Mercedes E-Klasse T-Modell

Mercedes-Benz E-Klasse T-Modell (W211) Mercedes-Benz E-Klasse T-Modell (W211)

Mercedes E-Klasse T-Modell (ab 2003)

— 04.10.2005

Ist E besser als sein Ruf?

Statistisch ist eine gebrauchte E-Klasse (W211) ein problemloses Auto. Nur das Comand-System strapaziert die Nerven vieler Kunden.

Kaum Klagen über die Elektronik

Mercedes baut anspruchsvolle Autos. Und Mercedes hat die anspruchsvollsten Kunden. Von denen die allerkritischsten immer die gleiche Lackierung wählen: Hellelfenbein – richtig, die Taxifarbe. Doch die Taxifahrer halten sich sehr bedeckt beim Thema E-Klasse. Bemängelt wird höchstens die im Vergleich zum Vorgänger flacher liegende Frontscheibe, die weniger beweglichen Gästen das Einsteigen erschwert.

Aber kein Wort von Elektronikproblemen oder gar dem Ausfall der im W 211 serienmäßigen elektronisch gesteuerten Bremse SBC (Sensotronic Brake Control), wie ihn andere Fahrer im Mai 2004 AUTO BILD meldeten. Womit das Problem keinesfalls verharmlost werden soll: Einen plötzlichen Elektronik-Blackout an der Bremse und einen damit verbundenen Ausfall von Bremskraftverstärker und ABS darf es nicht geben, weder bei Mercedes noch bei einem anderen Hersteller. Aber der Rückruf, den Mercedes-Benz im vergangenen April deswegen einleitete, scheint zu greifen – neue Reklamationen liegen nicht vor.

Und die übrige Elektronik scheint besser zu sein als ihr Ruf. Im AUTO BILD-Kummerkasten jedenfalls spielt dieser Bereich beim W211 nur eine untergeordnete Rolle. Sofern man das Comand-System nicht dazuzählt. Diese Kombination aus Radio, Telefon und Navigationssystem scheint immer noch geeignet, seinen Benutzern den letzten Nerv zu rauben. Und in der Multifunktionsanzeige des Tachoinstruments gilt es zu untersuchen, ob nicht einzelne Pixel ausgefallen sind und die Meldungen unleserlich gestalten.

Motor und Technik

Klassische Mercedes-Tugenden beweist der Maschinenbau: Kein einziger Motorschaden ist bei uns gespeichert, und sowohl die bewährte Fünfgang- als auch die vorigen Herbst eingeführte Siebengangautomatik arbeiten völlig problemlos. Bleibt zu hoffen, daß die Stuttgarter die Abdichtung des Differentials irgendwann auch noch in den Griff bekommen, dort kann wie eh und je Öl austreten und den Garagenboden sowie die kommende TÜV-Statistik versauen.

Die wird auch in der Rubrik Fahrwerk spannend: Mehrere Leser hatten bereits Probleme mit den zahlreichen Gelenken der Vorderachse oder den Spurstangenköpfen. Außerdem scheint die aufpreispflichtige Luftfederung AIRmatic, wie bereits in der nun auslaufenden S-Klasse, ein Schwachpunkt zu sein. Was dran ist, kann eben auch kaputtgehen – das müssen sich Gebrauchtwagenkäufer auch bei einem Mercedes vor Augen halten.

Doch zuviel Skepsis scheint ebenfalls fehl am Platz zu sein. So wie es aussieht, wird auch die aktuelle E-Klasse nicht nur im Taxieinsatz wieder Laufleistungen von über eine Million Kilometern erreichen – und damit ihren anspruchsvollen Preis rechtfertigen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte: 1/02 Vorstellung der Limousine. ESP, sechs Airbags und halbautomatische Klimaanlage serienmäßig, Motoren von 150 (E 220 CDI) bis 306 PS (E 500) 8/02 Weitere Motoren: E 200 Kompressor (163 PS) und E 500 AMG (476 PS) 11/02 E 200 CDI (122 PS) 1/03 Neues T-Modell eingeführt 9/03 E 200 Kompressor für Erdgasbetrieb 12/03 Diesel mit Rußpartikelfilter lieferbar

Schwachstellen: Keilrippenriemen (Foto) hat den Ruf der Wartungsfreiheit, kann aber je nach Belastung und Schmutzanfall schon nach 50.000 km austauschreif sein. Lästig, aber unbedenklich sind Schnattergeräusche bei Kälte. Bremsanlage stand häufig in der Kritik, ein Rückruf sollte die Probleme mit der SBC endgültig beheben. Mechanisch betrachtet, überzeugt die Bremse mit Standfestigkeit und geringem Verschleiß. Elektronik gilt bis Anfang 2005 als anfällig, Ursache ist oft Unterspannung. Mercedes änderte die Spannungsüberwachung. Verarbeitung ist vorbildlich, verschleißfeste Stoffe und solide Befestigungen sorgen für Haltbarkeit

Reparaturkosten: Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes E 220 CDI, 110 kW/150 PS, Baujahr 2002. Typisch Mercedes: Günstige Verschleißteile, aber den Rest besorgt man sich nach Ablauf der Gewährleistung besser im freien Teilehandel. Sehr hohe Stundenlöhne!

Fazit und Modellempfehlung

Fazit von Hendrik Dieckmann, AUTO BILD-Autor und Kfz-Mechaniker: "Wird der 211er zu Unrecht so heftig kritisiert? Fast scheint es so, denn die nüchternen Zahlen deuten in die entgegengesetzte Richtung: Selbst im Bereich der berüchtigten Elektronik verursacht die neue E-Klasse ein Drittel weniger Pannen als ihr Vorgänger W210 und gar zwei Drittel weniger als die C-Klasse. Und Mängel im Bereich der Mercedes-Kernkompetenzen wie Antrieb oder Karosserie treten nur im Promillebereich auf. Bleibt das Comand-System, in dem oft der Fehlerteufel steckt."

Modellempfehlung: Mercedes E 220 CDI (110 kW/150 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 340 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: 7,4 Liter. Werksangabe: 6,3 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (24/500 Euro SB): 1371 Euro. Teilkasko (32/150 Euro SB): keine Angabe. Haftpflicht (18): 985 Euro (Basis: Ontos-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion: nach Anzeige. Kosten: etwa 250 bis 600 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 34 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2000 Euro Verlust

Autor: Hendrik Dieckmann

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