Mercedes gegen Kia und Nissan

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Mercedes gegen Kia und Nissan

— 10.04.2002

Kleiner Benz oder großer Luxus?

Die Deutschen lieben Mercedes - und zahlen dafür brav Premium-Preise. Schon die kleinste C-Klasse kostet 26.448 Euro. Dafür gibt es auch echten Luxus aus Fernost.

Marken, Macher und Moneten

Mein Haus, meine Yacht, mein Auto - wer jetzt mit dem Foto seines Mercedes auftrumpfen kann, der hat die besten Karten. Ein Benz lässt seinen Besitzer glänzen wie ein Wohnsitz am Zürichsee. Das strahlende Image des Sterns scheint trotz schwerer Stürme unantastbar: Kinder zeugen, Haus bauen, Bäume pflanzen und Mercedes fahren gehört deshalb zu den selbst auferlegten Pflichten vieler Deutscher - gern auch in umgekehrter Reihenfolge. Dass man für den teuren Benz womöglich einen Kredit abstottern muss, sieht ja keiner.

Doch spätestens wenn die Kalkulation auf dem Tisch liegt, ist Zeit für (selbst)kritische Fragen: Brauche ich ein Auto oder ein Statussymbol? Was ist nützlicher: ein staunender Nachbar oder ein großer Kofferraum? Denn noch immer gilt: Wer premium fahren will, muss auch premium zahlen. Beispiel: der Mercedes C 180 kostet 26.448 Euro. Und dafür rücken die Schwaben gerade mal das Basismodell mit schmalbrüstigem Vierzylindermotor heraus.

Verkehrte Welt auf der anderen Seite der Erde: Kia offeriert für rund 2000 Euro weniger (Rabatte nicht mitgerechnet) das Topmodell mit Komplettausstattung: den Magentis 2.5 SE. Das wäre eine Entscheidung von Format. Nicht nur, weil der Südkoreaner eine Nummer größer ist. Kia fahren heißt auch: Ich schere mich nicht um Marken, Macher und Moneten.

Mercedes: sehr sicher, aber teuer

Beim Autokauf zählen rationale Argumente, und von denen fährt der Magentis ein ganzes Arsenal auf: jede Menge Platz in einer ausladenden, stattlichen Karosserie, eine Ausstattung mit Klimaautomatik und einen V6 mit 169 PS. Der leitet seine Kraft sogar serienmäßig an ein Automatikgetriebe weiter. Spätestens jetzt müssen Mercedes-Fahrer aufhorchen. Denn für sie gilt die Automatik als so unverzichtbar wie ein Fahrstuhl in die Vorstandsetagen.

Trotzdem kostet sie beim Benz natürlich extra (2007 Euro). Das gilt allerdings auch für das andere Oberklasse-Schnäppchen, den Nissan Maxima für 25.250 Euro. Ein Sechszylinder mit 140 PS gehört dagegen zum Standard, genauso wie die Ausstattung mit Klimaanlage. Und ohne Ende Blech sowieso: Der Nissan streckt sich über 4,92 Meter und übertrifft damit sogar die Mercedes E-Klasse. Die schiere Größe dieses Autos sollte wohl genügen, um Image-Defizite zu kompensieren. Mit dem Riesen-Fond taugt der Nissan sogar für den ganz coolen Auftritt: Zu pompösen Partys rollt man mal mit Chauffeur vor. Merkt ja keiner, wenn vorne links der Schwager lenkt.

So lässig wie im Nissan lümmelt es sich nicht mal im geräumigen Kia-Fond. Dass der Mercedes eher ein Fall für den Kindergeburtstag scheint, überrascht bei den bescheidenen Abmessungen (4,53 Meter) kaum. Auch vorn hilft dem Mercedes-Fahrer Bescheidenheit. Wer aus dem Kia, erst recht aus dem Nissan in den C umsteigt, fühlt sich wie beim Umzug von der Villa ins Apartment. Unter dem Sternenhimmel bleibt nicht mal die stille Befriedigung, auf das edelste Cockpit zu blicken.

Kia: gefühllose Lenkung, kerniger Motor



Beim Styling und bei der Oberflächenqualität zaubert der funktionelle Nissan als Einziger im Vergleich wahre (Ober)Klasse in den Innenraum. Lass die Nachbarn sich doch um den Mercedes scharren. Dass sein modisch-rundliches Cockpit mit dem Tacho im Küchenwaagen-Look nicht den hohen Erwartungen entspricht, ahnen sie kaum.

Der Nissan-Fahrer weiß, was er hat. Der Kia-Pilot leider auch: ein ziemlich billig wirkendes Armaturenbrett, das in Form und Materialqualität nicht Oberklasse-Standard erfüllt. Auch die (bequemen) Sitze im Kia zeigen, dass die Südkoreaner rechnen müssen: Sie bieten so viel Seitenhalt wie die Holzbank im Biergarten. Da die Limousine im Amischlittenformat nicht zum rasanten Kurvenschunkeln gedacht ist, lässt sich das verschmerzen.

Gemütlich reinfläzen und einfach aufs Gaspedal treten - man fährt den Kia wie einen Benz. Die leichtgängige, gefühllose Lenkung steuert das Schiff erstaunlich flott um die Ecken. Auch das harmonische Fahrwerk erwartet man von dem Billig-Brummer so wenig wie ein Nietzsche- Zitat von Boris Becker. Problemlos ist es auch - soweit das ohne ESPeben geht. Ein zweites Ich offenbart auch der Antrieb, wenn der Fahrer ihm die Sporen gibt. Dann stürmt er davon. Da zählen dann auch keine guten Manieren mehr - von seidiger Sechszylinder-Noblesse ist der tolle Trumm weit entfernt.

Nissan: V6 in BMW-Qualität

Der Nissan-V6 gibt sich dagegen fast so kultiviert, als hätte er seine Erziehung in Bayern bei BMW genossen. Auch seine lebhafte Drehfreude mutet gar nicht asiatisch zurückhaltend an - auch wenn so ein Motor nicht ganz zum Charakter einer dicken Limousine passen mag. Umso mehr ein Rätsel, wie den Konstrukteuren dieses Fahrwerk passieren konnte: Stuckerig-unkomfortabel und tückisch mit dem Heck auswischend (ESP nicht erhältlich), kann es modernen Ansprüchen nicht genügen.

Besonders von Oberklasse-Limousinen erwarten wir mehr. Auch wenn sie vergleichsweise wenig kosten. Der kompakte Mercedes spielt bei den Fahrversuchen die Vorteile seiner schlanken Figur voll aus. Das serienmäßige Stabilitätsprogramm garantiert auf jedem Parkett sicheres Fahrverhalten. Nicht mal der vergleichsweise schmalbrüstige, aber lebhafte und kultivierte Vierzylinder mit 129 PS hindert den Mercedes daran, auf der Landstraße gut mitzukommen. Auf der Autobahn fährt er sogar vorneweg.

Flüsterleise und komfortabel federnd, demonstriert er so nachdrücklich, dass das große Geld für den kleinen Benz gut angelegt ist. Vor allem aber spürt man es beim Wiederverkauf. Dann spätestens zahlt der Stern eine Menge zurück. Der Kia wird dagegen richtig teuer: Die Schwacke-Liste notiert bereits für den einjährigen Gebrauchten einen Wertverlust von bis zu 50 Prozent.

Fazit und Zeugnis

Fazit Viel Blech heißt nicht automatisch viel Auto - besonders deutlich zeigt das der Nissan. Trotz stolzer Abmessungen und des agilen V6 bietet er mit seinem stuckerigen (und tückischen) Fahrwerk wenig Komfort. Das außergewöhnliche Platzangebot kann solche Defizite nicht wettmachen. Als originelle Alternative zum Benz empfiehlt sich eher der harmonische Kia. Ein cooler Koloss mit Maxi-Ausstattung zum Mini-Preis. Sein Antrieb läuft zwar rau, dafür aber drehmomentstark und automatisch geschaltet. Auch das komfortable und unproblematische Fahrwerk kann überzeugen. Das beste Auto auf dem Stand der (Sicherheits-)Technik ist aber zweifellos die C-Klasse. Auch wenn es an Platz und vor allem an der Klimaanlage fehlt.

Preise und Betriebskosten

Pluspunkte bringen dem Kia neben dem V6 auch sein Automatikgetriebe. Das gibt es für Maxima und C 180 natürlich auch. Doch dann hätten sich Nissan (Automat nur für den 2.0 Elegance für insgesamt 29.270 Euro) und Mercedes (Aufpreis 2007 Euro) preislich noch weiter vom Kia entfernt.

Technische Daten und Messwerte

Der Maxima weist unnötige Fahrwerksschwächen auf und liegt damit unter dem Level des Magentis. Der bremst dafür nur mäßig und verbraucht viel. Der C 180 zeigt kaum technische Schwächen.

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