Michael Schumacher

Kein Titeljäger, sondern Autosammler

Michael Schumacher

— 30.07.2002

Kein Titeljäger, sondern Autosammler

Der Formel-1-Weltmeister erweitert nach dem Sieg in Hockenheim seine Rennwagen-Kollektion und betreibt Imagepflege.

Der Spleen eines Formel-1-Weltmeisters

Den Rückschlag hatte Norbert Haug schnell verdaut. Der Mercedes-Sportchef feierte mit Michael Schumacher, dessen Freunden und der Familie des Rekordweltmeisters in einem Hotel im badischen Walldorf bis spät in die Nacht. Ausgerechnet vor der Mercedes-Tribüne hatten die Silberpfeile eine ganz bittere Niederlage kassiert: Kurz vor Schluss überrundete Schumacher im Ferrari souverän den McLaren-Mercedes-Piloten David Coulthard.

Man hat sich an die Schmach gewöhnt. Fast scheint es dem 33-jährigen Champion peinlich zu sein. So sammelte er bei den Schumacher-Festspielen Sympathiepunkte. Schon am Samstagabend (27.7.) lud er enge Freunde ins Ferrari-Motorhome und nahm sich über eine Stunde für sie Zeit. Während des Warm-ups am Sonntagmorgen trieb er Schabernack mit der neuen ferngesteuerten High-Tech-Kamera eines Fernsehsenders, die wie beim Skifliegen auf einer Schiene das Motiv verfolgt. Auf der Strecke passte er erst gekonnt das Tempo seines Ferrari an die Geschwindigkeit der Kamera an, um dann abrupt abzubremsen und die Kamera ins Leere laufen zu lassen. "Das hat Spaß gemacht", sagte er und grinste. Mit dem Baumeister des umgestalteten Hockenreimrings, Hermann Tilke, wagte er eine freche Wette. Sein Auto bekomme mehr Grip, wenn er die Curbs überquere, die rot-weiße Fahrbahnbegrenzung; einen Nachweis, den er schuldig blieb, weil er sich keinen groben Fahrfehler erlaubte.

Nach dem 62. Grand-Prix-Sieg konnte Schumacher in Erinnerungen schwelgen. Der Fernsehsender RTL organisierte für den Weltmeister, dem er die prächtigen Einschaltquoten der vergangenen Jahre zu verdanken hat, einen nostalgischen Trip in die Vergangenheit. Das nicht ganz so handliche Geschenk, das Ex-Moderator und Ex-Rennfahrer Willy Knupp überreichte: ein gelb-blauer VW-Reynard, mit dem Schumacher 1989 Dritter hinter Karl Wendlinger und Heinz-Harald Frentzen in der Formel-3-Meisterschaft geworden war. Schumacher hat einen merkwürdigen Spleen. Wie andere Schmetterlinge sammeln, klaubt er jene Wagen zusammen, die er in seiner Karriere benutzt hat, und stellt sie in seinem Museum in Kerpen aus. "Ihr seid ja verrückt, schon im letzten Jahr habt ihr mich mit meinem alten Ford überrascht", sagte Schumacher und bedankte sich bei Knupp.

Schumi würgte den Wagen prompt ab

Bekannte und ehemalige Piloten sind Schumacher bei seiner Leidenschaft zu Diensten. Den alten Formel Ford machten sein Freund Heribert Füngeling und Förderer Willi Bergmeister, bei dem Schumacher eine Kfz-Lehre absolviert hatte, ausfindig. Und zwar in der verrotteten Scheune eines österreichischen Rennfahrers. Um den Preis für das ausrangierte Modell nicht unnötig in die Höhe zu treiben, verhandelte Füngeling inkognito. Bergmeister machte das Premieren-Auto wieder flott. 1988 war Schumacher in der Formel Ford auf Anhieb Meister geworden.

Der VW-Renner des Rennstalls WTS von Willi Weber, der heute sein Manager ist, wurde nun originalgetreu restauriert. "Ich verbinde mit dem Auto meinen Einstieg in die Formel 1", so Schumacher wehmütig. "Ich habe an den Teilen noch selber mitgeschraubt." Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis er lernte, mit dem Volkswagen anzufahren. Die Kupplung, die es anders als im Formel-1-Auto zu treten gilt, ist nach wie vor tückisch: Bei der Probefahrt würgte Michael Schumacher den Wagen prompt ab.

Zahlreiche Prunkstücke umfasst Michael Schumachers Fuhrpark in der Zwischenzeit: Er besitzt seine Wagen aus Formel-3-Zeiten, aus der Formel-3000-Meisterschaft von 1991, die Benetton-Boliden von 1991 bis 1995 und alle sechs eingemotteten Ferrari-Modelle seit 1996. Ein Fahrzeug fehlt in der erlesenen Kollektion: "Ja, es gibt da noch eins, aber davon möchte ich jetzt nicht reden. Das wäre unverschämt." Vermutlich handelt es sich um den Jordan, mit dem er seinen Grand-Prix-Auftakt in Belgien bestritten hatte. Sein Freund Franz Tost, der jetzt als BMW-Rennleiter tätig ist, hatte den grünen Boliden mit dem Ford-Motor vor Jahren in Japan entdeckt. Bemühungen um einen Kauf und die Überführung sind bislang allerdings gescheitert.

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