Behindertengerechte Mercedes-Umbauten

Mercedes Sprinter mit Paravan-Umbau: Fahrbericht

— 29.10.2015

Lenken mit dem Joystick

Für Menschen mit körperlichen Behinderungen bietet Paravan angepasste Umbauten. Wir haben einen Sprinter mit Joystick-Steuerung ausprobiert.

Schon das Anschnallen ist ungewohnt. Instinktiv greift die Hand zum Gurt, der an der B-Säule des Sprinters hängt. "Das ist der falsche", korrigiert mich Fahrlehrer Igino Farnhamer, "du musst den Gurt des Rollstuhls nehmen." Als Mensch ohne körperliche Einschränkungen ist es erst einmal ungewohnt, umzudenken. Ich sitze in einem elektrischen Rollstuhl hinter dem Steuer eines Mercedes Sprinter – speziell umgebaut für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, die sich automobile Freiheit wünschen. Farnhamer zeigt mir, wie ich dieses Gefährt steuere – er ist Fahrlehrer bei der Firma Paravan.

Kfz-Versicherungsvergleich

Ein Service von

Versicherung vergleichen und bis zu 850 Euro sparen!

  • Über 200 Tarife im Vergleich
  • Kostenlos und unverbindlich
AKTION: 20 €-Amazon-Gutschein bei jedem Abschluss bis zum 31.10.2016

Die Hände nicht ans Lenkrad, sondern an den Joystick: So wird der Paravan-Sprinter gesteuert.

Das Unternehmen Paravan aus dem baden-württembergischen Pfronstetten baut jährlich rund 1000 Fahrzeuge um, meist sind es Transporter oder Vans. Logisch, diese bieten viel Bewegungsfreiraum und auch die nötige Höhe, wenn ein Kunde direkt mit seinem Rolli hineinfahren will. Aber auch für Kleinwüchsige gibt es beispielsweise spezielle Pedallösungen. Der Mercedes Sprinter, in dem ich fahre, wurde für Rollstuhlfahrer mit einem sehr beschränkten Bewegungsspielraum angepasst. Mit dem E-Rolli fährt man direkt in das Auto hinein (je nach Version über die Seitentür oder durch die Heckklappe, parkt auf einer Docking-Station, die anstelle des Fahrersitzes am Boden angebracht ist und den Rollstuhl automatisch fixiert. Pedale und Lenkrad sind zwar am gewohnten Platz, werden aber nicht benötigt: Ein Joystick übernimmt das Lenken, Fahrlehrer Farnhamer steuert bei unserer Testfahrt Gas und Bremse vom Beifahrersitz aus. "Beim Joystick ist das Gas vorne und die Bremse hinten. Das würde einen Anfänger erst einmal verwirren", sagt er. So kann ich mich auch besser auf das Lenken konzentrieren.

Das Steuern ist einfacher als gedacht

Blick in den Spiegel und auf die Monitore auf dem Armaturenträger gerichtet, geht es rückwärts.

Das Steuern mit dem Joystick ist ungewohnt, aber leichter als gedacht: Je nach Neigung dreht sich das Lenkrad mit einem leisen Summen blitzschnell, auch schnelle Manöver sind damit möglich – fast sogar schneller, als würde man das Lenkrad selbst drehen. Schwieriger ist es vielmehr, den langen Sprinter durch den engen Parkour zu zirkeln. Enge Kurven, um die Hütchen und wieder rückwärts einparken ist gar nicht so einfach mit dem großen Gefährt, zumal ich nicht die Kontrolle über Gas und Bremse habe. Auch den Einschlagwinkel des Lenkrads muss man erst einmal einschätzen lernen. Doch dank der Kameras, die das Umfeld scannen und ihre Bilder an ein Display auf dem Instrumententräger schicken, klappt das auch. Außerden bremst und beschleunigt der Fahrlehrer neben mir sehr gefühlvoll und gibt immer wieder Tipps zum Umgang mit dem Joystick. Zwischenzeitlich muss ich mich zusammenreißen, um nicht auf das Bremspedal zu treten oder das Lenkrad in die Hand zu nehmen. Was übrigens keine gute Idee wäre: Das Lenkrad wird über Elektromotoren gedreht und ist von Hand kaum zu bewegen. Ein Griff ins sich drehende Lenkrad könnte leicht Abschürfungen nach sich ziehen.
So funktioniert es
Basis für den Sprinter mit Joystick-Steuerung ist das Space-Drive-System von Paravan. Wie wir es von herkömmlichen Auto beispielsweise bei der Einparkautomatik kennen, werden einzelne Komponenten elektronisch gesteuert ("Drive-by-Wire"). Dieses Prinzip wird auch beim autonomen Fahren eine Rolle spielen. Je nach Bedarf und Grad der körperlichen Einschränkungen können Gas, Bremse und Lenkung komplett elektronisch angesteuert werden. Möglich sind beispielsweise auch Lösungen wie elektronische Lenkräder wie am PC. Solch ein umgebautes Fahrzeug ist unlimitiert nutzbar, es gibt also keine Beschränkungen bezüglich der Höchstgeschwindigkeit. Paravan-Geschäftsführer Wolfgang Glauner erzählt sogar von einem Kunden, der ohne Arme und Beine jährlich über 60.000 Kilometer mit seinem Auto zurücklegt. Paravan hat mit den Umbauten Erfahrung: Über 6000 angepasste Fahrzeuge jeglicher Art sind inzwischen auf der Straße. Zum Schutz vor Systemausfällen gibt es eine dreifache Redundanz, drei Prozessoren und eine Back-up-Batterie stellen sicher, dass alles funktioniert. Offenbar so zuverlässig, dass Paravan sogar in elf Bundesstaaten der USA registriert ist. Weitere Infos und Kontakt zu Paravan gibt unter www.paravan.de
Autor:

Fazit

Beeindruckend, was technisch möglich ist. Angepasste Umbauten erlauben es auch körperlich eingeschränkten Menschen, mit dem Auto problemlos mobil zu sein.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.