Mercedes E-Klasse

Die neue Mercedes E-Klasse Die neue Mercedes E-Klasse

Mercedes E-Klasse

— 22.03.2002

Aus Freude am Fahren

Ab jetzt ist alles anders: Der neueste Mercedes zeigt fahrdynamische Tugenden, die bislang nur einer bot - BMW. E-Klasse, die neue Rasse.

Ab März 2002 im Handel

Britische Wissenschaftler behaupteten jüngst, das Projekt Mensch sei am Ende seiner Evolution angelangt. "Die Menschen in der westlichen Welt haben einen Stillstand erreicht, sie entwickeln sich nicht weiter." Der Mensch vielleicht. Das Auto schon.

Ein Blick in den Rückspiegel verdeutlicht, was kluge Köpfe allein in den letzten zehn Jahren dazugelernt haben. Noch im September 1992 verkündete Mercedes-Benz stolz, dass sie ihre E-Klasse (damals der W 124) deutlich aufwerten: "Die serienmäßige Ausstattung mit Fahrerairbag, Zweiklangfanfare anstelle der Signalhörner sowie Fünfganggetriebe unterstreichen das neue Preis-Wert-Verhältnis." Schmunzeln erlaubt. Dieser Pressetext ist nicht mal zehn Jahre alt.

Heute, am Steuer der neuen E-Klasse, klingt er wie aus der Steinzeit des Automobilbaus. Die neue Baureihe 211, die am 16. März 2002 zu den Händlern rollt, ist automobile Evolution in Reinkultur. Voll gestopft mit Elektronik und so verflixt schlau, dass Mann (oder Frau) hinterm Steuer schon fast Komplexe bekommen könnte.

Dachte ich eben noch, die aktuelle E-Klasse (W 210) sei noch gar nicht reif für die Rente, so weiß ich jetzt: Das Gegenteil ist der Fall, sie war sogar überfällig. Denn Mercedes hat ein Auto entwickelt, das seinen Vorgänger in wirklich allen Belangen alt aussehen lässt.

Design und Innenraum

Das beginnt bei der Optik. In den Abmessungen kaum verändert, wirkt die neue E-Klasse deutlich kompakter und durchtrainierter als ihr Vorgänger - und eben nicht verwechselbar, wie wir es beim Betrachten der ersten Fotos noch dachten. Okay, über die großen Rückleuchten mag man streiten. Für meinen Geschmack sehen sie etwas zu japanisch aus. Doch das coupéartige Dach und das Vier-Augen-Gesicht sind wirklich auf den Punkt geliftet. Jugendlich frisch, dynamisch und trotzdem edel. Ja, auch modisch. Aber nicht so radikal neu, dass sich bisherige E-Klasse-Fahrer nicht wiederfinden könnten. Eine unspektakuläre Perfektion.

Die neue Leichtigkeit hat das Team um Chefdesigner Peter Pfeiffer mit in den Innenraum genommen. Dort überrascht ein Armaturenbrett, das schon fast an BMW erinnert. Elegant, sportiv geschwungen und auch ein wenig zum Fahrer orientiert. Die Instrumente fein gezeichnet. Und - ganz wichtig - die analoge Zeituhr ist wieder da. Einfach. Schön.

In jeder Ecke, an jedem Schalter, jeder Türverkleidung ist das Bemühen um Qualität zu spüren. Nur nicht den Verdacht aufkommen lassen, wir hätten es hier mit einer Spar-Klasse zu tun. "Wir haben lieber wieder zwei Klipps zur Befestigung genommen als einen", erklärt mir ein Mercedes-Techniker. Das kostet natürlich. Um sich Peinlichkeiten wie bei der Einführung des auslaufenden Modells (und seines Vorgängers) zu ersparen, hat Mercedes 800 Millionen Euro in die Produktion und in neue Fertigungsprozesse gesteckt. So viel wie nie zuvor bei einem Serienanlauf.

Erstmals umklappbare Rücklehne

Trotzdem: Wer sucht, findet auch beim W 211 Detailschwächen. Der lange, dürre Hebel zur manuellen Sitzverstellung wirkt alles andere als solide, ebenso die spiddelige Klappe der beleuchteten Spiegel in der Sonnenblende. Auch die verchromten Einstellringe der Klimaanlage könnten solider ausfallen. Und wer sich in der neuen E-Klasse chauffieren lässt, ärgert sich beim Aussteigen über den hohen Schweller und das flach abfallende Dach.

Der Rest gibt uns das Vertrauen zurück, dass Mercedes endlich wieder an den richtigen Schrauben dreht. Besonders nobel wirkt der Neue natürlich in den Ausstattungslinien Elegance und Avantgarde. Vor allem wegen des vielen Chroms, das ganz dezent Instrumente, Holzeinlagen und Schalthebel einrahmt. Erstmals - man glaubt es kaum - hat eine E-Klasse auch umklappbare Rücksitzlehnen. Gegen saftigen Aufpreis (499 Euro) natürlich, da bleiben sich die Schwaben treu.

Nach dem Umklappen (kinderleicht) entsteht eine Ladefläche von 1,74 Metern. Wer jetzt noch die umlegbare Lehne vom Beifahrersitz bestellt (180 Euro, ab Herbst 2002), kann ein Surfbrett mitnehmen. Wollen sicherlich nur die wenigsten E-Fahrer (immerhin sind sie bislang im Durchschnitt ja schon 56 Jahre alt). Golf-Spieler brauchen dieses Extra übrigens nicht zwingend: Der neue Kofferraum (540 Liter, 20 mehr als bisher) ist so tief, dass vier Golftaschen längs reinpassen.

Motor und Fahrwerk

Wer einen dynamischeren Sport ausüben möchte, muss nur von hinten rechts nach vorn links wechseln - und kann alles löschen , was er bislang auf seiner internen Festplatte über das Fahrverhalten der E-Klasse gespeichert hat. Denn die Baureihe 211 ist so unverschämt fahraktiv geworden, dass man beinahe glaubt, bei der falschen Marke gelandet zu sein.

Die präzise Lenkung, das ungemein agile Fahrwerk und die spürbar steifere Karosserie (plus 18 Prozent im Vergleich zum Vorgänger) lassen die E-Klasse subjektiv auf die Handlichkeit der C-Klasse schrumpfen. Wann gab es das schon mal, dass man sich in einer E-Klasse auf die nächste Kurve freut? Da muss sich BMW mit dem neuen Fünfer richtig was einfallen lassen.

Um die neu entdeckte Freude am Fahren zu spüren, reicht übrigens schon der momentan kleinste Diesel. Von den fünf Motoren, die ab März 2002 an den Start gehen, ist der 220 CDI für mich die größte Überraschung. Der überarbeitete Common-Rail-Motor hat mittlerweile 150 PS (vorher 143), ein sattes Drehmoment von 340 Nm (vorher 315) und rennt bis 220 km/h. Zudem haben ihn die Stuttgarter Tüftler mit zwei Ausgleichswellen ruhig gestellt. Überhaupt ist die E-Klasse auffällig leise geworden. Bis Tempo 160 dringen kaum Fahr- und Windgeräusche zu den Passagieren durch.

Mercedes wäre nicht Mercedes, hätten sie nicht auch für die E-Klasse wieder ein paar besonders clevere Helferlein entwickelt. Aus dem SL kommt die serienmäßige elektronische Super-Bremse SBC, die in Notsituationen entscheidende Meter bringen soll.

Absatzziel: plus zehn Prozent

Ganz neu, aber nicht ganz billig ist der fahrdynamische Multikontursitz (pro Seite 638 Euro). Ein intelligenter Sessel, der in Kurven blitzschnell seine Sitzwangen aufpustet. Fühlt sich an, als würde dir eine starke Hand unter den Pulli kriechen, die dich dann kräftig gegen die Fliehkraft der Kurve abstützt. Klasse gemacht, braucht man aber nicht wirklich.

Genauso wenig wie die Luftfederung AIRmatic, die erstmals Federung und Dämpfung gemeinsam steuert. Jetzt stecken zwei Autos in der E-Klasse, ein Sportler und eine Komfortsänfte nur einen Knopfdruck voneinander getrennt. Doch das normale Fahrwerk mit Stahlfedern reicht völlig.

Teuer genug wird die E-Klasse auch ohne all die elektronischen Heinzelmännchen. Unter 35.264 Euro für den 220 CDI läuft derzeit nichts. Trotzdem ist sich Mercedes sicher, den Verkauf (inklusive T-Modell ab 2003) noch einmal um zehn Prozent steigern zu können. Auf den Lebenszyklus von sieben Jahren wären das rund 1,55 Millionen Stück. Auch das eine Evolution.

Technische Daten

Technik Sechszylinder-V-Motor • drei Ventile pro Zylinder • Hubraum 2597 cm3 • Leistung 130 kW (177 PS) bei 5700/min • max. Drehmoment 240 Nm bei 4500/min • Sechsgangschaltung• Heckantrieb • Vierlenker-Vorderachse • Raumlenker-Hinterachse • elektrohydraulische Bremse SBC• Länge/Breite/Höhe: 4818/1822/1452 mm • Leergewicht 1570 kg • Zuladung 535 kg • Kofferraum 540 Liter • Tank 65 Liter • 0-100 km/h in 9,1 s • Höchstgeschwindigkeit 236 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 10,7 l/100 km • Kaskoklassen (VK/TK vorläufig) 20/32 • Preis 36.888 Euro

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