Mini-Vans im Vergleich

Meriva gegen Multipla, Matrix und Space Star

— 11.11.2004

Familien-Freunde

Vier Groe fr unsere Kleinen: vier Meter kurz, um die 100 PS. Die Businessclass fr Kind und Kegel pat haargenau in diese Zeit.

Jahrelang als Froschknig gehnselt

Neue Autos haben es in diesen Tagen schwer. Ganz besonders wenn sie Opel heien. Doch wie in allen Kommentaren erwhnt, ist Opel mit seinen Modellen auf dem richtigen Weg. Ein Beweismittel steht hier: Der Opel Meriva ist Klassenbester in der Familie der kleinen Vans. Gerade gewann er gegen Honda Jazz und Mercedes-Benz A-Klasse und auch in diesem Test ist er sehr gut aufgestellt. Doch davon spter.

Anla fr diesen Vergleich ist ein entfernter Meriva-Vetter: der "entschrfte" Multipla. Denn Opel-Mutter GM hlt ein Fnftel der Fiat-Aktien . Wenn das Wort Facelift jemals ins Schwarze getroffen hat, dann hier beim Multipla, der jahrelang als Froschknig gehnselt wurde. Die markante Nase wurde nun geglttet, was ihn zwar etwas uniformer und zehn Zentimeter lnger macht, dafr Vorteile beim Fugngerschutz bringt. Innen blieb bis auf textile nderungen alles gleich, am Heck wiederum wuchsen die Rcklichter und das Fiat-Zeichen.

Mit seiner auch fr hiesige Verhltnisse XXL-Breite von 1,87 Metern bertrifft der Multipla gar die Mercedes-Benz S-Klasse um 1,5 Zentimeter und bietet auch noch sechs Pltze auf richtigen Einzelsitzen. Darauf sollten aber keine pasta-pummeligen Personen Platz nehmen, denn in jede Reihe passen drei, die schnell zum Schulterschlu kommen. Dann fllt aber auch nicht mehr auf, da die Lehnen in Kurven jeglichen Seitenhalt vermissen lassen. Die Lehnen-Wangen bieten leider nur luftig-leichte Schalensitz-Optik.

Multipla punktet bei der Variabilitt

Der stattliche Kofferraum hinter den zwei Reihen erhlt fr seine 430 Liter Fassungsvermgen die volle Punktzahl. Da sich die Sitze vielseitig verndern und sogar ausbauen lassen, streicht der Multipla bei der Variabilitt die meisten Punkte ein. Als angenehm empfinden die meisten Insassen auch den durchgehend flachen Wagenboden. Langbeinige Hintermnner mssen sich allerdings zusammenfalten, klemmen die Knie Richtung Kinn. Kleinfamilien wird das nicht tangieren, denen sind bequeme Isofix-Systeme an den beiden ueren Rcksitzen wichtiger.

Familienvter drften sich mehr fr den Antrieb interessieren. Hier enttuscht Fiat eigentlich nie. Der Motor des Multipla dreht flott bis 7000 Touren (die anderen regeln sptestens bei 6500 Umdrehungen ab) und vermittelt akustisch mehr Temperament, als die Mewerte vermelden. Allerdings ist er mit 1435 Kilo Leergewicht auch der Schwerste in diesem Vergleich. Auffllig sind beim Multipla die Fahrwerksschwchen. Und zwar beim Thema Komfort.

Die feinnervige Federung ist immer am Arbeiten, alles vibriert, Bodenwellen jedweden Wachstums regen das Fahrwerk an und die Insassen auf. Die Fahrsicherheit leidet nicht darunter. Der Multipla umrundet Kurven zwar mit krftiger Seitenneigung, aber stets kontrolliert. Das (nicht lieferbare) Stabilittsprogramm ESP wird nicht wirklich vermit.

Space Star fhrt der Konkurrenz davon

Der vor knapp zwei Jahren geliftete Mitsubishi Space Star ist ebenfalls kein Federbett. Kleinere Unebenheiten verdaut er gut, grere kommen recht anstig nach innen durch. Leider dmpfen die Sitzflchen nichts mehr weg. Dafr bieten die Sthle prima Seitenhalt, was auch ntig ist. Wer sich in Kurven berschtzt, der mu damit rechnen, da das Hinterteil herumkommt und die Federn auf die Puffer schlagen. ESP-Hilfe wre hier willkommen, ist aber nicht lieferbar.

Motorisch gibt sich der Space Star auch sehr italienisch. Dank Leichtgewicht (1265 Kilo), guter Aerodynamik und passender Getriebeabstufung fhrt er in allen Dynamik-Wertungen der Konkurrenz knapp, aber mebar, davon. Wichtig in dieser Familienklasse sind natrlich die Rcksitze. Isofix-Halter sind nicht zu finden, dafr ist die Rckbank asymmetrisch geteilt und sogar um 15 Zentimeter verschiebbar.

Was uns strt, sind die fehlende Steckdose im Laderaum (die anderen drei haben eine), die groen Kopfsttzen hinten, die die Rcksicht erschweren, und die etwas billig glnzenden Armaturenbezge. Bei ungnstiger Sonneneinstrahlung reflektieren sie in Front- und Seitenscheibe. ber die Armlehne rechts am Fahrersitz kann man streiten. Wir klappen so etwas sofort weg, weil eine zu lssige Grundhaltung schnelles Reagieren erschwert.

Spitzenduo Meriva und Matrix

Wenden wir uns jetzt dem Spitzenduo in diesem Vergleich zu: Hyundai Matrix und Opel Meriva. Der eine von Pininfarina in Italien gestylt und in Korea gebaut. Der andere in Deutschland konstruiert und im spanischen Saragossa hergestellt. Beide eint ein in diesem Quartett konkurrenzloser Preis. Weit ber 2000 Euro trennen die beiden vom Fiat und dem Mitsubishi, der brigens niederlndische Arbeitspltze sichert, denn er wird in Born gebaut.

Beim Fahrverhalten zeigen Matrix und Meriva kaum Schwchen. Dank guter Sitze, gefhlvoller Lenkungen und ordentlicher Fahrwerksabstimmungen bereiten extreme Fahrmanver kaum Probleme. ESP ist fr den Koreaner ebenfalls ein Fremdwort, der Deutsche lt sich den Schleuderschutz extra bezahlen. Leichte Komfortschwchen zeigen beide. Der Meriva stuckert ber kleine Wellen, der Matrix nervt mit Poltergeruschen.

Die Aufpreisliste des Meriva zeigt, wie ernst Opel diese populre Familienklasse nimmt: Allein die Infotainment-Extras (Radio, GPS, DVD und Telefon), sonst meist Geschftswagen vorbehalten, fllen fast zwei Seiten. Sogar ein DVD-System fr die Rcksitze wird angeboten. Den Meriva kann man fr die Kleinen schon ganz gro aufrsten (1990 Euro).

Kosten und Ausstattungen

An die Kindersitze Haben Hyundai und Opel gedacht, bieten Isofix-Befestigungen auf den ueren Pltzen. Die Kofferrume sind selbstverstndlich variabel. Der Meriva hat das pfiffige Flexspace-Sitzkonzept mit lngs und quer verschiebbarem Gesthl. Das macht den Opelaner zur Not sogar zum Chauffeurwagen. Ohne Lesen der Betriebsanleitung erklrt sich das System zwar nicht so leicht, ist dann aber schnell begriffen. Die herausnehmbare Mittelarmlehne "Travel Assistant" kostet 80 Euro.

Der bersichtliche Hyundai hlt hinten eine um 19,5 Zentimeter verschiebbare Rckbank bereit, die sich selbstverstndlich auch asymmetrisch umklappen lt. Am meisten erfreute uns sein ueres: Die Pininfarina-Schriftzge veredeln ihn, und das satte Rot des Testwagens wirft einen Farbtupfer in unsere metallic-silbergraue oder schwarze Zeit. Was keine Anspielung auf die derzeitige Stimmungslage sein soll. Denn etwas rosiger sehe ich sie schon, weil die Autobauer mit diesen Familienwagen voll die "normalen" Kunden treffen.

Technische Daten und Testwerte

Die Bremswege sind zum Teil recht lang. Die Testwagen sind allesamt aber sehr frontlastig, da knnen die Hinterrder beim Bremsen nicht optimal helfen.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz Eines mu ich wieder mal betonen: Es gibt keine schlechten Autos mehr. Es gibt Nuancen in der Technik und den Philosophien, ber die man trefflich streiten kann. Unser Testschema versucht, das alles zu objektivieren. Der gleiche Meriva, der in Heft 38 gewinnt, siegt also auch hier wieder in einem Vergleich. Glckwunsch nach Rsselsheim, die Opelaner brauchen Gewinner, um (hoffentlich schon bald) wieder auf der Siegerstrae zu fahren. Allerdings ist dem Meriva die koreanische Konkurrenz hart auf den Fersen. Enttuschend: der Fiat. Ausgerechnet im Kostenkapitel verspielt der Sechssitzer sogar Platz zwei.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten fr Opel Meriva, Hyundai Matrix, Mitsubishi Space Star und Fiat Multipla. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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