MG Rover muss Sanierungsplan strecken

MG Rover muss Sanierungsplan strecken

— 15.07.2002

Weiter rote Zahlen in Longbridge

Der britische Autobauer erwartet für 2002 keine Ertragswende. Firmenchef Howe bleibt aber zuversichtlich – trotz rückläufiger Zahlen.

Nach Spekulationen um eine neue Krise beim britischen Autobauer MG Rover hat Firmenchef Kevin Howe eingestanden, dass der auf fünf Jahre angelegte Sanierungsplan gestreckt werden muss. Der Geschäftsführer räumte bei der Bilanzvorlage 2001 ein, dass die im laufenden Jahr angepeilte Ertragswende nicht gelingen werde: "Im Lichte des Verkaufsresultats 2001 haben wir unsere Prognose für 2002 revidiert." So konnten zuletzt nur 170.000 statt 180.000 Autos verkauft werden. Insbesondere der hohe Wechselkurs des britischen Pfunds drückt die Margen des Autobauers in Longbridge bei Birmingham. Der Jahresverlust der Muttergesellschaft Phoenix Venture Holdings Group betrug 2001 vor Steuern und Firmenwert-Abschreibungen 187 Millionen Pfund (300 Mio. Euro). Das waren allerdings 65 Millionen weniger als in den acht Monaten des Rumpfgeschäftsjahres 2000.

Anfang 2000 hatte der BMW-Konzern genug vom englischen Patienten - bei einem Tagesverlust von zwei Mio. Pfund (3,5 Mio. Euro). Rover und MG gingen für zehn Pfund an vier Investoren. Zum Abschied hinterließen die Bayern aber rund 800 Mio. Euro - pro forma als zinsfreies Darlehen für 50 Jahre. MG Rover hat es trotzdem schwer gegen die großen Anbieter wie VW, Fiat oder Renault, gilt doch in der Branche die Regel: Wer überleben will, muss sich entweder auf eine Nische konzentrieren oder aber zumindest pro Modell 200.000 Stück jährlich verkaufen.

Diese Zahl will auch Howe erreichen - allerdings statt mit einem einzigen Modell mit allen neun MG-Rover-Produkten zusammen. Der Firmenchef glaubt an den Erfolg: "MG Rover hat in der Autobranche einen völlig neuen Weg eingeschlagen." Der Unterschied zwischen den Plattformen sei gering, der Kostenvorteil hoch und die Fertigung beispiellos flexibel: Alle Modelle werden in nur einem Werk auf drei Bändern gefertigt. Die neuen Anlagen verdankt der Autobauer seiner Ex-Mutter. BMW hatte in die englische Tochter letztlich fast acht Milliarden Mark investiert; ein wesentlicher Teil davon floss in das neue Modell Rover 75 und die Renovierung der teils maroden Fertigung.

"Wir müssen zurzeit kaum investieren", so Howe. Das ist aber für Branchenexperten wie Daniel T. Jones von der Universität Cardiff kein Dauerzustand. Die Entwicklung eines neuen Modells koste eine Milliarde Pfund: "MG Rover hat nur ein Drittel davon." Der Professor für Industrie-Management sieht zudem eine "enorme Last" bei den Zulieferkosten. "Sie dürften wegen der geringen Abnahme doppelt so hoch liegen wie bei VW", meint Jones. Ohne einen großen Partner sei dieses Problem nicht zu lösen.

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