Messerundgänge IAA 2009

Messerundgänge IAA 2009

— 22.09.2009

Die Tops & Flops der Redaktion

Die IAA 2009 ist als Folge der Krise zwar etwas kleiner als bisher, aber noch immer so groß, dass Besucher leicht die Orientierung verlieren können. AUTO BILD zeigt Schnellstraßen und Irrwege der IAA.

Der Öko-Pfad ist die Mode-Strecke dieser IAA. Wer ihn geht, kommt an jedem Hersteller vorbei. Dazu braucht man einen körpereigenen Akku mit einer Reichweite von etwa zwei Kilometern bei einem Durchschnittstempo von 500 Metern pro Stunde. Aufgeladen werden kann an jeder herkömmlichen Imbissbude oder im Relax-Bereich in Halle 4. Aber Achtung! Auf dem Öko-Pfad liegen auch ganz schön viele Feigenblätter in Form von Elektro- und Sparmodellen, die Schnellschüsse sind. Nach dem Motto: Jetzt bloß mitschwimmen im Strom der Stromautos. Doch die IAA soll auch das Sparpotenzial von Verbrennungsmotoren aufzeigen. Das führt zu einer Show der großen Aufkleber: Verbrauch und CO2-Ausstoß werden riesengroß aufs Blech geschrieben. Nach dem Motto: Wer bietet weniger? Eine Woche vor der Wahl haben die Grünen auf der IAA die absolute Mehrheit.

Die Straße der Boliden: der PS-Ring der IAA 2009

Öko, Elektro und Hybrid – die IAA ist voll davon. Schön und gut und bestimmt auch ganz nützlich. Doch, liebe PS-Freunde, keine Sorge, die in Frankfurt versammelte Autoindustrie hat die Lust an der Leistung noch lange nicht verloren. Auf dem PS-Ring herrscht jede Menge Betrieb. Die erste Startreihe besetzen der neue Porsche 911 Turbo und der bildschöne Mercedes SLS AMG. Der Golf R mit 270-PS-TSI ist der stärkste Serien-Golf aller Zeiten, in einer ganz anderen Liga spielen Bentley und Rolls-Royce. Die beiden feinen Briten lassen mit jeweils über 500 PS bestimmt nichts anbrennen und bieten dazu noch jede Menge Luxus. Komplett durchgedreht, aber höllisch heiß: Lamborghini schneidet den Reventón auf.

Die Alltags-Straße der IAA 2009

Auto der Superlative: Lamborghini Reventón Roadster. 1,1 Millionen Euro teuer, 330 km/h schnell, 670 PS stark.

Die wahren Helden der IAA brauchen weder 1000 PS noch abgedrehte Designer-Karosserien, kommen ohne schrille Showeffekte aus. Nein, was die Massen auf dieser IAA wirklich bewegt, spielt sich eher unspaktakulär im wichtigen Dreieck zwischen Platz, Praxistauglichkeit und Preis ab. Wer sich dort am überzeugendsten platziert, wird später auch im Straßenbild eine wichtige Rolle spielen. Als Hauptdarsteller bewirbt sich der neue Opel Astra, der sich mit seiner flotten Form frech in den Vordergrund schiebt. Daneben lässt uns zum Beispiel auch der Kia Venga als pfiffiger Mini-Van aufhorchen. Ganz ehrlich: Einen knackigeren Koreaner habe ich bisher noch nicht gesehen. Und da sage noch einer, der Alltag wäre grau und trübe.

Die Design-Allee der IAA 2009

Willkommen auf der Straße des guten Geschmacks: Hier führt AUTO BILD über die Design-Allee – so nennen wir die Reihe bildschöner Neuheiten, die auf der IAA um die Wette strahlen. Denn so viel steht fest: Allen Spar- und Öko-Tendenzen zum Trotz gehört gutes Aussehen unverändert zu den wichtigsten Verführungskünsten der Autos. Dass Italiener wie Maserati oder Ferrari bestens eingekleidet erscheinen, überrascht weniger als die Formen-Vielfalt bei Studien: So zeigt der Peugeot BB1, dass ein 2,50-Meter-Auto ganz anders aussehen kann als ein Smart. Und der Aston Martin Rapide übertrifft den Porsche Panamera schon im Stand an Eleganz. Alles selbstverständlich subjektive Urteile, die unsere Leser entlang der Design-Allee ablehnen oder bejahen können. Schließlich entscheidet das Auge.

Der Holz-Weg der IAA 2009

Der VW L1 ist sicher nicht die Zukunft des Autos, da nicht alltagstauglich und realitätsfern.

Wer sich auf den Holzweg begibt, muss damit rechnen, einzubrechen. Der schmale Steg zwischen "kann man machen" und "geht gar nicht" ist nicht immer tragfähig. Das erlebt in diesen Tagen nicht nur Brabus, dessen Anabolika-Rakete EV12 den Zuschauern manch Splitter ins Herz treibt: ein faszinierendes Stück Unsinn. So was steht auch bei VW rum. Die Elektro-Zigarre L1 zeigt tolle Ingenieur-Kunst, leider fernab jeglichen Realitätssinns. Mit einem serienfertigen VW-Hybriden könnten wir deutlich mehr anfangen.

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Tomas Hirschberger

Tomas Hirschberger

Fazit

Das Auto, dein Umweltfreund? So weit sind wir noch nicht. Doch die IAA zeigt: Ökologie und Faszination müssen einander nicht ausschließen. Die Autohersteller sind auf dem richtigen Weg, auch wenn sie gerade erst begonnen haben, das Steuer rumzureißen. Aufkleber der grünen Art mit Hinweisen auf ein paar Gramm CO2-Ersparnis überzeugen nicht. Am Ende ist die erste grüne IAA die Schau der Stars wie dem Überflieger Mercedes SLS. Ihn gibt es schon in wenigen Monaten, während wir auf den dauerangekündigten VW-Mini up noch Jahre warten müssen. Warum so was nicht schneller geht, bleibt das Geheimnis dieser IAA.

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