Mercedes GL 63 AMG (2013): Fahrbericht
— 19.03.2013
Daimlers Dampfwalze auf Speed
Mercedes lässt den GL 63 AMG los: Ein 5,5-Liter V8 mit zwei Turbos sorgen für satte 557 PS und ein wahnsinniges Sprintvermögen. Das hat natürlich auch seinen Preis.
Sehr zur Freude russischer Oligarchen, arabischer Scheichs und der besseren Damen von Hollywood legt AMG nun sogar Hand an den Mercedes GL: Nachdem das Dickschiff in der ersten Generation voll in die Wirtschaftskrise gefahren ist und eine Performance-Version nicht so recht in die Zeit passen wollte, legen die schnellen Schwaben jetzt nach und rüsten auch den großen Bruder der M-Klasse zum schwergewichtigen Sportwagen auf. Dabei denken sie zwar vor allem an den Export – doch für Preise ab 130.305 Euro aufwärts ist der GL 63 AMG tatsächlich auch bei uns zu haben. autobild.de war mit dem Über-SUV unterwegs.
In 4,9 Sekunden geht es von null auf hundert Km/h. Bei Tempo 250 zieht die Elektronik die Reißleine.
Wo in der Großserie beim 5,0 Liter großen V8 mit 407 PS Schluss ist, packt AMG den bekannten Achtzylinder mit 5,5 Litern Hubraum und zwei Turbos unter die Haube – Platz ist da ja genug. Jetzt stehen 557 PS im Datenblatt und lassen das immense Gewicht des GL in einem ganz anderen Licht erscheinen: Was sind schon gut zwei Tonnen Stahl und Glas, wenn 760 Nm und eine nachgeschärfte Automatik das Gesetz von der Trägheit der Masse Lügen strafen. 4,9 Sekunden bis Tempo 100 sind schon in einer E-Klasse imposant. Aber wenn sich ein solcher Koloss derart schnell voranwuchtet, dann fühlt man sich wie in einer Dampfwalze auf Speed. Bei 250 km/h zieht die Elektronik die Reißleine.
Theoretisch soll der GL 63 AMG 12,3 Liter verbrauchen, in der Praxis sind es sicher 20 Liter im Schnitt.
Mindestens genauso imposant wie die Beschleunigung des Koloss ist sein Überholprestige. Noch ehe sich der dicke Daimler im Rückspiegel des Vordermanns so richtig breit machen kann, hat der auch schon fast ein bisschen verschreckt die Spur geräumt. Kein Wunder, dass sich AMG diesmal übertriebene Styling-Retuschen elegant gespart hat: Eine neue Schürze mit riesigen Nüstern für die Front, zart ausgestellte Kotflügel und vier markante Endrohre signalisieren die Extra-Portion Kraft.
Damit die rasende Wuchtbrumme nicht nur auf der Geraden schnell ist, hat AMG auch das Fahrwerk überarbeitet: Der Allradantrieb arbeitet etwas hecklastiger, die Lenkung direkter, die Federn und Dämpfer sind steifer und die Elektronik verhindert das Wanken in den Kurven. Doch eine kurvige Landstraße kann verdammt eng werden. Ein scharfes Auge, eine feste Hand und eine gehörige Portion Wagemut gehören bei der flotten Landpartie deshalb allemal dazu – halbwegs ruhig ist der Puls nur auf der Autobahn. Und damit man die Fuhre auch wieder zum Stehen bekommt, stecken in den 21-Zöllern Bremsscheiben groß wie Familienpizzen. Die 12,3 Liter Normverbrauch sind ein unhaltbares Versprechen, selten bleibt man unter 20 Litern. Sei's drum, mögen die potenziellen Käufer denken. Denn wer sich dieses Auto leisten kann, sitzt in der Regel buchstäblich an der Quelle.
Kommentare zum Artikel (3)
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Hab' nix gegen schnelle, leistungsstarke Autos ... aber wieso baut man denn nen guten Motor in so einen Kampfkoloss ein? Schade, dass es kaum noch fesche Sportwagen oder Sport-Coupes gibt (richtige, kein Kompaktwagen mit Turbo und ein paar Emblems) ... dafür hat jeder Hersteller ein noch dickeres SUV im Programm. :-/
Wieder ein total unnuetzes Fahrzeug..wer kann ein Monster mit 2.5 Tonnen und 557 PS brauchen und rechtfertigen ? Wo kann der Besitzer/die Besitzerin dieses Monster schnell bewegen ? Die Technologie ist sicher beeindruckend, aber vollkommen unnoetig..irgendwann wird man draufkommen, dass richtungsweisende Super(sport)wagen jene sind, die einem VW XL1 aehneln ...
An die Redaktion:
"Wo in der Großserie beim 5,0 Liter großen V8 mit 407 PS Schluss ist"
Soweit ich weiß hat der GL 500 (so wie mittlerweile alle 500er Modelle aus dem Hause Mercedes-Benz außer G 500) einen 4,7 Liter großen V8 mit Biturbo Aufladung unter seiner Motorhaube... Auch leistet dieser nicht 407PS sondern 435 PS.