Mercedes Citan/Renault Kangoo/VW Caddy: Test
— 03.01.2013Wie gut ist der Kangoo-Klon?
Schön ist sicher anders. Doch bei den geräumigen Alltags-Praktikern Mercedes Citan, Renault Kangoo und VW Caddy zählen andere Dinge.
Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes Citan
In der Realität sieht er sich allerdings anderen Gegnern als Terroristen und durchgeknallten Cyborgs gegenüber. Ganz oben auf der Liste der Konkurrenten steht der mit 50 Prozent Marktanteil geadelte VW Caddy. Und dann ist da der Technikspender aus den eigenen Reihen, der Renault Kangoo. Ihm muss der Citan beweisen, dass er mehr kann, als sich mit Sternen zu schmücken. Für den Vergleich fiel die Wahl auf die Kombi-Varianten mit fünf Sitzen. Das bedeutet weniger Blech als bei den reinen Nutzfahrzeugen, dafür mehr Glas und Familientauglichkeit. Schließlich will keiner die Kleinen in einen fensterlosen, unverkleideten Fond packen. Die Dieselantriebe sind mit 90 PS bei Citan und Kangoo sowie 102 PS beim Caddy völlig ausreichend und nicht zu schwachbrüstig für den Familienalltag. Auch die Grundpreise von 18.690 Euro beim Kangoo bis 22.057 Euro beim Caddy bewegen sich noch auf erschwinglichem Niveau. Bleibt nur die Frage, was die Kombis einer Kleinfamilie für das Geld bieten. Also ran.Überblick: Alle News und Tests zum VW Caddy
Wer zeigen will, dass er Mercedes fährt, sollte den Citan stets von vorn präsentieren. Hier sind die größten Unterschiede zum Kangoo auszumachen. Sie reichen von den rundlicheren, aber nicht viel kleineren Außenspiegeln bis hin zum Kühlergrill mit Stern. Größere Eingriffe gab es im Innenraum. Material und Verarbeitung sind besser als beim Kangoo. So klappert es im Citan bei Unebenheiten weitaus weniger als beim Franzosen. Dafür steht der überarbeitete Armaturenträger wie ein schwarzer Klotz im Cockpit und vermittelt mehr Nutzfahrzeugatmosphäre als das des Renault. VW schlägt mit dem außen und innen weicher gezeichneten Caddy einen anderen Weg ein, trägt keine zu groben Materialien und orientiert sich mehr an Komfort und Qualität von Pkw. Im Fond und beim Kofferraum zeigen die Kombi-Ableger der Kastenwagen, warum sie neben gewerblichen Kunden auch für Familien attraktiv sind. Den Vorteil von Schiebetüren schätzt jeder, der regelmäßig Kindersitze ein- und ausbaut. Mit zwei Handgriffen wird die Rücksitzbank bei Citan und Kangoo zur ebenen Fläche. Das Kofferraumvolumen wächst jeweils von 438 auf 2080 Liter.Die Rücksitze im Caddy lassen sich sogar komplett entfernen. Mit einem Platzangebot von 750 bis maximal 3030 Litern setzt der VW die Bestmarke. Der riesige Laderaum dient aber leider auch als Brumm-Box für die Diesel, die durchweg lauter sind als bei gewöhnlichen Pkw. Der ab 70 km/h hinzukommende Fahrtwind erinnert daran, im Ableger eines Lieferwagens zu sitzen. Da macht keines der getesteten Fahrzeuge eine Ausnahme. Doch bei Nutzfahrzeugen ist Geräuschdämmung eher Nebensache. Anders der Verbrauch, der mit 5,7 Litern beim Kangoo bis 6,1 Litern beim Caddy erfreulich gering ausfällt.
Überblick: Alle News und Tests zum Renault Kangoo
Und obwohl Mercedes mit ein paar Eingriffen in die Motorelektronik des Renault-Selbstzünders Drehfreude und Ansprechverhalten spürbar aufgepeppt hat, bleibt auch der Benz (5,8 Liter) genügsam. Allerdings funktioniert das nur mit Energiesparreifen, die auf der anderen Seite die Bremswerte verschlechtern. Irgendwas ist ja immer. Die Kraft der getesteten Turbodiesel reicht völlig aus, um in der Stadt oder auf der Autobahn unangestrengt mitzuschwimmen. Auf kurvenreichen Landstraßen kommen die schweren Kisten durch ihre hohen Aufbauten allerdings ziemlich ins Schwanken und schnell ans Limit. Das dürfte hektische Kurierfahrer mehr interessieren als umsichtige Familienväter. Bei forschem Tempo nimmt der Kangoo Bodenwellen zu gelassen, die weiche Federung versetzt die Karosserie in heftige Schwingungen. Zum Sänften-Effekt trägt auch der plüschig gepolsterte Fahrersitz bei. Und geht es rasch in eine Kurve, arbeitet die Lenkung zu unpräzise, und der Kangoo schiebt stur geradeaus – wobei das ESP leider sehr spät eingreift. Mercedes hat diese Schwachstellen erkannt und bei Fahrwerk und Lenkung nachgebessert.Nach der Sternen-Kur liegt der Citan straff, aber nicht zu hart auf der Straße. Die Lenkung ist direkt und vermittelt immer das Gefühl, den Kasten präzise ums Eck führen zu können. Zusätzlich wurden die Sitze ordentlich aufgepolstert, der Seitenhalt deutlich verbessert. Geht es zu fix in eine Kurve, kennt der Mercedes keine Gnade: Das ESP übernimmt sofort das Kommando und nimmt rigoros Gas weg. Gut so. Denn was Vettel-Verehrern zwar die Rundenzeit versaut, rettet den Kastenwagen vor gefährlichem Aufschaukeln. Und trotz komfortabler Sitze und straffer Lenkung kommt selbst der Caddy nicht an die Fahrdynamik und Agilität des getunten Kangoo heran. Der Basispreis für den Citan als Kombi mit 90-PS-Diesel beträgt 21.039 Euro. Kein Mercedes ist billiger. Doch dafür muss der Kunde im Citan viel rauen Nutzfahrzeugcharme in Kauf nehmen. Wer sich besser einrichten will, zahlt zum Beispiel für ein CD-Radio 524 Euro und für die Klimaanlage 1131 Euro.
Der gleich motorisierte Kangoo fährt ab 18.690 Euro jedenfalls um einiges günstiger vor, der Testwagen für 21.690 Euro verwöhnt zusätzlich mit Start-Stopp-Automatik, Radio-CD-MP3-Player, Navi und Klimaautomatik. Der Caddy Trendline ist mit Preisen ab 22.057 Euro in diesem Vergleich der Teuerste. Was zu dem ungewohnten Bild führt, dass ein Mercedes günstiger ist als sein VW-Rivale. Gut gebastelt, MacGyver.
| Fahrzeugdaten | Mercedes | Renault | VW |
|---|---|---|---|
| Motor | Vierzylinder, Turbo, vorn quer | Vierzylinder, Turbo, vorn quer | Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb | Zahnriemen | Zahnriemen | Zahnriemen |
| Hubraum | 1461 cm³ | 1461 cm³ | 1598 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 66 (90)/4000 | 66 (90)/4000 | 75 (102)/4400 |
| Nm bei 1/min | 200/1750 | 200/1750 | 250/1500 |
| Vmax | 160 km/h | 160 km/h | 170 km/h |
| Getriebe | Fünfgang manuell | Fünfgang manuell | Fünfgang manuell |
| Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 205/55 R 16 H | 195/65 R 15 T | 205/55 R 16 H |
| Reifentyp | Michelin Energy Saver | Continental PremiumContact 2 | Dunlop SP Sport |
| Radgröße | 6,5 x 16" | 6,0 x 15" | 6,0 x 16" |
| Abgas CO2 | 112 g/km | 112 g/km | 134 g/km |
| Verbrauch* | 4,7/4,2/4,3 l | 4,7/4,2/4,3 l | 5,9/4,7/5,1 l |
| Tankinhalt | 60 l/Diesel | 60 l/Diesel | 60 l/Diesel |
| Vorbeifahrgeräusch | 72 dB (A) | 72 dB (A) | 74 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 1050/750 kg | 1350/697 kg | 1500/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 685–3000 l** | 438–2080 l** | 750–3030 l |
| Länge/Breite/Höhe | 4321/1829/1809 mm | 4213/1829/1819 mm | 4406/1794/1822 mm |
| Preis (wird bewertet) | 22.455 Euro*** | 21.690 Euro | 23.723 Euro**** |
| * innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **Mercedes gibt größere Kofferraumvolumina als Renault an, diese beziehen sich aber auf den Transporter. Gepunktet werden daher beide gleich; ***inkl. 16''-Bereifung und BE-Paket; **** inkl. 16''-Bereifung | |||
| Messwerte | Mercedes | Renault | VW |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | |||
| 0–50 km/h | 4,4 s | 4,4 s | 4,0 s |
| 0–100 km/h | 14,6 s | 14,4 s | 13,3 s |
| 0–130 km/h | 28,0 s | 27,3 s | 25,0 s |
| Elastizität | |||
| 60–100 km/h | 10,8 s (4. Gang) | 11,0 s (4. Gang) | 11,2 s (4. Gang) |
| 80–120 km/h | 18,7 s (5. Gang) | 19,5 s (5. Gang) | 18,5 s (5. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung | 1444/506 kg | 1456/494 kg | 1548/716 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 60/40 % | 59/41 % | 58/42 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,5/11,4 m | 11,5/11,3 m | 11,0/11,0 m |
| Bremsweg | |||
| aus 100 km/h kalt | 37,1 m | 36,3 m | 36,2 m |
| aus 100 km/h warm | 37,7 m | 35,7 m | 36,0 m |
| Innengeräusch | |||
| bei 50 km/h | 60 dB (A) | 61 dB (A) | 59 dB (A) |
| bei 100 km/h | 69 dB (A) | 69 dB (A) | 68 dB (A) |
| bei 130 km/h | 74 dB (A) | 74 dB (A) | 72 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 5,8 l D – 154 g/km | 5,7 l D – 150 g/km | 6,1 l D – 161 g/km |
| Reichweite | 1030 km | 1050 km | 980 km |
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Kommentare zum Artikel (7)
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Fazit: Wer so ein Auto für die Familie braucht ist wohl bei Renault besser aufgehoben. Wer so ein Auto praktisch nutzen möchte und viel Platz/Zuladung braucht (eben ein NUTZfahrzeug) der greift zum Caddy. Der Mercedes liegt dazuwischen, sowohl preislich als auch von den Nutzwerten. Das alte Vorurteil der "unzuverlässigkeit" sind ja durch aktuelle TÜV Studien, Dauertests und nicht zuletzt Qualitätsstudien hinlänglich wiederlegt worden ... wo landet eingentlich Renault und Mercedes bei solchen Umfragen oder bei der Kundenzufriedenheit ;-) ?
Aber die Leute erinnern sich halt nur noch an uralte Tests von anno dazumal .. und alle Opel rosten, alle Japaner sind kopiert und die Amis bauen nur V8 Steinzeitautos. Willkommen im Jahr 2013 ;)
Also solche Autos sollen nicht schön sein, sondern viel Platz bieten. Wer ein schönes Auto haben möchte, der soll sich ein Coupe kaufen.
Also ich bin persönlich ja ein BMW-und Mercedes-Fan, aber der Citan sieht einfach nicht wie ein Mercedes aus. Der peinliche große Stern auf einem Kastenwagen, also das geht gar nicht.
Ein Mercedes soll schnmittig aussehen, aber nicht wie ein LKW.
Der höhere Preis für den Caddy ist wirklich schwer nachvollziehbar:
Alle Caddys werden im polnischen VW-Nutzfahrzeugwerk in Poznań gefertigt.
Citan und Kangoo werden im gleichen Werk in Maubeuge (Nordfrankreich) produziert, eine Tochtergesellschaft von Renault.
Wieso gibt es da dann (angeblich) solche Unterschiede bei Verarbeitung (Klappern), Motormanagement und ESP? So wirklich einleuchtend ist das bei gleichem Produktionsstandort und gleicher Fahrzeugbasis nicht. Wieso sollte Renault diese Verbesserungen im eigenen Werk beim Kangoo (als Produktionsstandort von beiden Modellen) nicht übernehmen?
wie üblich werden Apfel mit Birnen verglichen. Die Top-Version "Luxe" bei Renault wird mit der mageren "Trendline" Ausstattung vom Caddy verglichen. Die sehr üppige Ausstattung vom Renault wird nicht ausreichend berücksichtigt.
Der Preis-Leistungs-Sieg wäre mit riesigem Abstand an den Kangoo gegangen, wenn man die Version "Happy Family" genommen hätte: die kostet 17990 EUR (dann allerdings ohne das überflüssige start/stop, aber immernoch niedrigeren Emissionen als der Caddy) vs. ca. 22800 EUR beim Caddy ohne Alus. Und dabei ist der Kangoo "Happy Family" imernoch weit besser ausgestattet, als der Caddy Trendline.
Und wenn man die tatsächlichen Verkaufspreise (als inkl. Nachlass) vergleicht, dann wirds noch viel extremer. Dann ist der Unterschied ca. 6-7 T€
Dass eine Starrachse an Blattfedern in einem LCV durchaus ihre Berechtigung hat, mag man ja noch angehen, auch wenn das hierzulande in der Klasse nur bei VW zu sehen ist.
Ein solch antikes Fahrwerk aber als "komfortabel" zu verkaufen kann, versucht man nur bei AB.
Eine Starrachse poltert, umso mehr bei geringer Belastung. Wird die Mittellage duch einen Panhardstab realisiert, kommt´s zu einem seitlichen Achsversatz über Bodenwellen. Das Heck spring unvermittelt auf eine Seite.
Was genau soll daran Komfort sein?
@Deichgraf
Würden in solche Tests generell auch die Haltbarkeit oder Zuverlässigkeit eingehen, könnte VW wohl nur noch ein handvoll Tests gewinnen. Zumindest bei der Büchse schlechthin, beim Sharan 1, störte man sich an derlei Dingen nie.