Mercedes SLS/Porsche 911 Turbo/Audi R8 5.2 FSI

Mercedes SLS Audi R8 Porsche 911 Turbo Mercedes SLS Audi R8 Porsche 911 Turbo

Mercedes SLS/Porsche 911 Turbo/Audi R8 5.2 FSI

— 28.04.2010

Der beste Sportwagen der Welt

Schluss mit Schaulaufen, es wird Ernst für den Mercedes SLS AMG. Die Mittelmotor-Flunder Audi R8 und der Super-Porsche 911 Turbo fordern den Flügeltürer zum sportlichen Showdown.

Erdgeschoss. Kurz und bündig steht’s da in der Werbung eines aufregend inszenierten Mercedes SLS AMG. Auf dem Foto kauert eine geballte Ladung Sportwagen, hüfthoch duckt sich der Bolide über dem Asphalt, glutrot schimmert der Lack, Licht spiegelt in den zum Bersten gespannten Blechflächen. Echt explosiv! Aber so ganz trifft es die Titelzeile nicht. Wieso denn Parterre? Der Flügeltürer schwingt sich dank kompromissloser AMG-Machart direkt in das oberste Stockwerk der Supersportler hinauf. Ein mächtiger V8, Getriebe mit Doppelkupplung, fein austarierter Trans-Axle-Antrieb, superleichte Carbon-Kardanwelle und drumherum eine betörend kraftstrotzende Aluminium-Karosserie – diesem Anspruch nach wohnt der SLS im Penthouse des Burj-Khalifa-Wolkenkratzers in Dubai. In den unteren Geschossen kreucht der Rest der Sportwagen-Welt umher, in Augenhöhe ist dagegen lange nichts in Sichtweite.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche 911 Turbo

Halt! Irgendetwas rumort doch auf dieser Etage. Aber heute hat sich kein greller Italiener, kein lauter Ami, kein unscheinbarer Japaner hier hinauf getraut. Die Herausforderer kommen ausgerechnet von nebenan – aus Ingolstadt und Zuffenhausen. Audi und Porsche halten sich schon länger in der Höhenzone jenseits von 500 PS auf, besetzen die Etage mit R8 5.2 FSI und 911 Turbo. Aber wer gehört hier nun wirklich hin, an die Spitze der Sportwagen-Welt? Die Antwort liefert der erste Test. Wo? Natürlich auf der Rennstrecke. Aber erst mal rechnen wir – bei den Preisen. Porsche und Audi fürchten wohl einen Höhenflug des Mercedes, haben ihre Abgesandten nachträglich mit teuren Sport-Extras auf Linie gebracht. So summieren sich das 3915 Euro teure Doppelkupplungsgetriebe (PDK), eine Keramik-Bremsanlage für 8711 Euro, Aerokit (5355 Euro) und Differenzialsperre (1309 Euro) des 911 auf knapp 20.000 Euro zusätzlich. Macht inklusive weiterer Kleinigkeiten wie Schalensitzen und Sport-Chrono-Paket insgesamt über 175.000 Euro für den 911 Turbo im fertigen Test-Trimm.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi R8

Auch Audi investiert in zusätzlicher Renn-Schärfe, lässt den R8 mit 7400 Euro teurer automatisierter Schaltung (R tronic) anrollen, baut Keramikbremsen für 8820 Euro und breitere Hinterreifen für 600 Euro ein. Letztlich stellt sich ein 161.220 Euro "günstiger" R8 5.2 FSI quattro zum Test auf. Da relativieren sich die 177.310 Euro Grundpreis des SLS – zumal der am meisten Leistung bietet, ab Werk per Doppelkupplung (DCT) schaltet und mit einem handgefertigten Rassemotor – inklusive Plakette des AMG-Monteurs – betört. Wichtiger: Der SLS dankt mit einem sensationellen Show-Effekt. Wenn die Flügel zischend nach oben schwingen, drehen sich Passanten-Köpfe, strecken coole Jungs den Daumen nach oben und lächeln Frauen einladend – wie soll man das bloß aufrechnen? Unbezahlbar. Ist auch gar nicht unser Job – wir konzentrieren uns auf Punkte, Sekunden und Maße. Also ab auf die Autobahn zum Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal.

Gleich hinter Hamburg kristallisieren sich Wesenszüge heraus. Der Audi lässt seinen Zehnzylinder wohlig schnurren, Wind- und Reifenlärm dringen auch bei über Tempo 200 nur dumpf rauschend nach innen, der Bolide federt erstaunlich geschmeidig und läuft sauber geradeaus. Nur beim Schalten verdirbt der R8 den Reisespaß. Im entspannten Modus laufen Gangwechsel zögerlich-zuckend ab, dann nickt der Pilot höflich wie ein Smart-Fahrer. Im Sportmodus unterbricht die R tronic die Zugkraft zu abrupt – dann nickt das Auto, was genauso stört. Wiedergutmachung kommt vom brachialen Klang des 5,2-Liter im Heck. So donnert Supersport. So rauscht Testosteron. Uuaaaah! Man möchte dagegen anbrüllen. Und könnte vergessen, dass 15,2 Liter Super plus pro 100 Kilometer verbrennen – 1,6 Liter mehr als beim Porsche.

Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes SLS

Der brettharte 911 fordert den Piloten auf der Autobahn wie kein anderer. Unruhig schnüffelt der Turbo über die Bahn, dabei hakt er sich in jede noch so kleine Spurrille ein, ständig zerrt und zupft es im Lenkrad. Betonfugen, Querrillen, Bodenwellen – sämtliche Unebenheiten bildet die Federung bei hohem Tempo direkt und unverzerrt ab. Der Turbo bebt, der Innenspiegel zittert, vor den Augen verschwimmt die Fahrbahn. Dazu kommt ein Heidenlärm aus Radhäusern und Motorraum – Geschwindigkeiten über 250 Sachen bedeuten harte Arbeit. Es ist vermutlich die schönste Maloche, die ein in Rennschalen geschraubter Fahrer an stampfender Maschine erleben kann. Testosteron ist nur ein anderes Wort für Porsche Turbo. Doch es geht noch mehr. Gibt es die Hormonschübe von Audi direkt eingespritzt und von Porsche mit Ladedruck verabreicht, so schüttet der SLS die Endorphine gleich kübelweise über dem Piloten aus. Das harte, mechanische und bei 7000 Touren fast schmerzhaft druckvolle Klangspektakel aus Motorbrüllen und Auspufftosen stempelt Porsche und Audi zu Sparringspartnern.

Das liegt vor allem am mächtigen 6,2-Liter-V8 des Mercedes, der explosiv am Gas hängt und seine Lenkung mit zunehmender Geschwindigkeit strammer stellt. Straff, aber nicht unnachgiebig hart, rollt der Wagen dabei ab, bleibt zentimetergenau in der Spur und scheint wie festgesaugt am Asphalt. Der Fahrer erlebt es in einem erstklassigen Sportsitz – alles passt, der SLS fließt oder springt los bei Bedarf. Selbst der müdeste Pilot wird in diesem Auto so wach, wie er sich das in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen könnte. Wir schon – deshalb geht es endlich auf die Rennstrecke.

Wie sich die drei deutschen Supersportler dort geschlagen haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es zum Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Audi Mercedes Porsche
Motor V10, hinten längs V8, vorn längs 6-Zyl.-Boxer, Biturbo, hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette Kette
Hubraum 5204 cm³ 6208 cm³ 3800 cm³
kW (PS) bei 1/min 386 (525)/8000 420 (571)/6800 368 (500)/6000
Nm bei 1/min 530/6500 650/4750 700**/1950
Vmax 316 km/h 317 km/h 312 km/h
Getriebe 6-Gang R tronic 7-Gang DCT 7-Gang PDK
Antrieb Allradantrieb Hinterradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 235/35 – 305/30 ZR 19 265/35 R 19 Y/295/30 R 20 Y 235/35-305/30 ZR 19 Y
Radgröße 8,5/11 x 19" 9,5 x 19 / 11 x 20" 8,5/11 x 19"
Abgas CO2 327 g/km 308 g/km 268 g/km
Verbrauch* 20,7/9,6/13,7 l 19,9/9,3/13,2 l 16,5/8,1/11,4 l
Tankinhalt 90 l/Super plus 85 l/Super plus 67 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 74 dB (A) 74 dB (A)
Kofferraum 100 l 176 l 105 l
Preis 161.220 Euro*** 177.310 Euro 175.538 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
** mit Overboost
*** inkl. 305er-Bereifung für 600 € und Keramikbremsanlage für 8820 €
**** inkl. Aerokit Turbo für 5355 €, PDK-Getriebe für 3915 €, Keramikbremsanlage für 8711 €, Porsche Torque Vectoring (PTV) für 1309 €, Sport-Chrono-Paket für 4546 € und Sportschalensitzen für 2975 €
Messwerte Audi Mercedes Porsche
Beschleunigung
0–50 km/h 1,5 s 1,9 s 1,5 s
0–100 km/h 3,9 s 3,9 s 3,3 s
0–200 km/h 12,0 s 11,1 s 11,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,0 s 1,7 s 2,0 s
80–120 km/h 1,9 s 1,8 s 2,3 s
Leergewicht/Zuladung 1686/224 kg 1694/241 kg 1630/330 kg
Gewichtsverteilung v./h. 43/57 % 47/53 % 38/62 %
Wendekreis links/rechts 11,7/11,9 m 11,9/12,0 m 11,1/11,0 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 34,8 m 33,6 m 33,4 m
aus 100 km/h warm 33,3 m 32,7 m 33,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 65 dB (A) 64 dB (A) 67 dB (A)
bei 100 km/h 70 dB (A) 69 dB (A) 75 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 72 dB (A) 78 dB (A)
Testverbrauch – CO2 15,2 l – 360 g/km 15,1 l – 358 g/km 13,6 l – 322 g/km
Reichweite 590 km 560 km 490 km

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Was Mercedes – oder besser gesagt AMG – da auf die Räder gestellt hat, könnte Geschichte schreiben. Der SLS hat alles, um eine Sportwagen-Ikone zu werden. Unabhängig vom Showeffekt der Flügeltüren begeistert der SLS. Motor: eine Wucht. Fahrwerk: rennerprobt. Fahrleistungen: erhaben. Der Benz ist fast schon ein Le- Mans-Renner. Selbst die Speerspitzen von Porsche und Audi müssen da Platz machen. Gleichfalls verströmt der R8 – auch dank seines spektakulären V10 – besten Sportsgeist. Der Porsche erfüllt die Erwartungen. Schnell, giftig, reinrassig. Ein Turbo in diesem Trimm gibt den Rennwagen mit Straßenzulassung.

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