Mercedes C-Klasse (1993-2001)

Gebrauchtwagen Mercedes-Benz C-Klasse (W202) Gebrauchtwagen Mercedes-Benz C-Klasse (W202)

Mercedes C-Klasse (1993-2001)

— 29.07.2005

Der geht reißend weg

Die erste C-Klasse verkauft sich gebraucht wie geschnitten Brot. Vorausgesetzt, der Preis stimmt.

Image und Ausstattung

Statussymbole haben ihren Preis. Das gilt auch für die Mercedes-Benz C-Klasse. Neu ist sie für viele Gehaltsempfänger schlichtweg unerschwinglich. Das spricht für einen Gebrauchten. Aber auch der Verstand fragt sich: Warum eigentlich nicht einen bewährten W 202 nehmen? Der kannte noch keinen Elektronikärger wie in den aktuellen Modellen.

Schon optisch erinnert der Einsteiger-Benz an vergangene Mercedes-Herrlichkeit, der Stern auf der Motorhaube ist aus der Fahrerposition noch vollständig sichtbar, und auch das Stufenheck entzieht sich nicht dem Blickfeld. Drinnen empfangen den Fahrer das typische Willkommen-zu-Hause-Gefühl hinter dem riesigen Lenkrad und auf breiten, bequemen sowie vielfach verstellbaren Sitzen. Aber nur wenig Schalter und Knöpfe. Denn die Serienausstattung war karg im W 202.

Selbst elektrische Fensterheber vorn kosteten bis zum großen Facelift im Mai 1997 Aufpreis, und eine serienmäßige, manuelle Klimaanlage gab es ab Anfang 1998 nur für die Sechszylinder. Für die Klimaautomatik verlangte Mercedes bis zu 3500 Mark – schon deshalb ist sie kaum anzutreffen.

Qualität und Technik

Doch die Stärken der alten C-Klasse liegen sowieso in anderen Bereichen. Es ist ihre Robustheit, die Taxiunternehmer noch heute schwärmen lassen. Antrieb und Fahrwerk verdauen höchste Kilometerleistungen, typische Schwachstellen kündigen sich lange vor dem endgültigen Ausfall an und verlangen nur kurze Werkstattaufenthalte. Eine davon ist das Differential, das abhängig von Lauf- und Motorleistung so ab 150.000 Kilometern dezent zu wimmern beginnt und spätestens dann auch einen neuen Dichtring am Kardanwellenflansch zum Stoppen des Ölverlusts benötigt.

An der Welle selber lockern sich die eingepreßten Buchsen der vorderen, seltener der hinteren Hardyscheiben. Spürbar wird dies an harten Lastwechselschlägen während der Probefahrt und lästigen Klötergeräuschen beim Rollen mit herausgenommenem Gang. Übrigens leben die Hardyscheiben erheblich länger, wenn sie mit einem Automatikgetriebe zusammenarbeiten.

Leider erlauben sich die ansonsten unbedingt empfehlenswerten Fünfgang-Automaten (ab 8/95, vorher Viergang) im Baujahr 1998 einen Durchhänger. Fast alle im AUTO BILD-Kummerkasten registrierten Automatik-Defekte datieren aus diesem Jahrgang. Fast schon klassisch ein weiterer Mercedes-Mangel im Kummerkasten: das Zündschloß. Tip: Auswechseln, wenn es zu haken beginnt. Und nicht erst dann, wenn der Schlüssel endgültig feststeckt.

Motor und Marktlage

Seit jeher ein Symbol für Langlebigkeit: die Mercedes Dieselmotoren. In der C-Klasse gilt dieser Mythos jedoch nicht uneingeschränkt. Unzerstörbar ist nur der bereits 1995 wieder eingestellte Zweiliter mit mageren 75 PS. Der ungleich drehfreudigere 220er mit 95 PS hat dagegen oft Probleme mit der Einspritzpumpe oder abvibrierten Einspritzleitungen. Und auch die ab Ende 1997 angebotenen, in der Käufergunst weit vorn liegenden CDI-Modelle mit 102 und 125 PS leiden unter Unregelmäßigkeiten an Hochdruckpumpe, Einspritzdüsen und Druckregler.

Bleibt als Geheimtip der C 250 Turbodiesel, der sich abgesehen von seltenen Turbodefekten nichts zuschulden kommen läßt und mit 150 PS Chef der Diesel-C-Klassen ist. Auf der Benziner-Seite kommt diese Rolle dem C 280 zu, der zwar nicht oft, dann aber überraschend günstig angeboten wird. Wer schon ordentlich Schadenfreiheitsrabatt angehäuft hat, erlebt mit so einem Sechszylinder ungleich mehr Fahrspaß als im geringfügig billigeren, aber auch relativ reizlosen C 180.

Sorgen wegen der Mechanik sind übrigens unnötig, sämtliche Benziner im W 202 funktionieren betont unauffällig. Allerdings teilen sich Diesel und Ottos einen gewissen Hang zu Lichtmaschinendefekten, wie der ADAC vermeldet. Auch der Rost macht keine Unterschiede vor der Kraftstoffsorte. Weiter eint beide, in seltenen Fällen, eine Störung im Hauptstromkabel, das von der Batterie im Kofferraum nach vorn zum Anlasser führt. Und natürlich die oft überzogenen Preisvorstellungen der privaten Verkäufer.

Dieses Phänomen betrifft alle Mercedes-Baureihen: Wer zwecks Preisfindung den Gebrauchtwagenmarkt bei autobild.de durchsucht, wird feststellen, daß die günstigsten Offerten oft von Händlern stammen. Privatleute scheinen noch die Garagenmiete während der Haltedauer auf den Listenpreis aufschlagen zu wollen. Wenn die C-Klasse aber reißenden Absatz finden soll, muß der Preis stimmen – wofür das breite Angebot sorgt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 5/93 Einführung der C-Klasse als Nachfolger des Mercedes 190. Motoren von 75 bis 193 PS, ABS und Fahrerairbag Serie 8/94 Beifahrer-Airbag serienmäßig 8/95 Leichtes Facelift, hochwertigere Polster und Hölzer, Einführung Fünfgang-Automatikgetriebe 3/96 Vorstellung des Kombimodells 6/97 Modellpflege, verbesserte Ausstattung 4/98 Einführung CDI-Motoren, zunächst als 220er mit 125 PS 3/00 Modellwechsel bei der Limousine, 1/01 beim Kombi

Schwachstellen • Ausgleichsgetriebe der Hinterachse neigt zum Jaulen und zu Ölverlust am Kardanwellenflansch, seltener auch an den Abtriebsflanschen • Einspritzanlage der 220er-Diesel ist defektanfällig, auch frühe CDI neigen zu defekten Pumpen, Injektoren, Druckreglern sowie durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen • Korrosion an Türrahmen, unter Schutz- und Griffleisten und an Federaufnahmen nagt nicht nur am Blech, sondern auch am Image. Mercedes beseitigt den Gammel kostenlos • Fahrwerk ist verglichen mit Mitbewerbern sehr solide, zeigt aber gelegentlich Schwächen an Lenkgestänge, Lenkungsdämpfer und Querlenkerbuchsen. In seltenen Fällen zeigt auch das Lenkgetriebe Spiel

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes C 180, 90 kW/122 PS, Baujahr 1998. Traditionell teuer bei Mercedes sind Blech und Motoren, typische Verschleißteile wie Bremsbeläge sind hingegen oftmals preiswerter als bei Kleinwagen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Auch von der älteren C-Klasse der Baujahre 1993 bis 2001 absolvieren deutlich mehr Fahrzeuge die HU ohne Mängel als beim Durchschnitt aller geprüften Modelle. Das gute Abschneiden sollte aber nicht von den Schwachpunkten ablenken, die sich als Spiel in der Lenkung, Ölverlust am Antrieb oder – typisch für Mercedes der späten Neunziger – defekte Bremsschläuche äußern. Gelegentlich diagnostizieren wir auch defekte Querlenkerbuchsen." Peter Winkler, Gutachter TÜV Süd

Modellempfehlung Mercedes C 180 (90 kW/122 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 133 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: 8,7 Liter. Werksangabe: 9,2 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (18/500 Euro SB): 735 Euro. Teilkasko (26/150 Euro SB): 416 Euro. Haftpflicht (17): 767 Euro (Basis: Ontos-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 250 bis 500 Euro Wertverlust: Sechsjährige verlieren rund 58 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 900 Euro Verlust

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