Mercedes CLK 55 AMG

Mercedes CLK 55 AMG Mercedes CLK 55 AMG

Mercedes CLK 55 AMG

— 19.08.2002

Starker Abgang

Wichtig ist, was am Ende herauskommt: Der neue Mercedes CLK 55 AMG ist ein Coupé, das aufgrund geänderter innerer Werte noch harmonischer wurde – und dabei geht wie die Hölle.

Straffes Fahrwerk, ohne unnötige Härte

Nein, nein, nein! Auf der Rennstrecke will er ihn nicht haben, den neuen CLK 55 von AMG, auch wenn wir gerade hier sind. Domingos Piedade, Geschäftsführer der Mercedes-Edeldivision, winkt ab: Bitte nur fahren und fotografieren um den Hockenheimring herum, der neue Ring selbst ist dem aktuellen Formel-1-Safety-Car, dem 500 PS starken SL 55 von AMG, vorbehalten. Aber, werfen wir ein, vor dem SL und dem CL war doch der CLK-Vorgänger Safety-Car, und der ging doch sehr gut? Nein, nein, nein.

Wir beugen uns seinem Willen und tummeln uns in den Odenwald. Und schnell wird klar, warum Piedade den neuen CLK 55 AMG nicht auf der Rennstrecke haben will: Er ist kein Rennwagen. Er ist ein Auto für eine ganz spezielle Klientel: alt genug, mal eben 77.256 Euro pro Stück hinzublättern; jung genug, um sich in ein Coupé einzufädeln; sportlich genug, um auf den Lebensabend-Komfort großer Mercedes-Limousinen verzichten zu können; bequem genug, um den AMG-Komfort genießen zu können.

Das heißt: ein straffes Fahrwerk, das keine Wünsche offen lässt, aber keine unnötige Härte zeigt. Trotz der beeindruckenden Kraft des V8, der jetzt 367 PS leistet (das sind 20 PS mehr als im Vorgänger), ist der AMG-CLK spielend leicht zu dirigieren. Das ESP sorgt beim gut 1,7 Tonnen schweren Wagen für sichere Beherrschbarkeit auch in zu schnell angefahrenen Kurven. Das Auto schiebt nur leicht über die Vorderräder und wird wieder brav beim Gaspedallupfen. Ist das elektronische Stabilitätsprogramm aus, gehorcht das Heck nur noch dem Gasfuß – eigentlich eine Übung für die Rennstrecke. (Ja, ja, ja, Herr Piedade, wir wissen: Nein, nein, nein!)

Keine Kompromisse bei den Bremsen

Besonders das Getriebe reagiert beim neuen AMG-CLK anders als beim alten. Sehr angenehm: Bei zügig durchfahrenen Kurven und ab einer bestimmten Querbeschleunigung bleibt die Fünfgangautomatik im gewählten Gang und vermeidet somit getrübten Fahrspaß und unerwünschte Lastwechselreaktionen. Außerdem schaltet das Getriebe automatisch zurück, wenn der Fahrer kräftig bremst – AMG nennt das "aktive Bremsrückschaltung". Natürlich geht es auch manuell mit der AMG-Speedshift.

Außerdem kann der AMG-Lenker über Schalttasten am Lenkrad seine Gänge wählen: Auf der Rückseite des Sportlenkrads integriert sind zwei Tasten, rechts zum Hoch-, links zum Runterschalten. Eine nette Spielerei, wenn man nicht über Serpentinen Berge erklimmen muss. Keine Kompromisse macht AMG bei den Bremsen. Dort sitzt bewährte Renntechnik: vorn gelochte und innenbelüftete Bremsscheiben mit 345 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Festsattelbremse, hinten 300-Millimeter-Scheiben, innenbelüftet mit Zweikolben-Festsattelbremse. In Verbindung mit 225/40-R-18-Reifen vorn und 255/35-R-18er hinten kann der CLK ebenso beeindruckend verzögern wie beschleunigen (von 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden).

Der CLK-Auftritt ist AMG-typisch dezent. Eine kleine Spoilerlippe hinten (50 Prozent weniger Auftrieb an der Hinterachse), Seitenschwellerverkleidungen, angenehmer Sound (bitte in Tunneln und Häuserschluchten Fenster öffnen und genießen), dazu zweifarbige Innenausstattung aus Nappa- und Nubukleder und ausgezeichnete Sportsitze, an die Konturen des Fahrers anpassbar.

Kritikpunkte und Technische Daten

Um Negatives zu finden, müssen wir schon lange suchen. Es sind Kleinigkeiten: Der hässliche Gurtbringer erinnert an ein Zahnarztinstrument, bei weit geöffnetem Fenster klopft der flatternde Gurt die linke Schulter des Fahrers weich, die Tachoskala lockt bis 320, aber bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Und von Kopffreiheit für Erwachsene kann hinten – bauartbedingt – keine Rede sein.

Etwa drei Prozent der jährlichen Mercedes-CLK-Produktion (52.000 Stück) sollen von AMG veredelt werden. Und falls der CLK 55 AMG ab September 2002 nicht so viele Käufer findet wie gewünscht – wird er dann vielleicht doch das neue Safety-Car?Domingos Piedade grinst und sagt nichts – nicht einmal nein, nein, nein. Denn was so eine Präsentation auf der Rennstrecke bewirken kann, konnte er im März beim Grand Prix von Australien erleben. Da dröhnte der SL 55 AMG wegen diverser Rennunfälle mehrere Runden lang vor den F-1-Boliden her. Die Folge: Zwölf Mercedes-500-SL-Käufer unter den Zuschauern wandelten spontan ihre Bestellungen um – in SL 55 AMG.

Technische Daten V8, vorn längs • drei Ventile je Zylinder • Hubraum 5439 cm3 • Leistung 270 kW 367 PS) bei 5750/min • maximales Drehmoment 510 Nm bei 4000/min • Hinterradantrieb • Fünfstufenautomatik • rundum Einzelradaufhängung • Kofferraumvolumen 435 Liter • Tankinhalt 62 Liter • Länge x Breite x Höhe 4638 x 1740 x 1414 mm • Reifen225/40 R 18 vorn, 255/35 R 18 hinten • Leergewicht 1715 kg • 0–100 km/h in 5,2 s • Spitze 250 km/h • Preis 77.256 Euro

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