Mercedes E 220 CDI Classic

Mercedes E 220 CDI Classic Mercedes E 220 CDI Classic

Mercedes E 220 CDI Classic

— 25.03.2002

Wirklich erste Klasse?

Die neue E-Klasse: ein Auto, das den neuen Maßstab prägen soll. Macht es auch, nur an Kleinigkeiten im Innenraum hapert es.

Kleiner Diesel mit großer Leistung

Es werden Zigtausende sein, die sowohl den Prospekt der neuen E-Klasse als auch die Dienstwagen-Verordnung studieren. Denn die Gelegenheit, seinem Chef die Diesel-Einsteigerversion zu unterbreiten, ist günstig wie lange nicht mehr. Das Beamten- und AOK-Modell E 200 CDI kommt erst im Herbst 2002, und wer jetzt "zuteilungsreif ist", kann Glück haben, ein Schnäppchen zu machen.

Der 220 CDI ist zurzeit die größte Überraschung in der E-Klasse-Modellpalette. Ältere Mercedes-Diesel-Fahrer werden sich sicher noch an den unverwüstlichen /8 (Strich Acht) erinnern, die Baureihe W 115, die 1968 vorgestellt wurde. Im damaligen 220 D nagelte laut und qualmte pechschwarz ein Vierzylinder-Diesel mit 2,2 Liter Hubraum und gerade mal 60 PS. Das Drehmoment betrug 125 Newtonmeter, und genauso unten war das Image.

Welchen Fortschritt die Technik gemacht hat, zeigen nicht nur die Papierdaten des neuen 220ers: 150 PS und 340 Nm, wohlgemerkt bei gleicher Zylinderzahl und gleichem Hubraum. Weit wichtiger: keine Dieselgedenkminute, nicht mal bei Minusgraden. Einfach Schlüssel umdrehen, der Motor läuft, rund, weich und relativ leise, verrät nur in den ersten Leerlauf-Minuten, welcher Betriebsart er angehört.

Der heutige 220er-Diesel bietet Hightech pur. Ein modernes Hochdruck-Einspritzsystem (Common Rail), Turboaufladung mit variabler Turbinengeometrie und Ladeluftkühler bringen die Leistung, zwei Ausgleichswellen am Kurbeltrieb die Laufruhe. Endlich: Der E 220 CDI hat weder eine Anfahrschwäche in den ersten beiden Gängen noch den nervigen "Bonanza-Effekt" (aufschaukelnder Vorderwagen beim Einkuppeln).

Leistung satt dank Doppel-Beatmung

Geschmeidig und gut zu schalten, beschleunigt die Limousine ruckfrei und zügig bereits aus niedrigsten Drehzahlen durch die serienmäßigen sechs Gänge. Selbst Kriechtempo 20 im dritten Gang (nur 1000/min) erträgt der Vierzlinder ohne Murren. Da wird nicht mal die sonst als obligatorisch empfohlene Automatik vermisst. Besonders wohl fühlt sich der CDI-Diesel bei Drehzahlen zwischen 2500 und 3500/min. Zwischensprints im dritten Gang darf man schon als sportlich bezeichnen. Der ganze Spaß kostet an der Tankstelle durchschnittlich nicht mehr als 7,8 Liter. Die Diesel-E-Klasse: fast schon ein Öko-Auto.

Auf der Autobahn braucht der E 220 dennoch seine Zeit, über 200 km/h zu kommen. Die vom Hersteller garantierte Höchstgeschwindigkeit von knapp 220 km/h schafft unser Testwagen nicht. Dafür aber bleiben die Windgeräusche nahezu komplett draußen, vom Motor ist ohnehin nichts zu hören. Hoher Komfort also, getragen von einem exzellenten Fahrwerk. Die E-Klasse rollt sehr gut ab, federt und dämpft vorbildlich, und auch die Lenkung vermittelt bei allen Anforderungen direkten Zugang zur Straße. Vom schweren und teigigen Gefühl der Vorgänger-Modellreihe ist nichts mehr zu spüren. Kurz: Die neue E-Klasse ist so fahraktiv wie ein BMW, mindestens. Auch eine Art Fortschritt. Der steckt vor allem auch im Verborgenen, dort, wo es wichtig ist.

In der Bremse zum Beispiel, die elektrohydraulisch arbeitet und sich bei unseren Tests von ihrer bissigsten Seite zeigt. In Zahlen: 37,0 Meter kalt von Tempo 100 auf null. Nur wenige stoppen schneller. Vorbildlich (zumindest theoretisch) die passive Sicherheit: adaptive Frontairbags sowie adaptive Gurtkraftbegrenzer, Sidebags vorn und Kopfairbags (Vorhänge) serienmäßig. So gerüstet, soll die E-Klasse locker die fünf Sterne bei den Euro-NCAP-Crashs schaffen.

Multifunktionslenkrad serienmäßig

Technisch gut gerüstet ist sie also, die E-Klasse; dennoch hält die (wiederentdeckte) Liebe zum Detail zumindest noch Raum für Verbesserungen bereit. Unsere Kritik am Interieur: schlechte Platzierung des mickrigen Warnblinkschalters mittig vor der Schaltung. Ein paar Millimeter daneben getippt, schon schwenkt die Abdeckung für das CD-Fach nach oben (das sich übrigens nach etwa 30 Sekunden selbsttätig wieder schließt).

Unbegreiflich aber: Warum muss in einer Mercedes-Limousine der Handschuhfachdeckel zum Schließen mit Schwung regelrecht zugeknallt werden, um einzurasten? Ist die E-Klasse ein Lastwagen? Dazu würde immerhin das nicht gerade hochwertige Hartplastik passen, aus dem der Blinkerhebel und der Griff für die Sitzverstellung bestehen.

Ebenfalls nicht Oberklasse: der Kinderwagenkunststoff am Unterbau der Vordersitze sowie der beengte Ein- und Ausstieg hinten. Wer nicht aufrecht und normgerecht wie ein Crash-Dummy sitzt, eckt ständig mit den Füßen an. Und das in einem Auto, dessen Vorgänger Taxigeschichte geschrieben haben. Doch auch der happige Preis von 35.264 Euro dürfte die Dienstwagenfahrer nicht sonderlich beeindrucken. Ein Platz auf den oberen Rängen der Zulassungs-Hitliste ist dieser Extraklasse sicher.

Fazit und Zeugnis

Fazit Mit dem Mercedes E 220 CDI zeigen die Stuttgarter eindrucksvoll, wie selbst mit einem kleinen Vierzylinder-Diesel der heute geltende Komfortanspruch in der Oberklasse befriedigt werden kann. Der Common-Rail-Motor liefert gute Fahrleistungen, ist laufruhig und obendrein noch sparsam. Dazu eingepackt in eine attraktive und sichere Limousine, man könnte glatt schwach werden. Wenn da nicht der Preis wäre ...

Technische Daten und Testwerte

Die neue E-Klasse ist kein Leichtgewicht (zum Vergleich: Audi A6 TDI 1570 Kilo). Gleichmäßige Gewichtverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt aber für gute Handlichkeit.

Preise und Kosten

Kein Schnäppchen: Grundpreis von 35.264 Euro, teure Extras (Automatik 2007, Distronic 2343 Euro).

Punktetabelle

Sie setzen andere Prioritäten? Lassen Sie die Wertungen weg, die Ihnen unwichtig erscheinen. Und ermitteln Sie so Ihren Sieger.

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