Mercedes G-Klasse trifft Jeep Wrangler

Mercedes G-Klasse/Jeep Wrangler: Test

Das Eckige muss ins Dreckige

Jeep Wrangler und Mercedes G sind zwei Charaktertypen. Kantig, aufrecht, unverwechselbar. Nur einfache SUVs sind sie sicher nicht.
Hoch spritzt das Wasser, wild heulen die Motoren, aber so ein Tümpel ist jetzt wirklich kein Problem für Jeep Wrangler und Mercedes G-Klasse. Aber gut, der Fotograf wollte es so. Und die Frage ist, ob es überhaupt ernsthafte Hindernisse für diese beiden Autos gibt. Wrangler und G-Modell sind, man kann das nicht oft genug sagen, keine SUVs oder Crossover oder so etwas. Sie sind gebaut für genau diese Art der Fortbewegung – vorankommen, unaufhaltsam, unter allen möglichen und besser noch unmöglichen Bedingungen. Pfütze, Schlamm, Geröll, Sahara, Himalaya, egal.

Beide Geländegänger zitieren gekonnt ihre Ahnen

Typisch Jeep: Auch bei der jüngsten Generation des Wrangler bleibt es beim charakteristischen Kühlergilll.

Die beiden Geländewagen wurden gerade komplett neu aufgelegt, aber unverändert entworfen und gebaut nach dem Reinheitsgebot: Rahmen, Starrachsen (okay, der Benz hat jetzt Einzelradaufhängung vorn), Allrad, Untersetzung, Differenzialsperren, große Bodenfreiheit (24 cm). Und auch alles andere ist bei beiden noch da. Wie seit ewigen Zeiten. Eine hoch aufragende, kantige Karosserie, weit herausragende Radhäuser, runde Scheinwerfer, außen liegende Scharniere, steil stehende, fast senkrechte Scheiben. Beim im Ursprung aus dem Jahr 1941 stammenden Jeep kommen noch der typische Kühlergrill mit den sieben Lüftungsöffnungen dazu, die klappbare Frontscheibe, die abnehmbaren Türen und das je nach Version falt- oder abnehmbare Dach. Beim seit 1979 gebauten Mercedes sind es zum Beispiel die aufgesetzten Blinker vorn, die umlaufende Schutzleiste, die Rücklichter. Die Kunst, all diese unverwechselbaren Details in die Neuzeit zu übersetzen, ist bei beiden meisterhaft gelungen. Beide sind einzigartig und unverwechselbar. Immer noch.

Der Mercedes-Innenraum gefällt mit S-Klasse-Luxus

Luxusplus: Mit den zwei riesigen 12,3-Zoll-Bildschirmen kommt modernes Infotainment in die G-Klasse.

Eine glückliche Hand hatten die Formgestalter auch bei den Inneneinrichtungen. Die Armaturen-Bretter stehen weiterhin betont senkrecht, trotz neuer Elemente wirkt alles vertraut. Im Jeep gibt es jetzt einen bis zu 8,4 Zoll großen Berührungsbildschirm fürs Navi. Mit farbenfroher Optik und leicht verwirrenden Menüs. Wichtiger: Der dicke Griff vor dem Beifahrer. Die Amis nennen das Ding übrigens "Oh-shit bar" – gebaut also für den Moment, in denen der Beifahrer nur noch ängstlich danach greifen kann und dabei unweigerlich schreit "Oh …", na, Sie wissen schon. Und solche Momente im Gelände sind im Jeep – im Benz natürlich auch – gar nicht so selten. Zum Beispiel dann, wenn der Wrangler sich einen steilen Anstieg hochgewühlt hat, oben über die Kuppe kippt und sich den, dann noch viel steiler scheinenden, Abhang wieder hinunterstürzt. Muss man erlebt haben. Am besten aber auf dem Fahrersitz.
Einen ähnlichen Bügel, und da sind sich Wrangler und G mal wieder sehr ähnlich, gibt es auch im Benz. Ansonsten sieht es an Bord aber doch etwas anders aus. Hier haben sie die ehemals rustikale Einrichtung neuerdings heftig mit Luxuselementen gemischt. Mit den zwei riesigen 12,3-Zoll-Bildschirmen wie in der S-Klasse zum Beispiel, samt Controller, Touchpad und ähnlich neumodischem Zeugs.

Mit dem Biturbo-V8 wird die G-Klasse zum Sportwagen

Krass: Der knapp 2,5 Tonnen schwere G 500 stürmt in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 210 km/h.

Aus der Neuzeit stammt auch der 4,0-Liter-V8 im Test-Benz. Der Biturbo-Benziner mit 422 PS hat brachiale Kraft, einen unglaublichem Antritt und feuert den 2,5-Tonnen-Benz bei Bedarf heftig durch die Gegend. Kann aber auch sanft und gemütlich. Die Neunstufenautomatik befindet sich in Bestform, schaltet äußerst geschmeidig, auf Wunsch blitzschnell. Die Fahrleistungen entsprechen denen potent motorisierter Sportwagen, der Verbrauch liegt weit drüber. Dazu gibt es einen wohlig-wummernden V8-Bass. Zum Dahinschmelzen. In diesem Punkt kann der Jeep nicht mithalten. Bei ihm brummt freundlich ein 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel von Fiat unter der Haube. Schon vergessen? Jeep gehört, zusammen mit Chrysler, zu den Italienern, seit 2014 komplett. Und keine vorschnellen Urteile jetzt. Der MultiJet macht seine Arbeit sehr ordentlich. Er liefert 200 PS und bewegt im Zusammenspiel mit der immer serienmäßigen Achtstufenautomatik den immerhin auch 2,1 Tonnen schweren Jeep ganz souverän.

Jeep stimmt das Wrangler-Fahrwerk etwas weniger fein ab

Auf Robustheit getrimmt: Der Jeep ist rustikaler und bodenständiger als sein Konkurrent.

Du sitzt hoch über (fast) allem anderen, was sich sonst noch so auf der Straße bewegt, der Blick fällt auf die vielen liebenswert verspielten Details der Autos. Apropos Straße: Das Gefühl, jederzeit abbiegen zu können und tatsächlich dorthin zu fahren, wo dir niemand folgen kann, ist schlichtweg unbezahlbar. Ob du das jemals wirklich machst, ist dabei völlig unwichtig. Du könntest, das reicht. Der Fortschritt beim neuen Wrangler bewegt sich dabei in einem ähnlichen Rahmen wie beim Benz: Beide fahren sich so handlich und mühelos wie nie zuvor – das aber bitte jetzt nicht mit Pkw-ähnlichem Fahrverhalten verwechseln. Nein, es sind Geländewagen, wie gesagt. Hoch aufragend, stoisch, unaufgeregt, gelassen. Wenn in diesen Autos nicht Hast und Hetze von dir abfallen, wo bitte dann? Klar, der Benz schlägt die feinere Klinge, fährt komfortabler – der Jeep ist rustikaler und bodenständiger. Aussteigen möchtest du eigentlich nie wieder. Aus beiden nicht. Lieber noch mal durch die Pfütze da vorne, und über den Hügel.
Technische Daten Jeep WranglerMotor: Vierzylinder, Turbo, vorn längs • Hubraum: 2143 cm³ • Leistung: 147 kW (200 PS) bei 3500/min • max. Drehmoment: 450 Nm bei 2000/min • Antrieb: Allradantrieb, Achtstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4882/1894/1838 mm • Leergewicht: 2158 kg • Kofferraum: 533-1044 l • 0–100 km/h: 9,6 s • Vmax: 180 km/h • Verbrauch: 7,6 l Diesel • Abgas CO2: 254 g/km • Preis 56.000 Euro.
Technische Daten Mercedes G 500: • Motor: V8, Biturbo, vorn längs • Hubraum: 3982 cm³ • Leistung: 310 kW (422 PS) bei 5250/min • max. Drehmoment: 610 Nm bei 2250/min • Antrieb: Allradantrieb, Neunstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4817/1931/ 1969 mm • Leergewicht: 2429 kg • Kofferraum: 454–1941 l • 0–100 km/h: 5,9 s • Vmax: 210 km/h • Verbrauch: 11,8 l Super • Abgas CO2: 269 g/km • Preis 107.041 Euro.
Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Schön, dass es so etwas noch gibt. Zwei Sympathieträger erster Klasse. Irgendwie archaisch und aus der Zeit gefallen – aber eben doch in die Neuzeit hinübergerettet und technisch auf Stand. Vor allem aber mit unglaublichem Charme. Und zwar alle beide.

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