Mercedes in der Formel 1

Mercedes in der Formel 1 Mercedes in der Formel 1

Mercedes in der Formel 1

— 29.07.2006

Der Lack ist ab

In Sachen Formel 1 glänzt bei Mercedes nur die Vergangenheit. Jetzt muss sich Kimi Räikkönen beim Heimrennen in Hockenheim beweisen.

Die Fassade glänzt sogar im stärksten Hagelschauer. Das Mercedes-Museum in Stuttgart ist ein imposanter Koloss aus Glas und Beton, in dem die Marke mit dem Stern ihre Wagen ausstellt wie Trophäen. Der legendäre SL 300 mit den elegant geschwungenen Flügeltüren, der zum Sportwagen des Jahrtausends gekürt wurde, ist nur eines von vielen Prunkstücken schwäbischer Ingenieurskunst. Jedes Auto hat seine Geschichte. Wie das Papamobil, das gläserne Gefährt von Papst Johannes Paul II, oder ein grauer Mercedes 500 SL von Frauenschwarm Hardy Krüger, oder das Coupé von Lady Di, das die englische Prinzessin 1992 nach nur einem Jahr wieder zurückgab – wegen wütender Proteste patriotischer Untertanen.

Mercedes hat seinen ersten Piloten Kimi Räikkönen ins Museum verfrachtet und seine Miene will nicht passen zu den polierten Exponaten, auf die man hier so stolz ist. Der finnische Rennfahrer wird für die Ausstellung keinen epochalen Beitrag leisten können wie sein Landsmann Mika Häkkinen zuvor, der Formel-1-Champion 1998 und 1999. Räikkönen wird sich am Saisonende verabschieden zu Ferrari oder Renault, längst verwaltet Rennstallchef Ron Dennis das Erbe seines einstigen Lieblingsfahrers und hat in Fernando Alonso einen potenziellen Doppelweltmeister verpflichtet. GP2-Fahrer werden größere Chancen auf das zweite Cockpit eingeräumt als Montoya-Ersatz Pedro de la Rosa.

Für wen wird Kimi Räikkönen in der nächsten Saison fahren? Denkbar: Ferrari oder Renault.

Geld spielt keine Rolle bei der Wahl des Cockpits, sagt Räikkönen in einem abgetrennten Raum am Rande der Ausstellungshalle. Es ist als Spitze gegen seinen Arbeitgeber zu verstehen. Die deutsch-englische Renngemeinschaft entlohnte den 26jährigen mit geschätzten zwölf Millionen Dollar pro Jahr fürstlich, bot ihm aber nicht die Perspektive, die er für seine Fähigkeiten als angemessen erachtet: einen Weltmeisterwagen.

Kimi Räikkönen hat in seinen knapp 100 Rennen eine Ausfallquote von über 40 Prozent zu verzeichnen, seine Bilanz auf dem Hockenheimring ist noch deprimierender. Fünfmal kam er an den Start, nicht einmal ins Ziel. Ausgerechnet in Hockenheim. Die Kreisstadt ist neben dem Nürburgring, die Wiege der Silberpfeile, das Heimrennen der Marke mit dem Stern – der Nähe zur Konzernzentrale wegen. Hier ragt eine Mercedes-Tribüne empor, die das Unternehmen finanzierte, hier wirft es sich wie ab heute beim Großen Preis von Deutschland an seine Fans heran mit Boxenstopp-Wettbewerben, Autogrammstunden, Interviewrunden.

Deprimierende Bilanz: In über 40 Prozent seiner knapp 100 Rennen kam Kimi Räikkönen nicht ins Ziel.

Räikkönen will nett sein, er sagt: "Meine Bilanz ist nicht schön, aber es ist ein schöner Kurs." Vielleicht ist er durch das Museum gestreift und hat sehnsüchtig auf dem Weg ins Untergeschoß vor einem Mercedes 190 D innegehalten. Das portugiesische Taxi ist der Rekordhalter in Sachen Zuverlässigkeit. Der Selbstzünder hat in 14 Jahren rund 1,9 Millionen Kilometer mit dem Originalmotor abgespult.

Nun hat McLaren-Mercedes die Motorenprobleme von Anfang des Jahres abgestellt. In Magny-Cours dreht das Aggregat erstmals über 20.000 Umdrehungen pro Minute, es ist eines der zuverlässigsten im Vollgaszirkel geworden. Daß Räikkönen nur Fünfter ist und McLaren-Mercedes in der Teamwertung gerade mal auf die Hälfte der Punkte (71) von Renault kommt, rechnen Experten dem Verlust schlagkräftigen Personals zu. Drei kluge Köpfe zogen weg aus der Fabrik in Woking. Der verbliebenen Mannschaft wird nicht zugetraut, so weiterzuentwickeln, wie es Renault und Ferrari tun. "Wir haben uns gesteigert, zwei Teams haben sich noch mehr gesteigert", sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Vielleicht waren wir hier und da zu konservativ."

Da paßt es ins Bild, dass ausgerechnet in Hockenheim das Gerücht die Runde macht, Michael Schumacher würde zwar in ein deutsches Cockpit steigen, nicht aber in das von Mercedes. Die britische Motorsportzeitung "F1 Racing" berichtet von einer 80-Millionen-Offerte von BMW an den Rekordweltmeister, die jedoch von allen Seiten dementiert wird. "Nur ein Gerücht", sagt Schumacher, und BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen beteuert: "Das entbehrt jeglicher Grundlage."

Und so hakt man bei Mercedes auch dieses Thema schnell ab und sieht erste Indizien für einen Aufschwung. Beim vorigen Rennen in Magny-Cours gelang Räikkönen die schnellste Runde aller Michelin-Teams und die Testfahrten in Jerez mit Bestzeit waren laut Haug "vielversprechend". Schon bald sollen nicht mehr nur die Silberpfeile im Museum glänzen.

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