Mercedes S 250 CDI im Test
— 19.04.2011Die 6,7-Liter Sonderklasse
Mercedes steckt den kleinen Vierzylinder-Diesel ins Luxusschiff. Das Ergebnis: Der S 250 CDI, der sich neben seinem großen Bruder mit sechs Zylindern durchaus sehen lassen kann. Nie war Luxus so sparsam.
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Video: Mercedes-Benz S 250
Sparsamer Luxus-Schwabe
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Das bestätigen auch unsere Messwerte: Der Vierzylinder-Diesel ist in Dezibel gemessen genauso leise wie sein größerer Bruder S 350 CDI – und der kleinste BMW-Diesel 730d mit sechs Zylindern. Anders gesagt: Die S-Klasse erweist sich als eine so feste Burg, dass ihr auch dieser vermeintliche Rappel-Sparer nichts anhaben kann. Warum wir das Klangerlebnis so aufwendig schildern? Erstens bestimmt die Akustik maßgeblich die Wahrnehmung des S 250, zweitens bleibt sie der einzige Nachteil der günstigsten S-Klasse (71.876 Euro). Denn schon nach ein paar Kilometern ist jede Befürchtung verflogen, ein Verzicht-Modell zu fahren.
Dynamik befriedigt
Wie auch bei mächtigen 500 Newtonmeter Drehmoment, die der Doppelturbo aus dem Diesel zaubert. Klein ist hier nur der Hubraum. Der 2,1-Liter, der die C-Klasse beflügelt und die E-Klasse souverän anschiebt, garantiert auch dem 300 Kilo schwereren Luxusdampfer jederzeit standesgemäßen Anschub. Ob an der Ampel oder beim Einnehmen der linken Spur, der Schriftzug 250 CDI am Heck liefert keinen Grund, sich schamhaft zu verstecken. Erst jenseits der 200 km/h geht S langsamer bis zur Spitze von 240. Während also die Dynamik befriedigt, verblüfft der Verbrauch – dieser Riese schafft sogar eine Fünf vor dem Komma.
Sparsamste S-Klasse
In "E", der Sparstellung unter drei wählbaren Getriebeprogrammen, spricht der Motor zwar träger an, und das Getriebe schaltet früher hoch, dafür unterbot unsere Sparrunde sogar den Werksverbrauch: 5,4 Liter. Bei schneller Autobahnfahrt waren es nicht mehr als 8,0 auf 100 Kilometer, im Testschnitt 6,7 Liter. Sensationell für ein Schiff von über zwei Tonnen. Und ein harter Maßstab für den größeren S 350 CDI, der gut ein Viertel mehr schluckt (Testverbrauch 8,8 Liter), für den S 400 Hybrid sowieso (10,8 Liter Super). Bald geht es noch sparsamer, wenn Mercedes den Diesel mit Elektroantrieb zum S 300 Hybrid vermählt (ab 2012). Als E 300 Hybrid kommt er im Herbst 2011 und soll im Normverbrauch nur 3,9 Liter nippen.
Update für den Auto-Knigge
Rund um den Motor wuchert und punktet der S 250 CDI mit allem, was die S-Klasse zu einem der weltbesten Autos macht: viel Platz vorn wie hinten, komfortable Einrichtung, vorzügliche Federung, beste Sicherheit und Extras bis zum Abwinken. Auch für das neue Einstiegsmodell (4641 Euro günstiger als der Sechszylinder-Diesel) darf der Manager je nach Budget und Herzenslust ordern. Sogar als Langversion ist der kleine Diesel zu bekommen. Fragt sich nur: Wer kauft eine S-Klasse mit Vierzylinder-Diesel, dieses angebliche "Geht-gar-nicht-Auto"? Vielleicht ändert sich der Auto-Knigge. Es gibt in Stuttgart ja nun sogar einen grünen Landeschef.
Vier statt sechs Zylinder sind in
Die derzeit wichtigste Modewelle bei den Motoren lautet: strenge Diät. Die Hubräume schrumpfen, weil kleinere Brennräume weniger Sprit verbrauchen und weniger Schadstoffe ausstoßen. Dieses sogenannte Downsizing hat nun auch die S-Klasse erreicht. Nur 2143 Kubik Hubraum groß, leistet der Vierzylinder 204 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment – Werte, die früher nur ein Dreiliter-Diesel oder ein Fünfliter-Benziner erreichten. Um aus dem kleinen Triebwerk die gleiche Leistung zu holen, griffen die Techniker tief in die Trickkiste: Zwei unterschiedlich große Turbolader sorgen im Abgasstrom fur schnelles Ansprechen, zwei Verdichter im Ansaugtrakt für gleichmäßigen Drehmomentablauf und hohe Leistung. So hängt der Motor besser am Gas.
Kleiner ist reiner
Der vergrößerte Ladeluftkühler senkt die Temperatur der Ansaugluft, sodass der kühleren, sauerstoffreicheren Luft mehr Abgas beigemischt werden kann. Das senkt den Verbrauch ebenso wie die Common-Rail-Einspritzung mit bis zu 2000 Bar Druck und die hochpräzisen Düsen, die den Kraftstoff feiner zerstäuben und nicht in einem Stoß einspritzen, sondern je nach Drehzahl modulieren wie ein Trompeter seinen Ton. Durch diesen Trick läuft der Motor weniger rau. Zweimassenschwungrad und Ausgleichswellen verbessern die Laufruhe, Alu-Zylinderköpfe die Kühlung. Die Wasserpumpe wird nach Bedarf geschaltet – ein Aufwand wie bei kaum einem Benziner. Interessante Optik: Wie Efeu umwuchern zahlreiche Nebenaggregate die vier kleinen Zylinder – teurer Aufwand am OM 651 (Werkscode), den Mercedes sogar im Sprinter einbaut. Deshalb wird er über 700.000-mal pro Jahr produziert.Pro & Kontra
"Luxus-Limousinen sind keine Sportwagen",sagt Andreas Borchmann.
Vier Zylinder in der S-Klasse? Klingt wie Ikea-Möbel im Märchenschloss – nicht wirklich passend. So dachte ich noch letzte Woche, bis ich das erste Mal Mercedes S 250 CDI fuhr. Big Benz mit Mini-Motor: Nur 2,1 Liter Hubraum, 204 PS und vier Zylinder verstecken sich unter der V8-Haube. Eine Maschine, wie sie in vielen Taxis über unsere Straßen brummt. Überraschung: Der kleine Diesel passt zum großen Wagen. Okay, klingt ein bisschen nach Taxi. Aber so leise, so perfekt gedämmt, dass man meint, er tuckert im Auto zwei Reihen weiter vorn. Leistung? Genug! Luxus-Limousinen sind keine Sportwagen, sondern rollende Wellness-Tempel. Der Vierzylinder passt aber auch ins Spitzenmodell, weil er das Machbare vorführt: 6,7 l/100 km im 2,0-Tonnen-Dampfer, wer's drauf anlegt, schafft eine 5,4 – gigantisch minimalistisch. Tusch!
"Für die Sonderklasse ist gut eben noch lange nicht gut genug",
findet Gerald Czajka.
Stimmt. Der 204-PS-Diesel macht seine Sache selbst in der S-Klasse ganz anständig. Ist eben ein guter Motor. Nur, bitte schön, seit wann reicht denn ganz anständig für die Sonderklasse? Diese mobile Luxus-Lounge verdient ganz einfach einen standesgemäßen Antrieb. Einen, der beim zügigen Überholversuch nicht wie ein gequältes Taxi losnagelt. Und der nicht schlappmacht, wenn neben dem Fahrer womöglich noch jemand mit will. Dazu muss es kein S 65 AMG sein, denn selbstverständlich bedeutet der erste Buchstabe im Namen dieses Benz nicht etwa Sportklasse. Doch Vierzylinder in der S-Klasse, das ist wie in ein feines Restaurant gehen und dann Pommes Rot-Weiß vorgesetzt zu bekommen. Wobei die Ablehnung nicht etwa den Pommes gilt. Die sind ja lecker – an der Frittenbude oder im Dorfgasthof.
| Fahrzeugdaten S 250 CDI | |
|---|---|
| Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage | Vierzylinder, Biturbo, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb | Kette |
| Hubraum | 2143 cm³ |
| kW (PS) bei U/min | 150 (204)/4200 |
| Nm bei U/min | 500/1600 |
| Höchstgeschwindigkeit | 240 km/h |
| Getriebe | Siebenstufenautomatik |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 235/55 R 17 W |
| Radgröße | 8 x 17“ |
| Abgas CO2 | 149 g/km |
| Verbrauch* | 7,0/5,0/5,7 l |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 83 l/Diesel |
| Anhängelast gebremst/ungebremst | keine |
| Kofferraumvolumen | 560 l |
| Kosten/Garantien S 250 CDI | |
|---|---|
| Abgasnorm | Euro 5 |
| Steuer pro Jahr | 267 Euro |
| Typklassen HPF/VK/TK | 23/29/31 |
| Werkstattintervalle | 25.000 km/1 Jahr |
| Garantie/Gewährleistung | Garantie |
| Technik/km-Begrenzung | 2 Jahre/ohne |
| Garantie gegen Durchrostung | 30 Jahre |
| Mobilitätsgarantie | 30 Jahre |
| Grundpreis | ab 71.876 € |
| Messwerte S 250 CDI | |
|---|---|
| Beschleunigung | |
| 0–50 km/h | 3,1 s |
| 0–100 km/h | 8,8 s |
| 0–130 km/h | 14,7 s |
| Zwischenspurt | |
| 60–100 km/h | 5,0 s |
| 80–120 km/h | 6,5 s |
| Leergewicht/Zuladung | 2036/514 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten | 55/45 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,8/11,9 m |
| Bremsweg | |
| aus 100 km/h kalt | 37,8 m |
| aus 100 km/h warm | 38,3 m |
| Innengeräusch | |
| bei 50 km/h | 56 dB (A) |
| bei 100 km/h | 62 dB (A) |
| bei 130 km/h | 67 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 6,7 l Diesel – 178 g/km |
| Reichweite | 1230 km |
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Kommentare zum Artikel (22)
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Der S250 CDI wird seinen Weg nach oben finden und das mit Erfolg. 204PS und 500Nm reichen doch wohl aus um auf der Autobahn zügig vorran zukommen. Und der zweite Punkt ist halt, so hat Mercedes die Chance den 350 CDi als 300 CDI mit 265PS anzubieten und den 350CDI auf über 300PS anzuheben. Wir sollten alle nicht vergessen das die Preise für Diesel noch steigen und die Steuer nach Hubraum und Ausstoss ermittelt wird. Und wer sich eine S-Klasse kauft hat zum Spaßfahren auch noch einen Zweitwagen in der Garage stehen.
S Klasse ist S Klasse aber ein Diesel Motor in einem so robusten Fahrzeug, dass kann einfach nicht sein. Die S Klasse kann sich einfach nur reiche Leute leisten, die auch das nötige Kleingeld für Sprit übrig haben. Für mich persönlich unter 5,0 l bringt die S Klasse wenig, was das Prestige angeht.
Nicht ärgern ... :-)
wenn man sich allerdings die Kommentare der Autobild Redakteure ansieht, dann weiß man allerdings auch ganz schnell wie der Hase läuft. Nicht ausreichend für einen zügigen Überholversuch? Für den Herrn Schreiberling mit seinem Riesengehalt darfs dann wahrscheinlich etwas mehr sein. Das ich nicht lache. Ich kann sagen, dass unser T5 mit 400 Nm ganz ordentlich den Gotthard hochkommt und überholen kann man damit auch recht zügig. Bisschen überlegen bevor man schreibt, das gilt auch für einige Kommentatoren hier.
Wie sich hier manche aufregen, köstlich! Meiner Meinung nach ist ein Auto mit 500 NM!! Drehmoment keinesfalls untermotorisiert und wird auch den Gotthard bewältigen, keine Sorge! Natürlich schluckt er dann mehr, zeigt mir ein Auto bei dem dies nicht der Fall wäre. Ansonsten wird die S-Klasse doch sowieso in 90% der Fälle als Kilometerfresser auf Autobahnen genutzt, wer sich dann bei 240km/h Höchstgeschwindigkeit noch aufregt hat doch nun wirklich ein "kleines Problem".