Mercedes A-Klasse (2011)

Mercedes trickst beim Killer-Kältemittel

— 12.07.2013

A-Klasse ist gar nicht neu

Ein Verfahrenskniff erlaubt es Daimler, bei vier Baureihen das alte Klimaanlagenmittel weiter zu nutzen. Dennoch bleiben 47.000 Autos nicht gesetzeskonform.

Erleichterung bei Daimler: Die Klimaanlagen von A-, B- und SL-Klasse sowie des neuen CLA müssen nicht mit dem Killer-Kältemittel R1234yf ausgerüstet werden – ein legaler Trick macht dies möglich. Ursprünglich wurden die Baureihen nach dem 1. Januar 2011 als neue Modelle typisiert. Folge: Bei ihnen hätte R1234yf eingefüllt werden müssen. Nachdem bei Versuchen mit dem neuen Kältemittel Fahrzeuge in Brand gerieten, stoppten die Stuttgarter das Vorhaben. 47.000 A-, B-, SL- und CLA-Klassen wurden daher entgegen der Vorschrift mit dem alten, klimaschädlichen Mittel R134a ausgeliefert.

Killer-Kältemittel: Daimler weiter ohne R1234yf

Daimler hat nun auf Antrag vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für alle vier Autos jeweils eine neue Typgenehmigung erhalten, die auf der Zulassung von bestehenden Modellen basiert – und die Fahrzeuge somit quasi zu Varianten ihrer Vorgänger gemacht. Seitdem können diese Autos ganz legal weiter mit R134a verkauft werden. Ein Beispiel: Der CLA, der bekanntlich keinen Vorgänger hat, gilt als Stufenheck-A-Klasse. Und obwohl technisch völlig neu entwickelt, basiert die neue A-Klasse formal betrachtet auf dem alten Modell. Den gleichen Trick wenden auch Mazda, Opel und weitere Hersteller an – siehe unten. Für den Verkehrs- und Umweltexperten Axel Friedrich ein Skandal: "Es ist notwendig, dass die Behörden endlich klarstellen, was ein neuer Typ ist, damit nicht weiter hintenrum agiert werden kann.

TÜV Rheinland soll Killer-Kältemittel R1234yf testen

Zentrale TÜV Rheinland TÜV-Sicherheitsbescheinigung für R1234yf Anton Hofreiter
"Die EU, vom deutschen Wirbel um R1234yf ohnehin nicht begeistert, kritisiert die Beteiligung des KBA an der Trickserei, hält sich bis zum Abschluss noch ausstehender Sicherheitstests (AUTO BILD 24/2013) aber zurück. Offen bleibt, was mit den 47.000 auf der Straße befindlichen Mercedes-Fahrzeugen passiert. Diese Autos wurden durch die neuen Genehmigungen keineswegs nachträglich legalisiert, so ein KBA-Sprecher zu AUTO BILD. Diese Autos seien auf Basis der alten Typgenehmigungen zugelassen, die noch für das Kältemittel R1234yf ausgestellt wurden. Das KBA habe Daimler aufgefordert, die Konformität dieser Autos mit den (alten) Typgenehmigungen herzustellen. Das Verfahren, so der Sprecher weiter, sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Daimler betonte, man sei zuversichtlich, auch für diese Autos eine Lösung zu finden.

Killer-Kältemittel R1234yf setzt Mercedes B-Klasse in Brand

Unterdessen hat der Ingenieurverband SAE erneut die Sicherheit von R1234yf bestätigt. Daimlers Brand-Versuche seien unrealistisch gewesen. Ein Daimler-Sprecher zeigte sich davon nicht überrascht, da "diese Ergebnisse bereits Ende letzten Jahres vorab kommuniziert" worden seien. Die aktuellen Aussagen der SAE änderten nichts an Daimlers Position zum Kältemittel, sagte der Sprecher gegenüber AUTO BILD. Die von der SAE erarbeitete Risikoanalyse sei stark verwässert, weil eine "Vielzahl statistisch nicht abgesicherter Annahmen" getroffen worden seien.

Autor: Frank Rosin

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