Vorstellung: Mercedes S-Klasse Coupé

Mercedes S-Klasse Coupé: Vorstellung

— 14.11.2013

Mission erfüllt

Die Idee: ein Auto bauen, das James Bond gefällt. Das Resultat: Mercedes S-Klasse Coupé. Wir haben uns die Studie ganz genau angeguckt. und sind begeistert.

Ein elektronisches Auge, das die Federung auf Bodenwellen vorbereitet. Radarsensoren, die einen schützenden Kokon ums Auto legen. Sitze, die den Rücken mit einer "Hot Stone"-Massage verwöhnen, besser, als jedes Bond-Girl es könnte: Was vor fünf Jahren noch wie Hightech aus der Hexenküche von 007-Zeugwart "Q" erschienen wäre, lockt in der Luxusklasse keinen Geheimagenten mehr hinterm Kamin hervor. Bei Mercedes kam daher die Frage auf, wie man beim prominentesten Vertreter dieser Zunft auch jenseits solcher Gimmicks, für die es heute nur noch eines Kreuzchens in der Aufpreisliste (und des nötigen Kleingelds) bedarf, Lust auf einen neuen Dienstwagen wecken könnte.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes S-Klasse Coupé

Video: Mercedes S-Klasse Coupé

Neues S-Klasse Coupé

"James Bond spielte bei unserer Arbeit eine große Rolle", sagt Jan Philip Kaul. Der 39-jährige Designer war mit seinem Team für das Innenleben des neuen S-Klasse Coupés (Werkscode C 217) zuständig. Als Studie sorgte es im September für "Ahs" und "Ohs" bei den Besuchern der IAA. Mitte nächsten Jahres wird es fast 1:1 in Sindelfingen von den Bändern rollen. Die Außenoptik "entspricht zu 95 Prozent dem Serienzustand", verrät Kaul – frohe Botschaft für alle, die schon oft entzückt vor Showcar-Träumen standen, um später von der Realität enttäuscht zu werden. Bleibt die Frage, welche fünf Prozent es sind, die dereinst mit der Studie ins Museum rollen werden. "Die Frontpartie wird etwas ruhiger aussehen", kündigt Kaul an. Der Lufteinlass im Stoßfänger gerate nicht ganz so gefräßig. Aber den glitzernden "Diamantgrill" könnte sich der Mercedes-Mann, zumindest als wählbares Extra, durchaus beim Serienauto vorstellen. Das Dach, derzeit 1,40 Meter flach, wächst einen Fingerbreit nach oben, die Räder fallen eine Nummer kleiner aus. Auf die Frankfurter Showbühne walzte der Luxusliner auf extrabreit besohlten 21-Zoll-Rädern. Im wahren Leben werden sie 20 Zoll groß sein. Aus der Motorenpalette machen die Stuttgarter noch ein Geheimnis. Der 455 PS starke Biturbo-V8 des Concept Cars gilt als gesetzt. Auch eine AMG-Version mit herkulischen 630 PS ist sicher. Alles Weitere: noch offen. Doch dafür steht der Name bereits fest: Das neue Markenflaggschiff wird nicht mehr CL heißen, sondern wieder – wie zuletzt Mitte der 90er-Jahre – S-Klasse Coupé.

Vergleich: S-Klasse gegen BMW 7er und Porsche Panamera

Der große Lufteinlass soll in der Serienversion entschärf werden, der Diamantgrill zur Option werden.

Der Tradition ist damit aus Sicht seiner Väter offenbar hinreichend Genüge getan. Mercedes blickt nach vorn, nicht zurück – was manchen Markenfan ein wenig schmerzen wird, denn sollte die Gestaltung der seitlichen Portale bereits zu den eingangs erwähnten 95 Prozent gehören, wäre das neue S-Klasse Coupé das erste seit Jahrzehnten ohne verchromte Türfalz-Beschläge. Ein verschmerzbarer Verzicht, gewiss, schließlich wird ja sonst genug an Glanz geboten. Weder mangelt es an feinen Werkstoffen noch an technischen Innovationen, mit denen Mercedes seinen Anspruch als Leitstern der Branche unterstreicht. Außen- und Innendesign sollen modernen Luxus ausstrahlen. Chefstylist Gorden Wagener setzt dabei auf "sinnliche Klarheit", ein Wechselspiel aus glatten Flächen mit kühler, technischer Anmutung und warmen, organischen Formen, die Emotionen wecken. Beides soll zugleich den Markencharakter widerspiegeln, der von Beginn an auf zwei Pfeilern ruhte: auf der ingeniösen Intelligenz der Gründerväter Gottlieb Daimler und Carl Benz. Und auf dem Glamour, der sich aus Motorsporterfolgen speiste und der Tatsache, dass sich die Schönen und Reichen dieser Welt zu jeder Zeit gern mit Mercedes-Benz-Produkten schmückten. Auf allzu viel Schmuck verzichtet das neue S-Klasse Coupé, dessen spannungsreiche Linien der 41-jährige Robert Lešnik gezeichnet hat.

Innen wirkt es wie eine helle Luxus-Lounge. Bildschirme, Silbertasten und Alu-Paneele mit eingefrästen Höhenlinien kontrastieren mit weichem Kalbsleder und Schalensitzen, die den Faltenwurf taillierter Chanel-Kostüme zitieren. Trotz üppiger Glasflächen ist das 5,05-Meter-Coupé kein Ausbund an Übersichtlichkeit, die breite A-Säule kommt der Fahrerstirn sehr nahe. Künftige Kunden des 130 000-Euro-Wagens werden ihre Grundstücke zwar in der Regel vorwärts befahren und auch vorwärts wieder verlassen können. Außerhalb derselben werden ihnen Kameras und Piepser beim Rangieren allerdings willkommene Helfer sein.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes S-Klasse

Eigentlich zurückhaltend: Der neue Coupé-Star ist trotz seiner objektiven Präsenz ein dezentes Auto.

Die Karosserie wirkt schlicht, aber – gerade deswegen – ergreifend. Sie widersteht der Versuchung, ins Effektheischende abzugleiten und feiert den Triumph des Stils über das Styling. Denkt man sich den extrovertierten Grill weg, ist der neue Coupé-Star trotz seiner objektiven Präsenz ein dezentes Auto, das durch die Harmonie seiner Proportionen gefällt und Protzerei nicht nötig hat. Das geduckte Kuppeldach ruht auf einem sehnig-muskulösen Körper, dessen seitliche Sicke in großzügigem Schwung dem hinteren Radhaus zustrebt. Dadurch wird der dynamische Charakter eines hinterradgetriebenen Sport-Automobils betont und zugleich der Eindruck vermieden, man habe es hier nur mit einer um zwei Türen gekappten Limousine zu tun. Auch der Rücken kann entzücken, obgleich sein Wiedererkennungswert eher gering ausfällt. Noch hilft lediglich ein kleiner Stern bei der Markenzuordnung. "Warten Sie, bis die gesamte neue Coupé-Familie auf der Straße ist, dann werden Sie den Mercedes-Charakter sehen", vertröstet uns Jan Philip Kaul. Wir sind sehr gespannt. Auch, ob 007, nachdem sein Aston Martin DB5 in "Skyfall" von Kugeln zersiebt wurde, demnächst vielleicht zum zweiten Mal den Seitensprung zu einer deutschen Marke wagt. Eins ist jetzt schon sicher: Bei der Begegnung mit dem neuen S-Klasse Coupé wird es ihm anders gehen als seinem Martini. Er wird gerührt sein. Nicht geschüttelt.
Martin G. Puthz

Martin G. Puthz

Fazit

Beim S-Klasse Coupé hat Mercedes den perfekten Coup gelandet: Der Zweitürer ist ein starkes Stil-Statement. Er hat jene spontane Begeisterungskraft, die der Limousine fehlt. Und das Beste: Nach manch schwer verdaulichem Designentwurf der letzten Monate freut man sich wieder auf neue Modelle mit Stern!

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Coupé

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