Mercedes SLK 350/Porsche Boxster S

Mercedes SLK 350/Porsche Boxster S Porsche Boxster S

Mercedes SLK/Porsche Boxster

— 09.04.2009

Stuttgarter Zweikampf

Mehr Leistung als ein Porsche zum deutlich geringeren Preis. Zehn PS und 7735 Euro trennen den neuen SLK 350 und den Boxster S. Was sonst noch zwischen ihnen liegt, zeigt der erste Test.

Eng ist es bei den beiden. Allein schon geografisch. Zwölf Kilometer, 21 Minuten mit dem Auto. Gerade ausreichend weit voneinander entfernt, um sich nicht in die Quere zu kommen. Mercedes und Porsche sind mit ihren Zentralen in Stuttgart zu Hause, aber leben in völlig unterschiedlichen Welten. Nadelstreifenschick aus Untertürkheim trifft auf Zuffenhausener High-End-Sport. Bis heute. Denn Mercedes spitzte den SLK so scharf an, dass aus dem Aktenkoffer-Roadster ein echter Porsche-Konkurrent wurde. Der klingt jetzt. Der lenkt jetzt. Und schwenkt uns immer ein festes Dach über den Kopf, wenn es nötig wird, wo Porsche nur Stoff gibt. Kommt der SLK dem Boxster nun in die Quere? Erster Soundcheck. Im SLK erwacht ein hochdrehender V6 unter der Haube, den Mercedes werbewirksam Sportmotor nennt. Der legte im Vergleich zum Vorgänger um 33 PS zu, leistet nun 305 PS aus 3,5 Liter Hubraum und hängt spontan am Gas. Wie sich das anhört? Im Stand bedeckt, beim Gasgeben streift er jedoch jede Spur von Schüchternheit ab. Selbst gute Manieren gehen verloren. Auf Gas wegnehmen folgen rotzfreche Räusperer, auf Gas geben Großdisco-Bässe.

Beim Sound hat der Boxster S eindeutig die Nase vorn

Wer will das noch toppen? Der Boxster-Bariton. Ja, man muss es so sagen: Mit Drehen des Schlüssels im Porsche-Zündschloss klingt der SLK 350 nur noch wie das verhaltene Echo, während der Boxster-Boxer den Fahrer in eine Klangwolke hüllt. Wow, was für ein prickelndes Erlebnis! Aufregend und antörnend wie Champagner. Nur, dass der Sechszylinder (295 PS) nicht auf Leber, sondern auf Herz und Ohren schlägt. Auf Dauer strengt das an. Zu viel Champagner bekommt niemandem gut. Dem SLK geht der Porsche an die Nieren. Beim Beschleunigen fahren die beiden Roadster Nasenspitze an Nasenspitze, in 5,6 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Sobald es in Kurven geht, gewinnt der Boxster an Boden. Das liegt vor allem am geringeren Gewicht (1432 Kilogramm) und der besseren Verteilung. 53 Prozent lasten beim Mittelmotor-Modell auf der Hinterachse, während der Frontmotor im Mercedes mit 53 Prozent auf die Vorderachse drückt. Außerdem ordnet Benz das Blechdachcabrio dank 1506 Kilogramm in die Kategorie Pfunds-Sportler ein. Der feste Hut über dem Kopf hat seinen Preis. Auf Knopfdruck faltet sich das Klappdach nach bewährter Technik in den Kofferraum. Wenn das Heckfenster im Kofferraum verschwindet, die hintere Dachsäule gleich mit – das bleibt großes Kino.

Der SLK ist alles andere als ein Weichspüler

Von wegen Komfort-Roadster: Wer will, ist mit dem Mercedes auch ziemlich schnell um die Ecke.

Dagegen wirkt das Wegpacken des Boxster-Mützchens nur wie ein Werbefilm. Auch von der Dauer her kommt das hin: zwölf Sekunden Porsche-Promotion, 22 Sekunden Mercedes-Meisterwerk. Aber der Boxster wäre kein Porsche, wenn er das ganze nur im Stand könnte. Er entblättert sich auch während der Fahrt. Bis 50 km/h, wenn zuvor mit einem Handgriff der Himmel gelockert wurde. Jetzt noch Scheiben runter, Spoiler rauf zum Café-Cruisen. In Hamburg, München oder Düsseldorf fahren Erfolgsmenschen samstags so zum Schaumlöffeln vor. Was für eine Verschwendung. Das wäre so, als würde man einen Vollblüter für 54.710 Euro besitzen, um ihn dann ausschließlich im Stall zu bewundern. Mann, der will laufen. An der kurzen Leine geführt, beherrscht und gefordert werden. Porsche baute den Boxster genau so: eine Lenkung, die jede Bewegung sofort auf die Räder überträgt. Ein Getriebe, das so kurz und knackig ist, dass man sich fragt: "Ist der Gang schon drin?" Und ein Fahrwerk, das gegen Aufpreis alle Stimmungslagen mitmacht. Auf Knopfdruck stellen sich die Dämpfer auf Komfort ein, in der Sport-Einstellung spannen sie die Muskeln an. Von Haus aus verwöhnt der SLK mit mehr Komfort. Ohne dabei als Weichspüler daherzukommen. Im Gegensatz zum Porsche geht er auf Nummer sicher. Denn sein Stabilitätsprogramm lässt sich nie ganz lahmlegen. Im Notfall springt die Elektronik ein, um die Kurve zu packen. Auch auf der Rennstrecke. Neu ist die auf Wunsch erhältliche Direktlenkung (315 Euro), die beim Rangieren deutlich direkter agiert, beim Geradeausfahren vor allem Ruhe bewahrt. Anders als BMWs Aktivlenkung funktioniert das Mercedes-System rein mechanisch – die beste Lenkung vom Stern bislang.

Dieser Superlativ gebührt auch den Bremsen. Die sind beim 350er vergrößert, die Scheiben vorn gelocht. Erwischt es den Fahrer kalt, kommt der SLK nach 35,7 Metern aus Tempo 100 zum Stehen, der Boxster nach 36 Metern. Porsches Keramikbremse mit gelben Bremssätteln müssen erst warm werden, um ihren Preis von 8033 Euro wert zu sein. Andere Menschen kaufen dafür einen brandneuen Fiat Panda. Egal, Panda ist nicht Porsche. Und der Boxster kein SLK. Das hat Vorteile, jawoll! Zum Beispiel, durch den besser nutzbaren Kofferraum. Auch Sportwagenfahrer besitzen einen Alltag. Mit 300 Litern ist das Gepäckabteil des SLK zwar nicht viel größer als die 280 Liter des Boxster. Aufgrund des Mittelmotors teilen sich die aber in zwei Fächer auf, vorn und hinten. Hartschalenkoffer werden so zu echten Härtefällen. Auch die im Mercedes eingebaute, sanft agierende Siebenstufen-Automatik mit Schaltwippen am Lenkrad (2535 Euro) beruhigt im täglichen Leben mehr als die auf Sportlichkeit ausgelegte Tiptronic S mit nur fünf Gängen. Mal ganz abgesehen, vom SLK-Airscarf, einem unsichtbaren Warmluftschal, der neckisch in den Nacken bläst. Bei Porsche wäre so ein Extra undenkbar. Weil im Boxster alles pur sein muss. Auch der Lärm, der ab Tempo 180 das Trommelfell belegt. Porsche Boxster und Mercedes SLK – das bleiben zwei Welten. Der eine kommt im Grenzbereich besser klar, der andere im Alltag. So fahren sie sich wenigstens nicht in die Quere.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Zwei Autos aus Stuttgart, zwei total unterschiedliche Charaktere. Die färben auch auf den Fahrer ab. Das sportliche Wesen des Boxster fordert Eile: "Was, du stellst dich hinten an? Überholen!" Der SLK strahlt trotz seiner Dynamik mehr Ruhe aus. Das liegt an seinem unaufdringlichen Fahrwerk, dem zurückhaltenderen Sound, der komfortableren Lenkung. Damit ist er besser für den Alltag gerüstet. Und gewinnt so verdient das Spitzenduell der Stuttgarter Sportler.
Fahrzeugdaten Mercedes Porsche
Motor V6, vorn längs Sechszylinder Boxer,hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 3498 cm² 3387 cm²
kW (PS) bei 1/min 224 (305)/6500 217 (295)/6250
Nm bei 1/min 360/4900 340/4400
Vmax 250 km/h 272 km/h
Getriebe 7-Stufen-Automatik Sechsgang manuell
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Radgröße vorn/hinten 7,5/8,5 x17" 8/9 x18"
Testwagenbereifung vorn 225/45 R 17 W 235/40 ZR 18 Y
Testwagenbereifung hinten 245/40 R 17 W 265/40 ZR 18 Y
Abgas CO2 219 g/km 254 g/km
Verbrauch* 13,1/7,0/9,2 l 15,3/7,8/10,6 l
Tankinhalt 70 l/Super 64 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 75 dB (A)
Kofferraumvolumen min/max 208–300 l 150–130 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Kosten/Garantien Mercedes Porsche
Abgasnorm Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 236 € 230 €
Typklassen HPF/VK/TK 13/23/23 13/26/28
Werkstattintervalle nach Anzeige/2 Jahre nach Anzeige/2 Jahre
Kosten Ölwechsel/Inspektion 270/500 € 280/650 €
Garantie/Gewährleistung Garantie Gewährleistung
Technik/km-Begrenzung 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne
Garantie gegen Durchrostung 30 Jahre 10 Jahre
Mobilitätsgarantie 30 Jahre 2 Jahre
Preise/Ausstattung Mercedes Porsche
Modell SLK 350 Boxster S
Airbags Fahrer/Beif./Seiten S/S/S S/S/S
Kopfairbags S S
Klimaanlage/-automatik S/643 € S/464 €
Automatikgetriebe ab 2261 € 2642 €
CD Radio ab 893 € S
Sitzheizung 369 € 417 €
Bi-Xenon-Scheinwerfer 994 € 1059 €
Windschott ab 83 € 327 €
Metalliclackierung 690 € 857 €
Grundpreis 49.236 €* 54.710 €
S = Serie; * inklusive 2261€ für Automatikgetriebe
Messwerte Mercedes Porsche
Beschleunigung
0–50 km/h 2,2 s 2,2 s
0–100 km/h 5,6 s 5,4 s
0–130 km/h 8,4 s 8,5 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,8 s 2,5 s
80–120 km/h 3,4 s 3,2 s
Leergewicht/Zuladung 1506/294 kg 1432/198 kg
Gewichtsverteilung v./h. 53/47 % 47/53 %
Wendekreis links/rechts 10,4/10,3 m 11,2/11,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 35,7 m 36,0 m
aus 100 km/h warm 35,2 m 35,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 61 dB (A) 66 dB (A)
bei 100 km/h 70 dB (A) 73 dB (A)
bei 130 km/h 74 dB (A) 79 dB (A)
Testverbrauch – CO2 11,0 l – 262 g/km 11,3 l – 271 g/km
Reichweite 630 km 560 km
Die Wertung Punkte max. Mercedes Porsche
Karosserie
Platzangebot 30 28 27
Kofferraum/Zuladung 20 20 17
Verdeck 20 19 16
Sitze/Sitzposition 30 25 27
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 20 23
Sicherheitsausstattung 30 18 15
Qualitätseindruck/Materialien 20 16 19
Zwischenergebnis 180 146 144
Antireb/Fahrwerk
Motoreigenschaften 20 18 20
Beschleunigung/Vmax 30 28 30
Zwischenspurt 20 17 18
Fahrsicherheit 30 29 27
Sound 10 8 10
Fahrspaß 20 17 19
Fahrkomfort 20 18 17
Getriebe/Schaltung 20 17 18
Lenkung/Wendekreis 20 18 19
Bremsen 30 25 25
Zwischenergebnis 220 195 203
Kosten
Steuer/Versicherung 20 15 13
Verbrauch/Umwelt 40 33 30
Garantie 20 13 5
Wartung 20 17 17
Aufpreisgestaltung 10 7 5
Wiederverkauf* 10 8 8
Preis 80 31 20
Zwischenergebnis 200 124 98
* ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken
Gesamtpunktzahl 600 465 445
Platzierung 1.* 2.
*Preis-Leistungs-Sieger

Autor: Margret Hucko

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