Mercedes Car Group

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— 22.03.2006

Smartes Ziel für 2007

Trotz tiefroter Zahlen hält DaimlerChrysler am Bonsai-Benz fest, stoppt die Suche nach potentiellen Käufern. Ab 2007 sollen sogar Gewinne möglich sein.

DaimlerChrysler will trotz deutlicher Kritik von Aktionären weiter an der defizitären Kleinwagensparte Smart festhalten. Der Autohersteller hat einen Auftrag an die Investmentbank Goldman Sachs gestoppt, die eingehende Angebote für Smart prüfen und später aktiv einen Käufer für den Baby-Benz finden sollte. Das bestätigten Firmenkreise. Zuletzt hatte das Emirat Kuwait, das 7,2 Prozent der DaimlerChrysler-Aktien hält, den Verkauf von Smart gefordert.

Seit fast sechs Jahren versucht DaimlerChrysler, den Smart in die Erfolgsspur zu bringen. Einschließlich der Kosten für Entwicklung, Verwaltung oder Material fielen seit 1995, als der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp das Smart-Projekt startete, operative Verluste in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro an. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, startete der Konzern im vergangenen Jahr ein 1,1 Mrd. Euro teures Sanierungsprogramm. Dazu zählte ein deutlicher Stellenabbau in den Smart-Werken in Böblingen und im lothringischen Hambach, der Produktionsstopp für den Roadster und das Ende der Entwicklung eines Smart-Geländewagens.

Spätestens 2007 soll der "Bonsai-Benz" nun schwarze Zahlen schreiben. Nach internen Planungen sollen es zehn Millionen Euro sein. "Wir werden 2007 die Gewinnschwelle bei Smart erreichen", bekräftigte jetzt wieder DaimlerChryslers Finanzvorstand Bodo Uebber. Doch die Kapitalmärkte und die Aktionäre sind weiterhin skeptisch – bislang wurde noch keine Ankündigung Realität.

Eine Nibelungentreue zur Marke Smart wird es unter dem neuen Konzernchef Dieter Zetsche wohl nicht geben. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Schrempp, der den Smart auf die Räder stellte und immer unterstützte, hält der seit Januar 2006 amtierende neue Herr der Sterne bereits die Reißleine in der Hand. Sollte Smart die Sanierungsziele 2007 verfehlen, sind ein Verkauf oder eine Stillegung der Marke mehr als nur eine Option.

Teuer würden beide Varianten. Das Aus der Marke würde die Konzernkassen wohl in einer Größenordnung von drei bis vier Milliarden Euro belasten, schätzen Finanzexperten. Selbst im günstigsten Fall würde eine Schließung nach in der Branche kursierenden Berechnungen rund 1,2 Mrd. Euro kosten. Darin enthalten wären Abfindungen für die 750 Beschäftigten in Böblingen und die 900 Mitarbeiter in Hambach in Höhe von durchschnittlich 40.000 Euro sowie Auszahlungen in ähnlicher Höhe an Zulieferer und Händler. Hinzu kämen Abschreibungen über eine Milliarde Euro.

Ein Verkauf hingegen käme für DaimlerChrysler günstiger, selbst wenn die Stuttgarter noch eine dreistellige Millionensumme als Mitgift hinzugeben müßten. Nach Informationen der Tageszeitung DIE WELT hat es für die Marke Smart "viele Interessenten gegeben", aber offenbar keinen, der einen attraktiven Preis bot.

Was nun den Ausschlag dafür gab, den Auftrag an Goldman Sachs zu stoppen, ist offen. Immerhin gibt es durchaus Argumente für einen Verbleib von Smart im DaimlerChrysler-Konzern und als Teil der Mercedes Car Group (Mercedes-Benz, Maybach, Smart). Sollte Daimler tatsächlich Smart verkaufen, könnte es erhebliche Schwierigkeiten geben, der Selbstverpflichtung der Automobilindustrie nachzukommen, den Flottenverbrauch und den damit verbundenen Ausstoß von Kohlendioxid zu senken. Deutschlands Autobauer haben sich verpflichtet, den Durchschnittswert von heute 6,8 Litern Treibstoffverbrauch pro 100 Kilometer auf 5,6 im Jahr 2008 zu verringern.

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