Mercedes C-Klasse/BMW 3er: Test

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Mercedes C-Klasse/BMW 3er: Test

— 15.03.2011

Duell auf Augenhöhe

Mercedes hat die C-Klasse technisch aufgerüstet und nebenbei ihr sportliches Talent geschärft. Ein erster Vergleich mit dem BMW 3er klärt, ob es jetzt eng wird für den Münchener Erzrivalen.

Mercedes oder BMW? Diese Frage liefert Stoff für stundenlange Stammtisch-Diskussionen. Dabei geht es längst nicht mehr darum, wer von beiden die besseren Autos baut. Welcher Marke man den Vorzug gibt, hängt in erster Linie von der Weltanschauung ab. Und die ist meistens durch Klischees geprägt. BMW: sportlich. Und Mercedes: komfortabel. So war das früher. Aber ist das auch heute noch so? Eine spannende Frage, auch für die AUTO BILD-Jury beim großen internationalen Test-Event in Rom. Denn die Stuttgarter haben ihre C-Klasse im Jungbrunnen gebadet, optisch und technisch aufgefrischt und – ja! – mehr denn je auf Sportlichkeit getrimmt. So nah wie heute, das sei schon einmal verraten, war sie ihrem Erzrivalen 3er nie.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes C-Klasse

Und daran sind nicht nur der AMG-Trimm und die 306 PS unter der Haube schuld. Leistungsmäßig hat der C 350 nach der Frischzellenkur mit dem 335i gleichgezogen. Klares Signal in Richtung München: Schluss mit lustig, es wird ernst! Der BMW muss sich in Sachen Sportlichkeit zwar nichts beweisen. Und Hochstapeln erst recht nicht. Dennoch trägt sein Typenschild dicker auf als nötig: Im Gegensatz zum Mercedes stecken nicht 3,5 Liter Hubraum unterm Blech, sondern nur drei. Fehlendes Atemvolumen macht der BMW per Turbo wett. Das Ergebnis ist der Hammer: Während der V6-Sauger der C-Klasse erst seine Lungen füllen muss, um bei 3500 Touren mit der Kraft von 370 Newtonmetern ausatmen zu können, lässt der bayerische Reihensechser seine 400 Newtonmeter dank der Zwangsbeatmung schon viel früher auf die Kurbelwelle los – bei entspannten 1200 Touren, knapp über Leerlaufdrehzahl also. Aber so weit sind wir noch nicht. Erst mal einsteigen.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 3er

Alles andere als ein Leisetreter: Der 335i gibt sich akustisch sehr deutlich zu erkennen.

Der dicke Lederkranz des BMW-Steuers platzt einem förmlich aus den Händen. Ein Druck auf den Startknopf, und der Sixpack zündet mit solch zornigem Fauchen, dass beim morgendlichen Kaltstart in der Wohnsiedlung die Nachbarn aus den Betten fallen. Kein Zweifel: Der will nicht nur spielen! Deutlich dezenter meldet sich die C-Klasse zum Dienst. Ihr Motor klopft höflich an, statt mit der Tür ins Haus zu fallen. Dennoch mangelt es ihr keineswegs an Musikalität. Während der heiser röhrende 3er akustisch auf offene Hose macht, modulieren Mercedes-Fahrer mit dem rechten Fuß ein melodisches Crescendo, das von seidigem Säuseln im Drehzahlkeller bis zum Heldentenor reicht, wenn die sechs Kolben im Zustand höherer Erregung auf- und niedersausen. Die C-Klasse scheint in sich selbst zu ruhen, während der 3er schon im Leerlauf wie ein gedoptes Rennpferd wirkt, das ungeduldig auf den Schenkeldruck des Jockeys wartet. Tatsächlich öffnen BMW-Piloten mit dem Gasfuß die Büchse der Pandora.

Gnadenlos knallt ihnen der Antritt des gierigen Sechszylinders den Kopf an die Nackenstütze. Egal bei welcher Drehzahl und in welchem Gang: Man braucht den Deckel dieses Dampfkochtopfs nur zart zu lupfen, schon entweicht der Überdruck mit explosiver Kraft. "Beeindruckend brachial", findet der dänische AUTO BILD-Chef Jon Arskog. "Aber auch irgendwie langweilig-eindimensional." Wer statt auf brutalen Bums in jeder Lebenslage eher auf die klassische Sportmotor-Charakteristik, also eine mit steigender Drehzahl anschwellende Kraftkurve, abfährt, sitzt im Mercedes richtiger. Der 350er fühlt sich in seinem Drehverhalten frei und leicht an wie ein tiefer Atemzug nach einem Eukalyptus-Bonbon. Jenseits von 3000 Touren reißt er mächtig an. Den ultimativen Kick verhindert allerdings die eher verkuschelte Automatik, die im Gegensatz zum wachen BMW-Getriebe ihre relative Schläfrigkeit auch im Sport-Modus nie ganz verliert.

Technische Daten BMW 335i:
Sechszylinder, TwinPowerTurbo, vorn längs • Hubraum 2979 cm³ • Leistung 225 kW (306 PS) bei 5800/min • max. Drehmoment 400 Nm bei 1200/min • Hinterradantrieb • Sechsstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe 4531/1817/1421 mm • Spitze 250 km/h • 0–100 km/h in 5,8 s • EU-Mix 8,7 l S • CO2 202 g/km • Preis: ab 45.090 Euro

Technische Daten Mercedes C 350: V6, vorn längs • Hubraum 3498 cm³ • Leistung 225 kW (306 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment 370 Nm bei 3500/min • Hinterradantrieb • Siebenstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe 4591/1770/1447 mm • Spitze 250 km/h • 0–100 km/h in 6,0 s • EU-Mix 6,8 l S • CO2 159 g/km • Preis: ab 46.529 Euro

Weitere Details zum Vergleich der Erzrivalen BMW 3er und Mercedes C-Klasse finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten gibt es in AUTO BILD 10/2011 oder als Download im Heftarchiv.

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Veröffentlicht:

19.12.2011

Preis:

2,99 €


Martin G. Puthz

Martin G. Puthz

Fazit

Die C-Klasse eine Sportlimousine? An diesen Gedanken muss man sich zwar noch gewöhnen, aber: Ja, das ist sie! Zumindest mit dem neuen 3,5-Liter-V6. Glaubwürdiger wirkt im Dynamik-Fach dennoch der 3er-BMW. Er kontert den Ehrgeiz seines Stuttgarter Rivalen mit der Gelassenheit des Routiniers, kann als 335i mit seinem dominanten Kraftprotz-Getue auf manche Fahrer aber auch zu fordernd wirken. 

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