Mercedes S 63 AMG: Fahrbericht

— 18.09.2013

Fitness für die First Class

AMG hat der neuen Mercedes S-Klasse eine Fitness-Kur verpasst. Wir sind den neuen Luxusliner mit 585 PS und bis zu 900 Newtonmeter Drehmoment gefahren.



Mercedes lässt auch unter dem Smoking die Muskeln spielen: Für Vorstandsbosse mit einem schweren Gasfuß bietet die schnelle Truppe aus Affalterbach die neue S-Klasse jetzt auch als AMG-Version an. Zu Preisen ab 149.881 Euro wird der Luxusliner zum Leistungsträger, der mit seinen 585 PS eine gute Portion Fitness in die First Class bringt.

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Ja, die Frontschürze hat jetzt riesige Nüstern. Davon abgesehen ist das Tuning optisch aber eher dezent.

Dabei wahrt das Flaggschiff der Schwaben allerdings immer die Contenance. Ja, die Frontschürze hat jetzt riesige Nüstern und unter dem Heck lugen vier polierte Endrohre hervor. Dicke Backen? Üppige Schweller? Nein. "Eine S-Klasse ist und bleibt eine Luxuslimousine, auch wenn jetzt AMG auf dem Heckdeckel prangt", rechtfertigt der oberste Produktmanager Thomas Rappel die überaus dezente Kriegsbemalung: "Nicht umsonst sind die meisten Kunden Geschäftsleute."
 
Das gilt übrigens auch für die Akustik: Zumindest im normalen Modus fällt der V8 nach einem kurzen Aufschrei beim Anlassen schnell in ein gutmütiges Grollen zurück, bei dem die Nachbarschaft gemütlich weiter schlafen kann. Doch wehe, man wechselt in die Modi  "S" oder "M": Dann öffnen sich die ersten Schallklappen in einem AMG-Auspuff und der S 63 AMG bläst so laut aus vollen Rohren, dass in Nachbars Garten das Herbstlaub von den Bäumen fliegt.

Bilder: Mercedes S 63 AMG

Mercedes S 63 AMG Mercedes S 63 AMG Motorraum Mercedes S 63 AMG Innenraum
Außen ein Smoking, innen nur Samt und Seite: Zwar bietet AMG für das Top-Modell auch Zierleisten aus Carbon und blankes Aluminium, und selbstvertändlich haben die Sitze ein bisschen mehr Kontur. "Aber in erste Linie geht es hier um Luxus und Leder", sagt Rappel über die vornehme Lounge, die so gar nichts von einem schwitzigen Fitness-Studio hat und auf den ersten Blick nur an der speziellen Programmierung der digitalen Instrumente, der IWC-Uhr in der Mittelkonsole und dem handtellergroßen AMG-Wappen auf der Mittelarmlehne zu erkennen ist.
 

Auch in der AMG-Variante der S-Klasse geht's um Luxus und Leder.

Doch alle Zweifel an den ernsthaften Ambitionen des S 63 AMG verfliegen, wenn man den Fuß über dem Fahrpedal senkt und der V8-Biturbo seine volle Kraft entfaltet. Dann führen die 585 PS und bis zu 900 Newtonmeter Drehmoment den Lehrsatz von der Trägheit der Masse ad absurdum: Der 5,5 Liter-Motor wuchtet den Zweitonner so vehement voran, dass die Welt draußen vor den Fenstern in Schlieren verschwimmt. Von 0 auf 100 km/h geht es in 4,0 Sekunden, das Limit von 250 km/h (gegen rund 3000 Euro Aufpreis auch 300 km/h) wirkt irgendwie willkürlich.

Mercedes S-Klasse Coupé vs. Cadillac Elmiraj

Damit die auch jenseits der Geraden nicht komplett in den Regelsystemen aufgerieben werden, bietet AMG nun auch bei der S-Klasse eine 4Matic an. Wer den langen Radstand bestellt, der bekommt deshalb künftig grundsätzlich vier angetriebene Räder und damit so viel Traktion, dass man auch in der Kurve mal ungestraft Gas geben kann. Weil die Langversion mehr Platz bietet als die normale S-Klasse und obendrein nur 2800 Euro mehr kostet, rechnet AMG-Chef Ola Källenius mit einem ähnlich hohen 4Matic-Anteil wie beim E 63 AMG. Dort liegt er mittlerweile bei etwa 80 Prozent.
 

AMG bietet nun auch die S-Klasse mit dem Allradantrieb 4Matic an.

Allerdings verzichtet man damit auf eine andere Errungenschaft der neuen S-Klasse: die Magic Body Control. Weil die nicht mit dem in der Langversion obligatorischen Allradantrieb kombiniert werden kann, fehlt dort jenes Gefühl vom fliegenden Teppich, das von dem vorausschauenden System sonst vermittelt wird. Das ist schon in der normalen S-Klasse faszinierend, macht aber in der AMG-Version noch mehr Eindruck, weil man selbst mit dem strammeren Fahrwerk nichts mehr von Bodenwellen spürt.

So fährt die neue S-Klasse

Mercedes S-Klasse (2013). Fahrbericht Mercedes S-Klasse (2013). Fahrbericht Mercedes S-Klasse (2013). Fahrbericht
Außen ein bisschen Kriegsbemalung, innen noch mehr Lack und Leder, unter der Haube ein bekannter Antrieb mit neuer Software und das Fahrwerk etwas strammer abgestimmt – auf den ersten Blick hat es sich AMG leicht gemacht mit der neuen S-Klasse. Doch ganz so simpel war das Bodybuilding dann doch nicht, sagen die Schwaben und lenken den Blick zum Beispiel in die Kofferraummulde: Sie ist als erstes AMG-Teil mit nennenswerten Stückzahlen aus Carbon gefertigt und trägt genau wie die Starter-Batterie auf Lithium-Ionen-Basis dazu bei, dass der Luxusliner rund 100 Kilo weniger wiegt als der Vorgänger: "Und zwar mit langem Radstand und Allradantrieb", unterstreicht Källenius und freut sich über 0,4 Liter weniger Verbrauch, die seine Mannschaft so verwirklichen konnte. Jetzt steht der S 63 AMG deshalb bestenfalls mit 10,1 Litern in der Liste. Doch natürlich braucht es nur ein paar beherzte Gasstöße, um den Verbrauch mal eben zu verdoppeln.

Autonome Mercedes S-Klasse "Intelligence Drive"

Testfahrt Mercedes S 500 "Intelligent Drive" Mitfahrt in der autonomen S-Klasse Mercedes S-Klasse mit Autopilot

Rund zehn Liter Sprit schluckt der Sportliner auf 100 Kilometer.

Zwar feiert Källenius den S 63 AMG kurz vor seinem Wechsel an die Spitze des Mercedes-Vertriebs als dynamischste S-Klasse aller Zeiten. Und auch wenn es niemand ernsthaft in Erwägung ziehen dürfte, kann man mit diesem Auto jetzt sogar auf die Nordschleife, mit so viel Verve lässt sich der Luxusliner um die Kurven prügeln. Doch bei aller Lust an der Leistung bleibt ihm ein Superlativ vorenthalten: Die stärkste S-Klasse aller Zeiten ist der S 63 AMG nie gewesen und wird es auch nie werden. Diese Position behält das V12-Modell S 65, das bereits in den Startlöchern steht, im November enthüllt und Anfang 2014 eingeführt wird. Sein 6,0-Liter-Motor hat zwar die gleichen Leistungsdaten wie bisher. Doch 630 PS und 1200 Newtonmeter maximales Drehmoment sind noch immer so spektakulär, dass an dieser Stelle selbst AMG mal applaudieren kann.

Mercedes S 63 AMG: Fahrbericht

Mercedes S 63 AMG Mercedes S 63 AMG Mercedes S 63 AMG

Autor: Thomas Geiger



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