Mercedes Marco Polo (2015): Fahrbericht

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Mercedes Marco Polo (2015): Fahrbericht

— 17.04.2015

Rasendes Reisemobil

Dicker Diesel, 190 PS: Damit wird der Mercedes Marco Polo zum bewohnbaren Rennwagen. Passt das zum gemütlichen Camping? Fahrbericht!

Video: Mercedes Marco Polo (2014)

Der Luxus-Camper

Auch wenn's schwer zu glauben ist: Wer den neuen Mercedes Marco Polo mit allen Extras nimmt, wird problemlos 85.000 Euro los. Für einen Camper. Huh. Gut, nicht für irgendeinen, sondern für das Feudalmodell. Am obersten Ende des Marco-Polo-Angebots prunkt der 250er mit 190 PS. Und er teilt sich nicht nur die Schalter im Cockpit mit der S-Klasse, sondern auf Wunsch auch das High-End-Comand-Navi und die Assistenzsysteme.
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Der Dicke sticht mit Tempo 200 über die linke Spur, hält per Radar den Abstand zum Vordermann, warnt in Online-Echtzeit vor Staus und parkt selbsttätig ein. Und selbst einer langen S-Klasse hat er größere Beinfreiheit im Fond voraus – wenn die Sitzbank ganz nach hinten geschoben ist. Die Verschieberei könnte allerdings leichter gehen. Oder elektrisch.

Das elektrisch aufstellbare Hochdach kommt von Westfalia und verschafft einem Luft überm Scheitel.

Das ist er: Für Mercedes der dritte Versuch, einen Bulli-Killer zu bauen. Mit der ersten V-Klasse von 1996 hat es nicht geklappt, Rost und rustikale Qualität ruinierten den Ruf. Auch der Nachfolger Viano musste erst mal reifen. Jetzt heißt der Daimler-Van wieder V-Klasse – oder Vito, dann ist es der einfacher ausgestattete Transporter. Der Marco Polo führt neuerdings ein Doppelleben: Es gibt ihn als Normalmodell auf V-Klasse-Basis mit Küchenzeile und als Marco Polo Activity, der vom Vito abstammt – mit einfacherem Cockpit und ohne Schränke, aber mit breiterem Bett. Für nicht mehr ganz so frisch Verliebte kann das der bessere Kauf sein, für Sparsame sowieso: Preis ab 38.960 Euro. Und das Westfalia-Aufstelldach mit Doppelbett haben sie beide.

Mercedes V-Klasse Marco Polo: Schlafprobe

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Wohlfühlatmosphäre im Innenraum. Edle Oberflächen, helle Farben. Die Sitze klappen zum Bett um.

So fährt er: Wie ein großer, komfortabler Kombi – und nicht wie ein Transporter. Die Sitzposition erinnert mehr an aktuelle SUV-Typen: etwas erhöht, aber weder steil noch steif und nur ein bisschen eingeengt von der Mittelkonsole. Der 250er kommt serienmäßig mit Automatik, die ihre sieben Fahrstufen sämig und sanft durchquirlt, passend zum langen Atem des Biturbo-Diesels mit seinen 440 Newtonmetern. Der ist von Hause aus kein Flüstermotor, profitiert hier aber von effizienter Dämmung. Leise ist er, der Fernreise-Benz, und auch dann noch komfortabel, wenn er auf zerfurchte Landstraßen abbiegt. Trotz seiner 2,4 Tonnen Leergewicht wirkt er aber nicht schwergewichtig: Die präzise Lenkung und der Pkw-übliche Wendekreis von zwölf Metern machen den Marco Polo handlicher, als es sein Format befürchten lässt. Es spricht nichts dagegen, ihn als einziges Auto der Familie einzuspannen – außer vielleicht die Länge von 5,14 Metern im Innenstadt-Verkehr.

Unterm Hubdach sind noch einmal zwei Liegeplätze für die, die es kuschelig mögen.

Das hat er: Fein gemachte Details und hohen Funktionsschliff. Oberflächen, die sich gut und teuer anfassen. Schubladen schließen so geschmeidig wie in der Designerküche, Leseleuchten sitzen an der perfekten Stelle, nichts klappert oder knispelt. Und es braucht kein Handbuch, um den Marco Polo in drei Minuten übernachtungsklar zu machen: Dach hoch, Standheizung an, Sitzbank umlegen, alles per Knopfdruck. Dann Kopfstützen raus, Liegeflächenverlängerung rein. Okay, die Betten sind nicht breit – aber bequem für jeweils zwei, die sich mögen. Auch dann noch, wenn sie den Preis und die vielen Extras diskutiert haben.

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Christian Steiger

Christian Steiger

Fazit

Der Marco Polo ist teuer, kostet aber nicht viel mehr als ein luxuriöser Familienkombi. Und den kann er ersetzen, denn weder Komfort noch Handlichkeit sprechen dagegen, ihn als Alltagsauto zu nutzen. Mir gefällt besonders sein frisches Innenraumdesign – und die unkomplizierte Bedienung.

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