Merkantiler Minderwert

Merkantiler Minderwert

Merkantiler Minderwert

— 25.03.2002

Die Verlust-Rechnung

Wenn es gekracht hat, zahlt die Haftpflicht des Verursachers in jedem Fall den Blechschaden. Bei jüngeren Fahrzeugen kommt noch ein Wertausgleich für den Unfall-Makel hinzu.

Minderwert – nur bei Haftpflicht

Was für ein Wortmonstrum – merkantiler Minderwert. So etwas können sich nur Juristen ausdenken, die Unsichtbares beschreiben müssen: die Wertminderung nach einem Autounfall. Denn selbst bei einer Reparatur nach allen Regeln der Mechanikerkunst haftet solchen Autos ewig der Makel eines Unfallwagens an. Der weckt bei späteren Kaufinteressenten das ungute Gefühl, einen faulen Apfel zu kriegen. Dagegen hilft nur ein Preisabschlag gegenüber einem gleichen, unfallfreien Modell. Der Differenzbetrag ist der merkantile oder kaufmännische Minderwert.

Das Problem: Es handelt sich um einen fiktiven Wert, der nicht wie Technik oder Blech exakt zu kalkulieren ist. Marktlage, Fahrzeugalter und Gesamtzustand spielen eine Rolle und sind bei keinem Fahrzeug gleich. Das ist schwierig zu berechnen. Auch tritt der merkantile Minderwert nicht automatisch nach jedem Unfall auf.

In Kaskoverträgen ist der Minderwert in der Regel ausgeschlossen. Nur in der Haftpflicht kann der Geschädigte ihn geltend machen. Aber auch nicht immer. Denn : "Nicht jeder Unfallschaden bedeutet einen merkantilen Minderwert", erklärt Jörg Obermeier von der A&O-Autoversicherung Oldenburg. Abschläge gibt es nur bei Fahrzeugen bis sechs Jahren (Ausnahme Oldtimer). Je älter ein Gebrauchsfahrzeug wird, um so unbedeutender wird der Unfallvorschaden für den Verkaufspreis. "Auch geringfügige Blechschäden bis 1000 Mark, die nicht als Unfallschaden offenbart werden müssen, führen zu keinem Minderwert", so der A&O-Schadensexperte.

Rest- contra Wiederbeschaffungswert

Doch nach erheblichen Unfällen bei jungen Fahrzeugen lässt sich der merkantile Minderwert vom Sachverständigen ermitteln. Das ist kompliziert und nur mit Hilfe von Tabellen möglich (Abdruck in "Der merkantile Minderwert" von Ernst Halbgewachs, Kirschbaum Verlag Bonn, Telefon 02 28-9 54 53 35).

Der merkantile Minderwert ist nicht mit einem Rest- und Wiederbeschaffungswert zu verwechseln. Beide tauchen ebenfalls im Zusammenhang mit Unfällen auf. Ist ein Auto so stark beschädigt, dass eine Reparatur teuer wie eine Wiederbeschaffung wäre, handelt es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden, den die Versicherung bezahlt. Ausnahme 1: Versicherungen zahlen bei Haftpflichtschäden bis 130 Prozent der Totalschadenssumme als Reparaturkosten, wenn nachgewiesen repariert wird (Vorlage der Reparaturrechnung).

Beispiel: Autowert 5000 Mark, Reparaturkosten 6500 Mark – die Versicherung zahlt die Reparatur, aber keine Abrechnung auf Basis eines Kostenvoranschlags. Ausnahme 2: Soll der Schaden nicht behoben werden und die Reparaturkosten sind höher als die Differenz zwischen Rest- und Wiederbeschaffungswert, wird nur die Differenz gezahlt. Beispiel: 5000 Mark Wiederbeschaffung bei 4500 Mark Reparaturkosten und 2000 Mark Restwert – die Versicherung zahlt nur 3000 Mark, die Differenz zwischen Rest- und Wiederbeschaffungswert.

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