Mercedes-Benz und BMW gegen Audi A3

Sportcoupé und 3er compact gegen den neuen Audi A3 Sportcoupé und 3er compact gegen den neuen Audi A3

Mercedes und BMW gegen den neuen Audi A3

— 28.04.2003

Eine Klasse für sich

Sportliche Diesel, noble Kompakte oder sparsame Coupés – gar nicht so einfach, den neuen Audi A3, einen BMW compact und das Mercedes-Benz Sportcoupé einzuordnen.

Drei Premium-Kompakte unter sich

Wo wir sind, ist oben. Unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden die süddeutschen Automobilhersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz nun wirklich nicht. Warum auch? Ihre Produkte zählen zum Besten, was weltweit von den Bändern rollt. In Ober- und Luxusklasse sowieso. Seit 1996 zeigt uns Audi mit dem A3, dass es Premium-Modelle auch in der Kompaktklasse geben kann.

Jetzt steht die zweite Generation am Start. Laut Audi-Chef Dr. Martin Winterkorn soll der neue A3 der sportlichste unter den Premium-Kompakten werden. Eine klare Ansage, wo Audi seinen Neuen im Vergleich mit Alfa 147, Peugeot 307, vor allem aber mit dem Golf V sieht.

Was Audi nicht sagt, ist, dass die wahre Konkurrenz für den A3 von ganz woanders her droht – von BMW compact und Mercedes-Benz Sportcoupé. Zwei, die ursprünglich aus der Mittelklasse stammen, sich aber unverhohlen als Kompakte ausgeben. BMW hat dazu das 3er-Heck um 21 Zentimeter gekürzt. Eine radikale Lösung, die den Kofferraum nicht nur auf magere 310 Liter reduziert (zum Vergleich: Audi A3 350 Liter), sondern zudem noch recht gewöhnungsbedürftig aussieht.

Bissiger Common-Rail-Diesel im BMW

Schönheitspreise wird auch das Mercedes-Benz Sportcoupé mit seinem hochgezogenen Heck kaum erringen. Trotzdem liegt der Anteil dieser Variante am C-Klasse-Verkauf bei rund 15 Prozent. Der Grund dafür ist das (vermeintlich) sportliche Image. Wie passt das aber zu den hier getesteten Diesel-Varianten? Eine typische Radio-Eriwan-Frage, auf die die Antwort lauten würde: Im Prinzip gut, aber ...

Gut passen die Diesel zum A3 und zum 3er compact. Den Audi mobilisiert ein Zweiliter mit Pumpe-Düse-Technik und 140 PS. Bereitwillig nimmt er Gas an und begeistert durch bullige Kraft bei niedrigen Drehzahlen. Bereits bei 1750 Umdrehungen erreicht der Turbodiesel sein maximales Drehmoment von 320 Newtonmetern. Er ist genau da stark, wo Diesel-Fahrer heute Schub erwarten: kurzer Druck aufs Gaspedal, beschleunigen, überholen, ganz ohne Stress und Schalten. Das ist die moderne Art des Diesel-Fahrens. Da stört es dann auch nicht, dass der Audi-Diesel bei hohen Drehzahlen etwas verhalten wirkt. Störender ist da schon sein vergleichsweise hoher Lärmpegel.

Leiser, laufruhiger und im Ansprechverhalten noch bissiger trumpft der zehn PS stärkere Common-Rail-Diesel des 3er auf. Hier spürt der Gasfuß, wie der Fahrspaß in jedem Kolben steckt, mit steigendem Pedaldruck wächst. Doch wie heißt es so schön? Alles, was Spaß macht, ist verboten, macht dick oder kostet Geld. In diesem Fall zahlt der BMW-Fahrer seine Vergnügungssteuer an der Zapfsäule – höchster Testverbrauch mit 7,5 Litern (Audi 6,7, Mercedes-Benz 7,2).

Gesetztes Mercedes-Benz Sportcoupé

Mit etwas Zurückhaltung lässt sich der Sprit-Konsum des BMW leicht und locker unter sieben Liter drücken – doch dann kann man gleich Mercedes-Benz fahren. Anders als Audi und BMW reagiert der 220er-CDI bedachter und gesetzter, wird bei höheren Drehzahlen aber laut und brummig. Damit ist er eher ein Motor zum Gleiten oder für lange Distanzen. Da passen Coupé und Diesel durchaus zusammen – nur der Begriff Sport ist hier fehl am Platze.

Das gilt genauso für Fahrverhalten und Fahrkomfort des Mercedes-Benz. Im Vergleich zu Audi und BMW fühlt sich das Sportcoupé wie eine große, schwere Limousine an. Das Auto scheint behäbiger zu reagieren, ist nicht zuletzt wegen der indirekten Lenkung deutlich weniger agil. Exzellent aber, wie die Federung Unebenheiten, vor allem kurze, trockene Stöße, absorbiert. Nicht ganz so souverän reagiert sie bei langen Wellen. Dafür neigt das ESP zur Überreaktion. Es greift früh ein und regelt heftig, bevormundet den Fahrer regelrecht. Alles für die Sicherheit, deshalb wollen wir es dem Benz auch nicht ankreiden, nur eine sportliche Fahrweise kommt so nicht auf.

Die bietet vielmehr der BMW. Sein elektronisches Antischleuderprogramm reagiert spät, aber nicht zu spät. Es erlaubt dem Heck bei flotter Fahrweise schon mal ein leichtes Übersteuern, quasi ein aufs Minimum dosiertes Driften. Mit Wehmut erinnern wir uns an die abenteuerlichen Driftwinkel des Typs 2002. Die besten Bremsen und ein hoher, ausgewogener Fahrkomfort runden das Bild vom sportlichen compact ab. Nur die Lenkung sorgt für einen dunklen Fleck auf seiner sonst weißen Weste. Zwar ist sie direkt, aber auch recht schwergängig. Meine Herren bei BMW, haben Sie etwa vergessen, dass auch Damen den compact fahren?

Audis Meisterstück: der A3-Innenraum

Audi hat an die Damen gedacht. Die geschwindigkeitsabhängige elektromechanische Lenkung arbeitet präzise, zielgenau und leichtgängig. Klarer Fortschritt zum Vorgänger. Der ist auch am Fahrwerk zu erkennen. Die neue, aufwändige Verbundlenker-Hinterachse poltert deutlich weniger. Die Abstimmung des A3 wirkt im ersten Moment sportlichstraff. Für die kurzen Schläge von Gullydeckeln und Querfugen sogar eine Nummer zu straff. In schnellen Kurven dagegen zeigt die Karosserie hohe Seitenneigung. Wirklich sportlich ist das nicht. So fährt Audi dem BMW noch hinterher.

Unschlagbar hingegen ist der A3 im Platzangebot, in der Raumausnutzung und im Punkt Qualität. Dabei geht es nicht nur um Verarbeitung, Spaltmaße, gerade Nähte im Teppichboden oder um saubere Schweißpunkte. Das sind Automobilbau-Kriterien, die von allen drei Premium-Herstellern beherrscht werden.

Sein Meisterstück hat Audi aber bei Innenraum-Design und Materialauswahl geliefert. Die Türblätter, noch mehr aber das Cockpit im Stile des Audi TT verdienen höchstes Lob. In diesem Punkt behält Dr. Winterkorn Recht. Der A3 ist der sportlichste unter den Premium-Kompakten, auch wenn der BMW mehr Dynamik im Fahrverhalten zeigt. Aber wie der Mercedes-Benz ist das ja gar kein echter Kompakter. Die drei sind eben eine Klasse für sich – auf höchstem Niveau.

Technische Daten und Testwerte



ABS, Bremsassistent und EBV sind hier Standard. BMW macht aus den technischen Möglichkeiten das Beste, bremst mit kalter wie warmer Bremse deutlich besser.

Kosten und Ausstattungen

Bei den Kosten trumpft Audi noch einmal richtig auf. Er ist 2000 bzw. 5000 Euro billiger als die Konkurrenten von BMW und Mercedes-Benz.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Manfred Kolbe Einfach ein Stück vom Heck abschneiden, und fertig ist das Kompaktauto. Nein, so einfach geht's nun wirklich nicht. Wie es gemacht werden muss, um mit einem echten Kompaktwagen der noblen Konkurrenz von BMW und Mercedes-Benz erfolgreich zu widerstehen, zeigt Audi mit dem neuen A3. Ein Riesenauto – vom Platz her wie von Anspruch und Qualität. Dazu technisch durchdacht, von hohem Nutzwert und mit einem elastischen Diesel ausgerüstet. Dies ist wohl der stärkste Auftritt eines Audi im ständigen Vergleich mit BMW und Mercedes-Benz.

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