polizist scheucht marodierende Motorradbanden durchs Endzeit-Australien. Den Verbrechern ist er mit seinem Interceptor auf den Fersen – einem aufgemotzten Ford XB Coupé. "Der letzte große V8", gibt der Werkstatt-Chef seinem Kumpel Max verschwörerisch mit auf den Weg. Zwei brüllende Gasstöße später ist die Botschaft auch beim Kinopublikum angekommen: Ohne den Dampfhammer unter den Kraftmaschinen stottert jeder Rachefeldzug. Auf Vergeltung sind wir hier beim Vergleich von Audi RS 5, Lexus IS-F und Mercedes C 63 AMG natürlich nicht aus. Und doch verbindet etwas diese Sportwagen mit dem grantigen Verfolger aus dem Actionfilm: Sie gehören mit ihren Maschinen zu einer aussterbenden Art.

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Video: C 63 AMG, RS 5, IS-F

V8-Ballermänner

Wo in Sportwagen neuerdings aus Sorge um schlechte CO2-Werte Dieselaggregate einziehen oder Twinturbo-Aufladungen an Bohrung und Hub knabbern, wird der großvolumige Sauger zum einsamen Kämpfer. Die drei aufregendsten Vertreter dieser Spezies bitten wir zum Vergleich. Audi, Lexus und Mercedes treten nach der AUTO BILD-Sportwertung gegeneinander an – und natürlich auch beim Wettlauf gegen die Stoppuhr. Zuerst die Theorie. Audi stellt für 82.300 Euro einen 450 PS starken Allrad-Renner mit 4,2 Liter Hubraum und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf 20-Zoll-Räder. Ein Kronenrad-Mittendifferenzial verteilt die Antriebskräfte so, dass bis zu 85 Prozent des Drehmoments nach hinten wandern. Zur edlen Ausstattung gehören Klimaautomatik, Xenonlicht, Alcantara auf den Sitzen und ein auf Knopfdruck verstellbares Sportfahrwerk (1950 Euro Aufpreis). Lexus bietet für 70.600 Euro 423 PS aus einem Fünfliter-Achtzylinder, die über eine Achtstufenautomatik mit Drehmomentwandler an die 19 Zoll großen Hinterräder gehen. Zur Serienausstattung zählen Klimaautomatik, Lederpolsterung der feinen Sportsitze und eine aufwendige Multimedia-Ausstattung.

Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes C 63 AMG

Knüppelhart: Von Restkomfort ist beim Fahrwerk des Mercedes C 63 AMG nur wenig zu spüren.

Von Mercedes kommt der 487 PS starke C 63 (tatsächlich ein 6.2er) mit Performance Package. Allein dieses Paket für ein fettes Plus an Sportlichkeit kostet 7116 Euro zusätzlich – so summiert sich der Kaufpreis für unseren Testwagen auf stolze 82.908 Euro. Entsprechend liefert Mercedes auch nicht gerade Technik von der Stange. Eine Siebenstufenautomatik mit exotischer Ölbadkupplung leitet dabei die Kraft über ein Sperrdifferenzial an die Hinterräder im 18-Zoll-Format weiter. Serienmäßig bietet die C-Klasse ähnlichen Komfortstandard wie die Konkurrenten – hier lässt sich jedoch noch reichlich Assistenz-Technik nachordern. Gegen Aufpreis wird der C-Knaller dann auch dank Notbremsassistent und aktivem Spurhalter zum spurtreuen Sicherheitsapostel. Mit einer normalen C-Klasse hat der C 63 AMG so wenig zu tun wie Hockenheim mit Hiddensee. Fahrwerk, Bremsen, Lenkung, Getriebe, Interieur – im Kraft-Benz schnuppert wirklich alles streng nach Motorsport. Entsprechend bremst der C 63 mit brachialem Nachdruck, die knüppelharte Federung reagiert höchstens auf den Sprung am "Pflanzgarten" der Nordschleife, Richtungs- und Gangwechsel erfolgen nach Pilotenwunsch fast telepathisch.

Die Maschine – ach was, eher das Drehmomentkatapult – schleudert die Kraft lässig heraus. Direkter, müheloser und schneller geht es kaum. Entsprechend umrundet das Coupé unsere Handling-Teststrecke – radiert mit 1:33,69 Minuten Rundenzeit die Bestzeit in den Asphalt. Das Ganze natürlich lautstark vom pochenden Sound des handgefertigten V8 untermalt. Gleichfalls mit beeindruckendem Spektakel, bloß einen Wimpernschlag langsamer, nimmt sich der Audi RS 5 unseren Kurs vor. Der 4.2er im Bug des Coupés bringt zwar weniger Leistung und hängt beim Drehmoment hinterher. Das macht er dafür mit entfesselter Gier nach Drehzahlen wieder wett.

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In engen Kurven schiebt der Audi RS 5 über die Vorderräder, in schnellen bleibt er neutral.

Der Achtzylinder schraubt sich beim Hochdrehen bis über 8000 Touren, semmelt hier im roten Drehzahlbereich fast ruckfrei die nächste Gangstufe hinein und bringt den ganzen Kräfte-Wahnsinn auch noch schlupffrei auf die Straße. Allerdings fehlt dem Audi die ehrliche Rückmeldung der wilden C-Klasse. Eher leicht über die Vorderräder schabend sticht der RS 5 in die engeren Kurven, neutral zieht er sich durch die schnellen Radien. Die Bremse arbeitet zwar extrem wirkungsvoll, doch weniger fein dosierbar, als es die Anlage der C-Klasse zulässt. Auch das Getriebe schaltet (beim Kick-down) zuweilen nicht so, wie es der Fahrer fordert – gefühlt immer erst nach einer kurzen Rechenpause der Steuerelektronik. Kurz: Lässt sich das Alltagsleben mit dem RS 5 dank deutlich geschmeidigerer Federung besser ertragen als im knüppelharten Mercedes, so sind die sieben Zehntelsekunden Rückstand auf der Rundstrecke eine beschämende Klatsche. Ab zum dritten Boliden. Der setzt ja auf die an sich komfortable Wandlerautomatik. Aber von wegen behäbig: Das Achtstufengetriebe im Lexus IS-F geht das hohe Tempo der beiden deutschen Konkurrenten locker mit. Effektiv und schnell drückt die Gangbox die jeweils nächsthöhere Fahrstufe hinein, eine Wandlerüberbrückung sorgt für eine wache Gasannahme beim Durchtreten des rechten Pedals.

Beeindruckend nachdrücklich zieht dabei auch der Fünfliter-Sauger durch. Passt – das F im Beinamen des Lexus steht schließlich für Fuji-Raceway, Japans legendären Rennkurs. Da kann man Getriebe und Motor nicht nach Bielefelder Wohnstraße abstimmen. Auch den Rest vom IS-F schärften die Entwickler nach dieser Vorgabe. Fahrwerk stramm, Bremsen hitzestabil, Vmax ungehemmt (270!). Der Lenkung hätten die Techniker allerdings mehr Präzision eingravieren, dem strengen ESP eine spaßbringendere Stufe und den Sitzen mehr Kontur geben können. Absolut kritikfrei nehmen wir dagegen das Vorsingen der mit Sinter-Pleueln und Schmiedekolben verfeinerten Maschine hin. Sensationell auch: Spätestens beim Überklettern der 4000er-Drehzahlmarke öffnen Saugklappen im Ansaugtrakt, und aus dem bis dahin entspannt summenden Fünfliter wird ein bellender Höllenhund. Erst kurz vor 7000 Umdrehungen greift der elektronische Drehzahlbegrenzer ein.

Dass der IS-F seine Kraft ausgangs enger Kehren nur mit Mühe auf die Straße bringt, hilft zwar beim spektakulären Driften. Schneller wird er dadurch aber nicht. Den Konkurrenten hechelt der IS-F auf dem rund vier Kilometer langen Rundkurs der Teststrecke Contidrom 0,7 beziehungsweise. 1,4 Sekunden hinterher. Im Grunde könnte man das kleine Tempo-Manko ja mit dem deutlich günstigeren Preis entschuldigen – schließlich liegen allein zwischen dem Audi und dem Lexus rund 12 000 Euro. Der extrem hohe Unterhaltsanspruch des IS-F macht das leider zunichte – Versicherungsprämien und Wartungsaufwand liegen auf höchstem Nivau. Sei's drum. Mad Max wäre das ja auch egal.
Fahrzeugdaten Audi Lexus Mercedes
Motor V8, vorn längs V8, vorn längs V8, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette Kette
Hubraum 4163 cm3 4969 cm3 6208 cm3
kW (PS) bei 1/min 331 (450)/8250 311 (423)/6600 358 (487)/6800
Nm bei 1/min 430/4000 505/5200 600/5000
Vmax 250 km/h 270 km/h 280 km/h
Getriebe Siebengang-S-tronic Achtstufenautomatik Siebenstufenautomatik
Antrieb Allradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 275/30 ZR 20 Y 225/40–255/35 R 19 Y 235/40–255/35 ZR 18 Y
Reifentyp Pirelli P Zero Michelin Pilot Sport Continental SportContact 5P
Radgröße 9 x 20 '' 8–9 x 19 '' 8–9 x 18 ''
Abgas CO2 246 g/km 270 g/km 280 g/km
Verbrauch* 14,4/8,3/10,5 l 17,3/8,4/11,6 l 18,2/8,4/12,0
Tankinhalt 61 l/Super plus 64 l/Super 66 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 72 dB (A) 74 dB (A)
Anhängelast keine keine keine
Kofferraumvolumen 455 l 378 l 450 l
Länge/Breite/Höhe 4649/1860/1366 mm 4660/1815/1415 mm 4707/1795/1391 mm
Testwagenpreis 82.300 Euro** 70.600 Euro 82.908 Euro***
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inkl. 20-Zoll-Bereifung für 1600 € und Sportfahrwerk plus für 1950 €; ***inkl. AMG Performance Package für 7116 € und AMG Hinterachs-Sperrdifferenzial für 2309 €
Messwerte Audi Lexus Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 1,9 s 2,3 s 2,1 s
0–100 km/h 4,6 s 5,2 s 4,4 s
0–200 km/h 15,0 s 17,8 s 13,4 s
Zwischenspurt
60–10km/h 2,3 s 2,6 s 1,9 s
80–120 km/h 2,6 s 3,2 s 2,4 s
Leergewicht/Zuladung 1816/399 kg 1736/384 kg 1786/374 kg
Gewichtsverteilung v./h. 58/42 % 54/46 % 53/47 %
Wendekreis links/rechts 11,8/11,7 m 11,0/11,1 m 11,4/10,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,7 m 37,8 m 37,5 m
aus 100 km/h warm 34,5 m 35,2 m 35,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 62 dB (A) 61 dB (A) 59 dB (A)
bei 100 km/h 69 dB (A) 68 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 72 dB (A) 73 dB (A)
Testverbrauch – CO2 12,6 l SP – 300 g/km 12,3 l S – 291 g/km 13,2 l SP – 280 g/km
Reichweite 500 km 520 km 490 km
Sportwertung
Punkte max. Mercedes Audi Lexus
Karosserie 10 8 7 7
Qualität 10 8 9 7
Sitze/Sitzposition 20 18 18 15
Ausstattung 10 6 6 7
Motoreigenschaften 20 18 17 16
Fahrleistung 30 29 28 27
Getriebe/Schaltung 20 18 17 16
Sound 10 10 9 7
Fahrkomfort 10 6 7 6
Fahrsicherheit 20 17 17 18
Handling 20 18 16 15
Rundenzeit 20 18 16 14
Lenkung 20 18 17 16
Bremsen 30 25 26 24
Unterhalt 10 3 7 1
Verbrauch 20 10 11 12
Preis 20 12 12 18
Gesamtwertung 300 242 240 226

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Audi RS 5 Coupé, Lexus IS-F, Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé

Veröffentlicht:

13.03.2013

Preis:

2,00 €


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Für mich sind alle drei Sieger – weil sie (noch) herrlich hemmungslos mit ihrer Leistung hantieren, unnachahmlich mechanisch arbeiten und natürlich faszinierend schnell fahren. Nach Punkteschema gewinnt der Mercedes nur knapp – weil wir auch die Alltagsqualitäten der Konkurrenz würdigen. Gefühlt siegt der Mercedes aber mit größerem Abstand. Der bärige V8 im Zusammenspiel mit dem kompromisslosen Fahrwerk katapultiert ihn nach vorn.

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