Mercedes F800 Style: Fahrbericht

Mercedes F800 und Mercedes C-Klasse Mercedes F800

Mercedes F800 Style: Fahrbericht

— 01.12.2010

Der Mercedes von morgen

F800 Style nennt Mercedes den Ausblick auf die künftige Mittelklasse. Futuristisches Design, komfortsteigernde Assistenten und Hybridantrieb lassen auf eine spannende Zukunft hoffen. AUTO BILD war im Prototyp unterwegs.

Mercedes öffnet die Türen zur Zukunft. Und was gibt es zu sehen? Ein atemberaubendes Panorama. Ja, wirklich: Wenn die Pforten des F800 Style auf sind, liegt dem Betrachter gleich der gesamte Innenraum vor seinen Augen. Kein Pfosten trübt die Aussicht, und was sich darbietet, erinnert schwer an ein Raumschiff. Zumindest aber an eine hypermoderne Wohnlandschaft mit Designergarnitur. Vier schlanke Sitze, breite, durchgestylte Mittelkonsole, elegante Bildschirme an Metallstielen, viel Licht. Einsteigen ist ein Vergnügen, schon wegen der Fondtüren, die auf Knopfdruck nach hinten gleiten. Innen umschmeicheln den Passagier helles Leder, Aluminium, Edelplastik und geschwungene Paneele mit Holzfurnier, die zu schweben scheinen.

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Schlichtes Cockpit: wenige Schalter und ein Multifunktionsmonitor für den Fahrer.

"F" steht bei diesem Mercedes für Forschung – ganz schön cool, wie hier geforscht wird. Das Auto, das eine C-Klasse der Zukunft darstellt, fährt sogar richtig, und wir dürfen schon mal mitfahren. Erster Eindruck als Kopilot: Rechts verzichtet der F800 gänzlich auf die übliche Armaturentafel – das schafft viel Platz, um die Beine übereinander zu schlagen. Der Fahrer hantiert unterdessen an einer Mischung aus Lenkstange und Steuerknüppel, die hier das Lenkrad ersetzt (keine gute Idee). Auffallend die extrem reduzierten Armaturen: kein Schaltersalat, sondern ein Vielzweckbildschirm vor dem Fahrer, zwischen den Sitzen das neuartige "Cam-Touch-Pad". Es reagiert wie ein iPhone auf Tippen, Wischen, Blättern, Zoomen. Das wird gefilmt und auf dem Monitor darüber mit dem entsprechenden Menü überlagert. So sieht der Akteur seine Aktion und findet die richtigen Stellen auf dem Touchpad. Funktioniert auch ohne viel Übung.

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Der Staufolgefahrassistent ist in der Lage ist, dem Vordermann auch in Kurven zu folgen.

Was hat er noch zu bieten, der Mercedes der Zukunft? Noch mehr Assistenten natürlich. Den "Staufolgefahrassistenten" zum Beispiel – das Auto folgt durch Ziehen am Tempomathebel automatisch dem Vordermann, auch um Kurven. Freilich nur unter Tempo 30, nicht über Fahrbahnmarkierungen und vorausgesetzt, der Fahrer berührt das Lenkrad. Warum nicht völlig freihändig? Weil es der Gesetzgeber verbietet – "noch", meint unser F800-Chauffeur. Aber das könnte sich ja bis zum Startschuss für die künftige C-Klasse noch ändern. Wie dicht liegen Forschung und Wirklichkeit zusammen? Näher, als der Betrachter es vermutet, orakeln die Mercedes-Forscher. Sicher, die Karbon-Karosserie, das Chassis aus Aluwaben, die Fondtüren, die Details im Innern, das alles wäre nicht produktionstauglich. Aber der Hybridantrieb schon. Und auch der neue Stil, den uns der F800 vorführt, wird uns bald begegnen – garantiert.

Der Vorführ-F800 verfügt über den Hybridantrieb mit extrastarkem Elektromotor (109 PS) und Plug-in-Technik (die Batterien können an der Steckdose aufgeladen werden). Im Moment begnügt er sich aber mit dem V6-Benziner, der hier 300 PS abgibt. Wie der Hybrid fahren würde, zeigt uns eine entsprechend motorisierte S-Klasse. Doch die Mission des Forschungsautos geht weiter: Flexibel sein für alle Antriebsarten, lautet der Auftrag. Folglich auch für den Elektroantrieb mit eigenem Kraftwerk. Dann würde vorn unter der Haube kein Verbrennungsmotor stecken, sondern eine Brennstoffzelle. Mit Wasserstoff, den Tanks in Wagenmitte lagern (daher der breite Tunnel), erzeugt sie Strom, der den hinten eingebauten Elektromotor versorgt. Ergebnis: 136 PS und aus dem Auspuff nichts als Wasserdampf.

Unter dem Kennzeichen versteckt sich der Anschluss zum Stromtanken.

Neuer Power-Hybrid: Elektrokraft für 30 Kilometer
Auf den ersten Blick ist der Hybridantrieb keine Sensation. Vorn arbeitet ein 3,5-Liter-V6 mit Direkteinspritzung. In der Getriebeglocke, wo sonst der Drehmomentwandler haust, steckt der Elektromotor. Es folgt die gewohnte Siebenstufenautomatik, und unter dem Rücksitz ruht eine Zehn-Kilowattstunden-Batterie. So weit gleicht das Ganze dem handelsüblichen S 400 Hybrid. Und doch markiert die hier realisierte Lösung einen deutlichen Fortschritt: Statt kümmerlicher 20 PS steuert der Elektromotor starke 109 PS bei, viel mehr mithin als bei Hybridantrieben üblich.
Neuerung Nummer zwei: Die Batterie kann auch an der Steckdose aufgeladen werden ("Plug-in"), bei 230 Volt dauert das etwa sieben Stunden. Der Strom reicht dann bei rein elektrischer Fahrt für rund 30 Kilometer – für viele Besitzer genug, um etwa zum Arbeitsplatz zu kommen. Wir haben den neuen Hybrid in einer S-Klasse ausprobiert: verblüffend der kraftvolle Antritt bei ausschließlicher Elektrotraktion. Bei normalem Stadttempo fällt es leicht, mit dem Gaspedal unter jener Schwelle zu bleiben, bei der sich der Benziner einschaltet. Wenn erwünscht, sind rein elektrisch 120 km/h erreichbar. Beachtlich überdies die Beschleunigung bei Vollgas, wenn bei vereinten Kräften bis zu 409 PS anliegen. Noch nicht perfekt dagegen die ruckhaften Übergänge – da ist bis zum Serieneinsatz in der neuen S-Klasse noch Feinarbeit nötig.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Natürlich kann der F800 nicht eins zu eins in Serie gehen. Dazu ist er viel zu handgestrickt, zu teuer und auch zu versponnen. Aber er zeigt uns deutlich, wohin bei Mercedes die Reise geht: flexible Plattformen für unterschiedliche Antriebe, ein schwungvolleres Design, auch im Innenraum, neue Bediensysteme und komfortsteigernde Assistenten. Klar auch: Hybridantriebe, bei denen der Elektropart eine bedeutendere Rolle übernimmt, stehen bei Mercedes schon in den Startlöchern. Schöne Aussichten also.

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