Vergleich: CLS Shooting Brake trifft seinen Urahnen

Mercedes CLS Shooting Brake im Vergleich

— 18.07.2012

Kombis mit Schuss

Mit dem Shooting Brake zeigt Mercedes ungewohnten Mut. Ein schräger Mix aus Coupé und Kombi oder der konsequentere CLS? Der Vergleich mit dem 450 SEL Crayford gibt Antworten.

Klappe auf. Auf dem Boden schimmert in sanftem Rot amerikanisches Kirschholz, an den Seiten flauschiger Teppich und edles Leder. So langsam reift die Erkenntnis, dass Mercedes wohl recht damit hatte, in der Pressemappe zum CLS Shooting Brake in schönstem Marketing-Sprech auf Legenden und Ikonen zu verweisen. Das Wort Kombi fällt nicht ein einziges Mal. Nein, der Shooting Brake ist geschaffen, um zu gefallen. Ein Lustobjekt, das gekauft wird,weil man es haben will, nicht etwa, weil man es braucht. Erstmals seit langer Zeit bringt Mercedes ein Auto an den Start, das diesen Anspruch auch optisch vorbehaltlos erfüllt. Die Proportionen mit langer Haube, flachem Dachverlauf und kurzem hinterem Überhang passen perfekt. Selbst die übertriebenen, fast ornamenthaften Details fügen sich, genau betrachtet, harmonisch in das Gesamtbild, während sie bei der Limousine eher stören.

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Äußerst selten: Nur 80 Käufer weltweit konnten sich für den Mercedes 450 SEL Crayford erwärmen.

Selbst der aus dem Ponton-Benz der 50er-Jahre entliehene Hüftschwung passt plötzlich zu einem Mercedes der Neuzeit. Der Shooting Brake wirkt, als habe der CLS schon immer so aussehen wollen. Ganz neu ist die Idee mit einem nutzwertigen Auto für die Reichen und Schönen nicht. Bereits Mitte der 1970er-Jahre widmete sich der britische Karosseriebauer Crayford der S-Klasse. Damals eines der besten Autos der Welt – nur wirklich praktisch war der W 116 eher nicht. Die Kombination aus schwäbischer Limousine und dem Kombiheck des ersten Ford Granada überzeugte auch die Vorstände in Stuttgart. Und so durfte Crayford den schrägen Mix offiziell über Mercedes-Niederlassungen verkaufen. Und nicht nur das, Crayford bekam den Ritterschlag: Der praktische 116er durfte den Stern tragen. Eine Ehre, die nur wenigen Umbauern zuteilwurde. Berühmteste S-Klasse-Kombi-Kundin war die italienische Filmdiva Sophia Loren, die den britisch-deutschen Edellaster zum Transport ihrer Zwergpudel orderte. Viel mehr hätte der Crayford wohl auch nicht gepackt. Die hohe Ladekante verhindert, dass sperriges Gepäck in den mit edlem Teppich ausgekleideten Kofferraum geladen wird. Die Rückbank ist gar nicht erst umklappbar – mehr als zwei Golfbags passen einfach nicht in das riesige Heck.

Preise: Das kostet der Mercedes CLS Shooting Brake

Praktisches Lifestyle-Produkt: Der Kofferraum des CLS Shooting Brake verpackt bis zu 1550 Liter.

Das kann der CLS Shooting Brake trotz aller Lifestyle-Anlagen deutlich besser. Sein Kofferraum fasst bis zu 1550 Liter, die Rückbank kann bequem vom Laderaum aus umgelegt werden. Geht ganz einfach und unkompliziert. Auch hier scheint sich Mercedes endlich wieder darauf zu besinnen, immer die am besten durchdachte Idee anzubieten. Dem Zeitgeist geschuldet ist dagegen, dass der Shooting Brake zum Start nicht nur mit großvolumigen Benzinern, sondern bescheiden auch mit einem Vierzylinder-Diesel auf den Markt kommt. Kein schlechter Trend, der 204 PS starke Selbstzünder macht sogar in der fetten S-Klasse einen guten Job, dem satten Drehmoment von 500 Newtonmetern sei Dank. Spitzenmodell ist der 500er mit Allrad, der trotz 408 PS Leistung mit unter zehn Litern pro 100 Kilometer auskommen soll. Im W 116 undenkbar. Vor allem bei unserem Fotomodell, einem von nur acht gebauten 450 SEL mit Kombiheck – zur Verfügung gestellt von der Firma Dresdner Klassiker Handel. Sein 4,5-Liter-V8 leistet für damals beachtliche 225 PS. Die Werksangaben sprechen von rund 15 Litern, die alle 100 Kilometer durch die Einspritzung rauschen. Nicht mehr als ein frommer Wunsch.

Beim Beschleunigen kann sich der Fahrer nicht sicher sein, ob das Bollern des sämigen Achtzylinders oder der Strudel im sich zügig leerenden Tank lauter ist. Egal, der Fahrer wird entschädigt – und mehr als das. Der W 116 ist Mercedes in Bestform. Die Tür fällt satt ins Zapfenschloss, und wenn der Crayford Fahrt aufnimmt, hebt sich die lange Haube mit dem majestätisch darauf thronenden Stern elegant wie bei einer Motorjacht. Die Federung ist so geschmeidig, dass der Alte beim Thema Komfort selbst heute noch mithalten kann, zumindest solange es geradeaus geht. Die schnelle Fahrt durch Kurven verhindern im W 116 schon allein die Sitze: Sie sind ohne erkennbaren Ansatz von Seitenhalt. Geschichte.

Die Geschichte im Original-Layout gibt es im Artikelarchiv

Sternträger im Formationsflug: Fahrdynamisch kann der alte mit dem neuen nicht annähernd mithalten.

Dynamik, Agilität und Handling sind heute die Schlagworte, mit denen Daimler den Shooting Brake charakterisiert. Ja, sie sind stolz, die Techniker, auf dieses neue Auto. Stolz auf die elektromechanische Lenkung, die präziser arbeitet, als es die alte Kugelumlauflenkung jemals konnte. Und die serienmäßig luftgefederte Hinterachse aus dem E-Klasse T-Modell zeigt offenbar zusätzliche Talente im Shooting Brake. Der soll, so berichten Insider hinter vorgehaltener Hand, nicht nur wie auf Wolken fahren, sondern im Sportmodus sogar – oops – deutlich fahraktiver sein als die Limousine. Und das alles bei einem hohen Maß an Restkomfort, woran die sportlichen Varianten aus dem Haus Daimler schon mal krankten. Wie sich die Zeiten ändern. In den 1970er-Jahren war Mercedes unangefochten die Nummer eins. Mut, etwas Neues zu wagen, brauchte es nicht. Kein Wunder also, dass die Schwaben den spleenigen Engländern das Experiment mit dem S-Klasse-Kombi überließen. Die Geschichte gab ihnen recht.

Die Welt war noch nicht bereit für ein solches Gefährt, der W 116 Crayford war seiner Zeit zu weit voraus. Gerade mal 80 Kunden weltweit waren bereit, sich auf ihn einzulassen. Der stimmige neue Shooting Brake dürfte BMW und Audi, allen voran aber auch dem Normal-CLS Kunden abjagen. Mindestens ein Drittel, vermuten Experten. Was ein Erfolg für ein Konzept wäre, das sich in dieser Form noch niemand getraut hat. Klappe zu.

Technische Daten Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake
Vierzylinder, Biturbo, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 2143 cm³ • Leistung 150 kW (204 PS) bei 4200/min • max. Drehmoment 500 Nm bei 1600/min • Hinterradantrieb • Siebenstufenautomatik • Kofferraumvolumen 590–1550 Liter • Länge/Breite/Höhe 4956/1881/1413 mm • 0–100 km/h 7,8 s • Spitze 235 km/h • Verbrauch EU-Mix 5,3 l Diesel • CO2 139 g/km • Preis ca. 65.000 Euro.

Technische Daten Mercedes 450 SEL Crayford V8, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 4520 cm³ • Leistung 165 kW (225 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment 378 Nm bei 3000/min • Hinterradantrieb • Dreistufenautomatik • Radstand • L/B/H 5060/1865/1430 mm • 0–100 km/h 10,0 s • Spitze 210 km/h • Verbrauch (DIN) 14,5 l Super • CO2 344 g/km • Preis ca. 35.000 Euro (Zeitwert).

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Kombis mit Schuss

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Mercedes-Benz 450 SEL Crayford (Typ W 116), Mercedes-Benz CLS 250 CDI Shooting Brake (Typ C 218)

Veröffentlicht:

03.07.2012

Preis:

1,00 €


Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Was Crayford in den 70ern mit dem W 116 nicht gelungen ist, wagt jetzt Mercedes selbst: einen Mix aus Luxus-Auto und Nutzwert. Und das ist den Stuttgartern nahezu perfekt gelungen. Der CLS Shooting Brake sieht hinreißend schön aus, bietet trotzdem ausreichend Kofferraum. Keine Frage, ein Kombi zum Verlieben.

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