Messe "Auto Guangzhou" 2009

Messe "Auto Guangzhou" 2009

— 23.11.2009

Kopiervorgang beendet?

In Guangzhou stellen Chinas Autobauer ihre neuesten Modelle aus. Auch Elektro und Hybrid ist ein Thema. Geklonte Westmodelle gibt es zwar immer noch, doch es gibt zunehmend auch eigene Kreationen.

"Electric Drive" (elektrischer Antrieb) steht dick und fett auf dem weien Lack des Lifan 320 EV. Doch das ist glatt gelogen: Innen sieht man einen Schalthebel, durch den Grill blitzt ein Khler. Nur der Auspuff der MINI-Kopie wurde zur Tarnung abgeschraubt. Genaues Hinschauen lohnt sich auf der Messe "Auto Guangzhou": Denn wo Elektro draufsteht, ist noch lange nicht Elektro drin. Viele der China-Hersteller tun zwar so, als ob sie Stromfahrzeuge im Angebot htten. Doch bis zur Serienreife ist es noch ein langer Benzin-Marsch. BYD will den Elektrovan E6 "frhestens 2011" in China verkaufen, wie Firmenvorstand Wang Jian Jun sagt. "Noch sind die Spritautos wichtig, um etwas zu verdienen." Auch die Limousine F3DM braucht noch Entwicklungszeit und -geld: Erst im Frhjahr soll der milde Hybrid auf den Markt kommen. Zwar gibt es vereinzelt schon Exemplare dieses Modells auf Chinas Straen, doch die befinden sich berwiegend im Besitz von Behrden. Ein Branchenkenner mutmat: "Die Technik funktioniert noch nicht."

China will 500.000 ko-Autos bis 2012 zulassen

Na, man wird ja mal eine Ausnahme machen dürfen: Lifan hat den Mini geklont, noch dazu als Elektroauto, was natürlich geflunkert ist.

Dennoch hat Chinas Regierung der Industrie ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben. Bis 2012 sollen "eine halbe Million ko-Autos auf den Straen sein", wie Wang Xia, Prsident des chinesischen Herstellerverbandes erklrt. Angesichts von mehr als zwlf Millionen Neuzulassungen im Jahr 2009 ist das zwar nur ein Tropfen auf den heien Stein, aber immerhin ein Anfang. "Elektroautos werden die Zukunft sein", prophezeit der Funktionr und sieht noch einen anderen Trend: "Die Zeit der Copyrightprozesse ist vorbei. Die Industrie hat begriffen, dass Nachmachen das Image schdigt. Und Chinesen wollen am liebsten das Original", sagt er. Auf der Messe ist das deutlich zu sehen. Kein Copyshop mehr, sondern eine Schau eigener Entwrfe.

Brilliance zeigt den kompakten Cross fr 8000 Euro

Was ist ein Roewe? Das ist ein Rover nach erfolgter China-Transformation. Hier die Mittelklasse-Studie N1.

Besturn hie frher Red Flag und montierte Maos Staatskarossen, spter eine Kopie des Audi 100. In Guangzhou zeigen Maos Enkel die optisch innen und auen gelungenen Limousinen B50 und B70. Preis: ab rund 10.000 Euro. Brilliance zeigt wie schon auf der Messe in Shanghai (April 2009) den Cross, einen auf SUV getrimmten Kompaktwagen fr schlappe 8000 Euro. Ebenfalls gelungen: Der Rover-Nachkomme Roewe 550 und so ziemlich alles, was MG auf die Rder stellt. Auch die Ober-Kopierer haben es mittlerweile kapiert: Geely hat die Rolls-Royce-Kopie GE zu Hause gelassen und verkauft unter dem neuen Label Emgrand gefllige Kompakte in Golf-Gre.

Der Markt wchst schnell

Ganz so weit ist Great Wall Motors (GWM) noch nicht: Die Kopien von Fiat Panda, Daihatsu Materia und Toyota Yaris bleiben im Programm, gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren vermehrt eigene Kreationen auf die GWM-Messestnde gerollt. Doch die kommen fast alle nicht nach Europa in China lsst sich mehr verdienen. Noch. "Wir glauben, dass unser schnell wachsender Heimatmarkt zunchst am wichtigsten ist. Jedes Jahr wchst er um zehn Prozent. Wenn die Qualitt stimmt, kann man zunchst in Entwicklungs- und Schwellenlnder und erst dann nach Europa gehen", sagt Wang Xia vom Herstellerverband.

Nur sechs Prozent aller Chinesen haben ein eigenes Auto

Allerdings sagt der Wandel zu mehr Eigenstndigkeit und Geschmack noch nichts ber Langzeitqualitt und Sicherheit aus. Zuverlssige Crashtests gibt es noch nicht, ein Gebrauchtwagenmarkt ist ebenfalls nicht vorhanden. 80 Prozent der Chinesen kaufen Neuwagen, von 1000 Einwohnern haben nur 60 ein eigenes Auto. "Das ist der am strksten wachsende Automarkt der Welt", sagt Alexandre Guirao, Sprecher von Citroen China. Mit anderen Worten: Der schlafende Riese ist gerade erst erwacht.

Hat die chinesische Klonerei endlich ein Ende? Klicken Sie sich durch die Bildergalerie und schreiben Sie einen Kommentar, wenn Sie doch noch europisches Design durchschimmern sehen!

Autor: Claudius Maintz

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