Mercedes V-Klasse vs. VW T5

Mercedes V-Klasse/VW T5: Test

— 30.06.2014

Klarer Sieg für die V-Klasse

Erfolg macht träge. Der sieggewohnte T5 wird schon seit 2003 gebaut – und bekommt von der neuen V-Klasse jetzt die Quittung dafür.

Es schien schon aussichtslos. Den Bulli von VW schlagen? Vergiss es! An dieser Institution führt kein Weg vorbei. Bisher jedenfalls. Denn jetzt wagt Mercedes erneut einen Versuch. Die V-Klasse fordert den seit elf Jahren etablierten T5 Multivan. Der Benz-Bus kam mit der ersten Modellreihe ab 1996 mit Rostproblemen und mangelnder Qualität in Verruf. Mit der zweiten Generation ab 2003 wurde das besser – der Viano galt als günstige Alternative zum ebenfalls 2003 erschienenen T5 Multivan. Richtig gelesen, ein Mercedes, der weniger kostete als ein ähnlich ausgestatteter Volkswagen. Diesen Trumpf wollen die Stuttgarter auch 2014 ausspielen und packen zusätzlich modernste Ausstattung in die dritte Generation des Vans, der jetzt wieder V-Klasse heißt.

Der VW T5 Multivan hat schon elf Jahre auf dem Buckel

Video: V-Klasse vs. VW T5

Da sieht der Bulli alt aus

Bereits äußerlich positioniert sich die V-Klasse-Edition großspurig gegenüber dem T5 Multivan Highline. In der Langversion überragt sie den kurzen Multivan um knapp 25 Zentimeter, im Radstand sind es 20, in der Spurbreite vorn vier und hinten drei. Die Folge: ein besseres Platzangebot. Wobei in keinem von beiden Platzmangel herrscht und sich beide auch gut überblicken lassen. Die neun Zentimeter mehr Höhe des VW sorgen lediglich für einen erschwerten Einstieg, bringen sonst aber keinen Vorteil. V-Klasse und T5 locken innen mit einem satten Meter Luft überm Sessel. Die neun Zentimeter niedrigere Ladekante der V-Klasse spüren wir im Alltag dafür umso mehr. Etwa beim Beladen mit dem Wochenendeinkauf. Um den souverän nach Hause zu schaukeln, setzen beide Familien-Frachter auf kräftige Diesel. Trotz 17 PS weniger kann der 2,2-Liter der V-Klasse gut mit dem 180 PS starken Zweiliter-TDI des T5 mithalten. Beide Dickschiffe gehen mit knapp 2,4 Tonnen natürlich kaum als Sportwagen durch, kommen aber flott vom Fleck. Zwar arbeitet der Diesel im Mercedes einen Hauch unkultivierter und nagelt eine Spur lauter als der VW-Motor, dafür verbraucht er mit 7,3 Litern aber auch einen ganzen Liter weniger.
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In Sachen Dynamik und Komfort fährt die V-Klasse nach vorne

Komfort und Dynamik: Das Mercedes-Fahrwerk spricht bei milder Fahrweise sanft an, bei eiliger straffer.

Vorteil V-Klasse zudem beim Komfort. Der Mercedes spricht bei milder Fahrweise sanft an, bei eiliger straffer – so fängt die V-Klasse kurze Unebenheiten wie der T5 weich ab, schaukelt bei langen Wellen und schneller Kurvenhatz aber deutlich weniger. Zudem steuert die Direktlenkung den Mercedes genauer und mit weniger Lenkarbeit durchs Kurvengewirr. So lässt sich die V-Klasse präzise und mit leichter Hand dirigieren – selbst Alpenpässe nehmen V-Klasse-Piloten locker. Muss abrupt der Anker fallen, steht der Mercedes nach 37,7 Metern etwas schneller als der VW. Rigoros ist das ESP, das bei der V-Klasse die strenge Nanny spielt. Dafür punktet der Multivan als Highline serienmäßig mit einer zweiten automatischen Schiebetür sowie drehbaren Sitzen in der zweiten Reihe. Toll für die Pause auf dem Rastplatz. Allerdings wiegen die Dinger mit 39,5 Kilo zehn Kilo mehr als die in der V-Klasse – beim Ausbau schwitzen Bulli-Besatzungen entsprechend mehr. Im Mercedes finden die Passagiere zudem mehr Seitenhalt auf dem Gestühl. Der T5 verfolgt mit breiteren Sitzflächen eine weniger dynamische und mehr komfortorientierte Philosophie. Letztlich Geschmackssache.
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Wenn es um die Ausstattung geht, spricht allerdings alles für die V-Klasse. Elektrisch einstellbare Außenspiegel, automatische Ausstellfenster im Fond und eine Metalliclackierung gibt es ohne Aufpreis. Und das Beste kommt erst noch, wenn es um Multimedia und Connectivity geht. Abgesehen von Navi, DAB-Radio und Sprachsteuerung hat der T5 etliche Jahre im Digitalzeitalter verpennt. Internet scheint für den Hannoveraner Neuland.

Gegen den modernen Benz hat der VW keine Chance

Die Mercedes V-Klasse ist in jeder Hinsicht besser – und preiswerter. Vorne liegt der T5 nur auf dem Foto.

Die neue V-Klasse hingegen zeigt sich mit WLAN, Apps und Echtzeit-Stauerkennung modern und frisch. Audiosystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie USB-Anschluss sind bereits serienmäßig an Bord. Einzige dunkle Wolke am Multimedia-Himmel: Die verschachtelte Menüstruktur des Comand Online und die zu tiefe Ablage für das Smartphone zwischen Fahrer-und Beifahrersitz. Uneingeschränkt empfehlenswert dagegen die Sicherheits-Crew der V-Klasse mit Müdigkeitswarner, Verkehrsschildanzeige und Spur- sowie Seitenwindassistent. Während der Mercedes bei Starkwind vom ESP in der Spur gehalten wird, muss der Fahrer beim Multivan mit starker Hand selbst dagegenhalten. Mit 45.315 Euro geht die von uns getestete V-Klasse sicherlich nicht als Schnäppchen durch, kostet aber in der Basisausstattung noch gut 9000 Euro weniger als der T5 Multivan. Zudem schlägt der Mercedes den VW in allen Eigenschaftswertungen. Dieses klare Ergebnis dürfte bei VW für Unruhe sorgen, kommt aber sicherlich nicht völlig überraschend – denn ganz zufällig werden seit wenigen Wochen die ersten Erlkönige des T6 gesichtet, der wahrscheinlich 2016 auf den Markt kommt. Keine Frage, dann wird es erneut zum Duell kommen. Doch bis dahin trägt die Mercedes V-Klasse erst einmal die Krone der Großraumvans.
Fahrzeugdaten Mercedes V 220 CDI VW T5 Multivan 2.0 TDI
Motor Vierzylinder, Biturbo Vierzylinder, Biturbo
Einbaulage vorn längs vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen
Hubraum 2143 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 120 (163)/3800 132 (180)/4000
Nm bei 1/min 380/1400 400/1500
Vmax 195 km/h 191 km/h
Getriebe Siebenstufenautomatik Siebengang-DSG
Antrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/55 R 17 V 235/55 R 17 W
Reifentyp Continental VanContact 200 Dunlop Sport Maxx TT
Radgröße 7 x 17'' 7 x 17''
Abgas CO2 149 g/km 199 g/km
Verbrauch* 6,3/5,3/5,7 l 8,8/6,9/7,6 l
Tankinhalt 70 l/Diesel 80 l/Diesel
Kältemittel R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2000/750 kg 2500/750 kg
Kofferraumvolumen max. 4630 l max. 4300 l
Länge/Breite/Höhe 5140/1928–2249**/1880 mm 4892/1904–2283**/1970 mm
Testwagenpreis 45.315 Euro 59.750 Euro
innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Mercedes VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,7 s 4,1 s
0–100 km/h 12,3 s 12,2 s
0–130 km/h 21,3 s 20,2 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 7,4 s 6,8 s
80–120 km/h 9,5 s 8,7 s
Leergewicht/Zuladung 2320/730 kg 2380/620 kg
Gewichtsverteilung v./h. 53/47 % 56/44 %
Wendekreis links/rechts 12,0/11,9 m 12,0/11,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,2 m 38,3 m
aus 100 km/h warm 38,2 m 38,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 60 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,3 l D – 193 g/km 8,3 l D – 219 g/km
Reichweite 950 km 960 km
Robin Hornig

Fazit

Es ist nicht nur die modernere Ausstattung mit Multimedia und Fahrassistenten, mit der die V-Klasse den Bulli besiegt. Mit sparsamerem Antrieb, ausgewogener Federung und besserem Raumangebot kassiert der Benz den VW auf ganzer Breite.

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