Mercedes CLS auf dem Kiez

Mercedes CLS Mercedes CLS

Mercedes CLS auf dem Kiez

— 05.10.2010

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins

Der neue Mercedes CLS zeigt sich, in rotes Neonlicht getaucht, den Nachtgestalten von St. Pauli. Da, wo der Stern auf der Haube noch Strahlkraft hat. AUTO BILD auf Spritztour zwischen Millerntor und Beatles-Denkmal.

Wenn es dunkel wird auf St. Pauli, wenn die Lichter angehen an den Häusern und Autos, dann kommen sie und gucken. Und manche fassen sogar an. Die Touristen, die Huren, Glücksjäger, Zuhälter, Säufer und Spaziergänger, die Getriebenen und die Gefallenen. Sie alle werfen einen mehr oder weniger intensiven Blick auf dieses Auto, nuscheln Vokabeln wie "protzig" oder "prächtig", schütteln den Kopf oder nicken anerkennend. Einer kommt aus der Sex-Bar "Tutti Frutti", bleibt erstaunt stehen und fragt: "Das ist doch der Neue, oder?" Und Neuigkeiten sprechen sich schnell herum auf dem Hamburger Kiez. Vor allem neue Autos, noch immer eine Währung auf der Reeperbahn, wo die Männer mit ihren polierten Karren selten schneller als Tempo 30 fahren, um auch ja gut gesehen zu werden.

Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes CLS

Beim Blick auf diesen Mercedes CLS 350 CDI, der seine Weltpremiere in Paris gerade hinter sich hat, denken die Menschen hier an "C" wie Cash (63.427 Euro), "L" wie Länge (fast fünf Meter) und "S" wie Status (der Stern strahlt hier heller als in der Oberwelt). Im Neonlicht der Großen Freiheit funkelt das neue viertürige Coupé wie ein Klunker am Hals eines prächtigen Weibsstücks. "Das ist was für mich, echt", knurrt Karate-Tommy und guckt böse und beeindruckt zugleich. "Unser SL ist schöner", sagt Beata aus Polen und zeigt Zähne in der Farbe ihre kurzen Lederjacke. "Der sieht nach einer Ansage aus", formuliert Monty, Karate-Tommys Sohn, seine Bewunderung. "Geil, aber nur für meine Eltern", krächzt Christine und kippt einen Schluck Astra Pils hinterher. Nachtgestalten, alle vier. St. Pauli, die Reeperbahn und ihre Seitenstraßen sind ihre Heimat, manchmal auch nur die zweite. Wenn hier nachts in den Kaschemmen, den Klubs und Hinterzimmern, den Bars und Eckkneipen geredet wird, dann dreht es sich um die kleinen und großen Sorgen, um Männer, Frauen und Sex, und natürlich – um Autos. Teure Autos. Geile Autos.

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Stern am Beatles-Platz: Der neue Mercedes CLS zeigt sich auf dem Kiez in St. Pauli.

Hier, in der Glitzerwelt zwischen Millerntor und Beatles-Denkmal, kann man in der Nacht keine Sterne am Himmel sehen. Dafür umso mehr auf der Straße. Hier zählt ein Daimler noch mehr als anderswo, ist Statussymbol, Stolz der Kerle und Traum der Damen. Und plötzlich, in einer Dienstagnacht wie jeder anderen, taucht dieser brandneue Mercedes CLS hier auf, sechs Zylinder, 265 Diesel-PS, der Stern am Kühlergrill tellergroß. Und macht gleich mal auf dicke Hose. Stellt sich mitten auf den Beatles-Platz zwischen Ringo und John aus Metall. Die LED-Heckleuchten harmonieren prächtig mit dem Rotlichtviertel. Und Monty sagt fasziniert: "Wie Lidschatten, Alter." Monty Born (23) ist heute mit seinem Vater unterwegs, Thomas Born, den sie hier alle nur Karate-Tommy nennen. Der war nicht nur Karate-Europameister, sondern einst auch in der "Nutella-Bande" für die "Abteilung Stress" verantwortlich. Eine Kiezgröße, die jeder respektierte und die wie alle hier ein Leben führte zwischen leichten Mädchen und schweren Autos.

Auch mit Ende 50 weiß Karate-Tommy noch, was ein Auto ist und was nicht. Und doch haben sich mit den Jahren die Prioritäten verändert. Heute lobt er diese "unfassbare Laufruhe für einen Diesel" und dass er selbst hinten noch genug Platz habe. "Und dann solche Sachen wie dieser Totwinkelwarner, ey, ich sach dir, das ist gerade für Frauen perfekt. Wir wissen doch alle, wie die fahren. Sach ma ehrlich." Monty steht neben seinem Vater und lächelt. Schmaler ist er, blasser, aber mit wachen Augen. Er ist häufiger an der Uni als auf dem Kiez, studiert technische Betriebswirtschaftslehre. Was er von seinem Vater geerbt hat, ist die Liebe zu schnellen Autos. Zwei Praktika bei Porsche hat er gemacht, wollte Kfz-Mechaniker werden.

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Neues Design: Die Sicken und Kanten sollen Dynamik bringen. Geschmacksache.

Monty gerät ins Schwärmen: "Die Linien des neuen CLS haben mehr Charakter als beim Vorgänger. Die Seitenlinien sind schlüssiger, sie geben ein Statement ab. Der hier ist nicht so rundgelutscht wie der Alte. Ich mag auch die steile Front. Und erst mal die Sitze, ey! Dazu viel Chrom, Designelemente aus der S-Klasse. Das hat Stil. Und die bei Daimler müssen echt viel Zeit ins Lichtdesign investiert haben." Man merkt Monty an, dass er den CLS jetzt gern über die Reeperbahn fahren würde. Aber er ist zu höflich, um überhaupt zu fragen. Fahren darf heute Nacht nur ein junger Mann, der im betulichen Stuttgart beim Daimler schafft und der diese Dienstreise in das schmutzige Herz einer Großstadt mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen zu erleben scheint. Er lenkt den Viersitzer vorsichtig über die Reeperbahn, an Davidwache und Herbertstraße vorbei. Parkt mal hier, mal dort.

Weitere Details zum Kiez-Besuch des Mercedes CLS gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel finden Sie als Download im Heftarchiv.

Autor: Hauke Schrieber

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