Mercedes C-Klasse (ab 2000)

Mercedes C-Klasse (ab 2000)

— 08.01.2004

Sein Problem: die Elektronik

Ein guter AUTO BILD-Dauerlufer, aber wie siehts im Feld aus? Gesammelte Erkenntnis: Die C-Klasse spinnt.

Elektronik und ... Elektronik

Es ist der "Taube-auf-dem-Dach"-Effekt: Wenn etwas neu ist und unerreichbar, wird es gern vom Publikum niedergemacht. Und dies wiederholt sich bei jedem neuen Mercedes: Kaum ist das Modell auf dem Markt, halten einige das gerade abgelste fr viel besser. Bei der aktuellen C-Klasse mchte man den Skeptikern Recht geben. Denn fr einen Mercedes offenbart sie ein recht breites Mngelspektrum, ist auch im AUTO BILD-Kummerkasten oft vertreten.

Gebrauchtwagensuche: Mercedes C-Klasse



Die meisten Klagen betreffen die Elektronik. Oder besser: ihre Auswirkungen. Denn anders als beim Vorgnger bewirkt ein Dreh am Lichtschalter nicht einfach, dass Strom zu den Lampen fliet. Nein, vorher prfen diverse Steuergerte, ob der Wunsch nach Licht auch berechtigt und mit anderen Verbrauchern sowie dem Ladezustand zu vereinbaren ist. Manchmal, wenn Strom gespart werden muss, machen die Steuergerte das Licht aus. Auch gegen das Veto von Lichtsensor und Tachosignal, die melden, dass die C-Klasse gerade im Dunkeln ber die Autobahn brettert da kennt die Elektronik keine Verwandten.

Glcklicherweise sehen die meisten Strungen weniger unheilvoll aus. Wobei die Schmach gegenber den Nachbarn nicht zu unterschtzen ist, wenn die Fernbedienung der Zentralverriegelung zwar die Seitenscheiben schliet, das Schiebedach aber offen lsst. Oder wenn beim Abbiegen statt des vorderen Blinkers der Nebelscheinwerfer im Takt des Fahrtrichtungsanzeigers aufleuchtet.

Karosserie und Qualitt

Gelegentlich spielt bei den Elektroniksperenzchen auch Korrosion eine Rolle. Wenn beispielsweise schon nach einem gar nicht so streusalzreichen Winter Massekabel vergammelt sind und der Strom sich eben einen anderen Weg suchen muss. Auch die C-Klasse (Bj. 2000) auf diesen Seiten zeigt schon krftig Korrosion an Schnittkanten und Schweinhten im Unterbodenbereich, aber keine Spur von Korrosionsschutz.

Eine daraufhin durchgefhrte kleine Felduntersuchung ergab brigens, dass diese gebrauchte C-Klasse leider keine Ausnahme ist. Wobei die Verarbeitung in allen anderen Punkten absolut den Erwartungen an einen Mercedes gerecht wird: Da klappert nichts, wackeln keine Sitze, schlieen alle Tren satt und sicher. Zumindest solange die Trdichtungen noch intakt sind. Leider gengt schon leichtes Anfrieren, um die Gummis aus der Verankerung zu reien.

Bemerkt der Fahrer dies nicht sofort, werden sie zwischen Tr und Rahmen zerquetscht. Ersatz kostet etwa 100 Euro pro Tr. Doch whrend hier das Einreiben mit Glyzerin oder Hirschtalg als Vorbeugemanahme hilft, ist der Fahrer gegenber einem spinnenden Comand-System machtlos. Das kombinierte Audio-, Navigations-, Telefon- und womglich Videogert funktioniert in den seltensten Fllen fehlerfrei, treibt aber sehr hufig seine Nutzer an den Rand des Wahnsinns.

Gut, dass wenigstens auf die Mercedes-Hardware Verlass ist, denn Motoren, Getriebe und Fahrwerk erzeugen nach wie vor den Eindruck unerschtterlicher Wertarbeit. So erklrt sich unterm Strich ein Phnomen, das wohl jeder Fuhrparkleiter kennt: Trotz aller Kritik am neuen Mercedes will jeder unbedingt damit fahren. Auch bei AUTO BILD war es stets ein Problem, die ach so schreckliche und unzuverlssige C-Klasse fr eine Dienstfahrt zu ergattern.

Historie, Schwchen, Kosten

Modellgeschichte 3/00 Einfhrung der aktuellen C-Klasse als Nachfolger des W 202. Modelle: C 180, 129 PS; C 200 Kompressor, 163 PS; C 240, 170 PS; C 320, 218 PS; C 200 CDI, 115 PS; C 220 CDI, 143 PS und C 270 CDI, 170 PS. Ausstattungen wie gehabt: Classic, Elegance oder Avantgarde 1/01 neues T-Modell (Kombi) 3/02 C 180 Kompressor, 143 PS 7/02 Allradantrieb 4Matic fr C 240 und 320 9/02 Benzin-Direkteinspritzer C 200 CGI, 170 PS

Schwachstellen Rost ist nach diversen Problemen der alten E-Klasse (W 210) und der vorigen C-Klasse nun auch am aktuellen W 203 zu beobachten. Anscheinend vertraut Mercedes zu sehr auf die Schutzwirkung verzinkter Bleche, spart am Unterbodenschutz und an der Wachskonservierung manche Fahrzeuge sind am Bodenblech staubtrocken die Einspritzanlage der Diesel ist wegen zahlreicher Defekte der Common-Rail-Pumpen ins Gerede gekommen, laut Mercedes soll der Mangel ab Baujahr 2002 abgestellt sein die Turbolader der Diesel haben Probleme mit verkokenden Leitschaufeln die Elektronik ist fr allerlei berraschungen gut, wegen der Vernetzung der Steuergerte knnen kleine Strungen weit reichenden rger bereiten

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes C 220 CDI, 105 kW/143 PS, Bj. 2000. Blech- und Karosserieteile lsst sich Mercedes frstlich entlohnen, Verschleiartikel hingegen sind gnstig Verdienst der Taxi fahrenden Kundschaft.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Jede Panne ist rgerlich erst recht bei einem Mercedes. Allerdings ist es zu einfach, stets der Elektronik die Schuld zu geben. Wer nachforscht, stellt schnell fest, dass vor allem hochgerstete Fahrzeuge betroffen sind, bei denen Standheizungen oder nachgerstete Telefone an der Batterie lutschen. Es gilt eben nach wie vor: Wo viel dran ist, kann auch viel kaputtgehen. Viel mehr Gedanken machen wir uns um den Rost hier ist Mercedes drauf und dran, Kernkompetenz und Markenphilosophie aufs Spiel zu setzen" Hendrik Dieckmann, AUTO BILD-Autor und Kfz-Mechaniker

Modellempfehlung Mercedes C 220 CDI Classic (105 kW/143 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 340 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: 6,5 Liter Diesel (Werksangabe 6,2 l) Versicherung: Vollkasko (21/1000 Euro SB): 1159 Euro. Teilkasko (33/300 Euro SB): 321 Euro. Haftpflicht (15): 808 Euro Basis: ONTOS-Jahrestarife fr Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: nach Anzeige, etwa 200 bis 400 Euro Wertverlust: Dreijhrige verlieren rund 33 Prozent vom Neupreis Hndlerverkaufspreis), danach jhrlich um 1500 Euro Verlust

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