Michael-Schumacher-Biografie

Die Michael-Schumacher-Biografie Die Michael-Schumacher-Biografie

Michael-Schumacher-Biografie

— 24.11.2006

"Warum ich gehen musste"

Lesen Sie einen exklusiven Vorabdruck aus Schumis Biografie: "Die offizielle und autorisierte Insider-Story zum Karriereende" stammt von Sabine Kehm, seiner Sprecherin und Ex-WELT-Redakteurin.

Es gibt eine Reihe von Büchern über Michael Schumacher zum Ende seiner Formel-1-Karriere, aber nur einen vom Rekordweltmeister autorisierten Band. Das Werk trägt den schlichten Titel "Schumacher" und soll ein emotionaler Rückblick sein und "kein chronologischer", schreibt Schumacher im Vorwort. Sabine Kehm, seine langjährige Pressesprecherin und ehemalige Redakteurin der WELT und der Süddeutschen Zeitung, blickt darin hinter die Fassade. Hier ein Auszug aus dem Buch, das am 24. November 2006 erscheint.

Rekordweltmeister gratuliert Doppel-Weltmeister: 2005 und 2006 holte Fernando Alonso den Titel.

2005 war ein Jahr zum Abhaken. Selten fiel eine Saisonbilanz so ernüchternd und prägnant aus wie die des abgelösten Weltmeisters: "Imola war Highlight und Hoffnung, dass Dinge sich noch ändern. Der Tiefpunkt war die Türkei. Auch schlimm: Malaysia und Monza. In Ungarn gab es den kleinen Hoffnungsschimmer, dass doch noch etwas gehen könnte, danach war klar, das ist vorbei. Zu 70, 80 Prozent lag das Abschneiden an den Reifen. Überrascht war ich nicht, es war mir schon klar während der Wintertests: Da lagen wir nicht, wie 2004, eine, sondern zwei Sekunden zurück." Dass Schumacher und Ferrari in den beiden WM-Wertungen jeweils Dritter wurden, hatten sie weitgehend der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz zu verdanken.

"Ich glaube, das war sogar ganz gut, dass es so extrem war ... so wurden neue Ressourcen geweckt."

War 2005 ein Jahr zum Abhaken? Ganz sicher nicht, sagt Michael mit dem zeitlichen Abstand – im Gegenteil. Nur dadurch wurden Ressourcen bei uns geweckt von denen wir dachten, wir hätten sie ausgeschöpft – und die Resultate hat man ja 2006 gesehen. Wenn wir 2005 nicht so weit weg gewesen wären von der Spitze, sondern häufiger mal Zweiter oder so geworden wären, hätten wir wahrscheinlich gedacht: Na ja, ist ja logisch, es kann ja nicht immer perfekt laufen, ist halt schwierig mit den Reifen, nächstes Jahr wird's sicher besser.

So aber herrschte schon eine sehr extreme Stimmung bei uns, das sieht man ja daran, wie sehr sich jeder reingekniet hat in die Arbeit für die neue Saison. Da war jeder extrem motiviert, weil er von dem Jahr davor so angenervt war und so unzufrieden mit seiner eigenen Arbeit, da musstest du gar nicht groß ,Hallo, wach!' rufen."

2006: Schumacher und das ganze Ferrari-Team wollen es nach dem Debakel 2005 noch einmal wissen.

Wieder einmal liefen Michaels Befindlichkeit und die seines Teams im Gleichklang. Denn auch sich selbst musste er nicht wachrütteln. Ihn beschäftigte die gleiche Erkenntnis wie seine Ingenieure: dass sie sich an die eigene Nase fassen mussten, um die Tendenz vielleicht doch noch aufhalten zu können. Ferrari, dieser Wunsch war ihnen allein gemeinsam, sollte nicht abstürzen wie so viele Mannschaften vor ihnen. Und wie heißt doch die alte Volksweisheit? Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

"Hab ein bisschen geschludert dieses Jahr"

"Der ewige Champion": 100 Seiten, 500 Fotos, alle wichtigen Momente. Im Zeitschriftenhandel für 4,90 Euro.

Was Michael da über sich selbst erkannte, war neu, und es gefiel ihm nicht sonderlich. "In diesem Jahr habe ich schon auch ein bisschen geschludert", sagt er heute. "Das war nicht ich in gewissen Momenten. Von wegen: Hast eh keine Chance, bist noch nicht mal mehr in den Punkten, macht keinen Unterschied, ob du alles aus dir rausholst oder nicht. Und dann holst du eben nicht mehr alles aus dir raus. Das waren Dinge, die mich an mir gestört haben. Zwar glaube ich durchaus, dass jeder irgendwann mal einen Schlendrian hat. Trotzdem: Ich habe mich darüber geärgert. Zugleich war ich mir aber bewusst darüber, dass – egal, was ich gemacht hätte – es nichts geändert hätte. Ich hätte nichts verschlechtert. Beim Rennen selbst hat man das nicht so gemerkt, da bist du motiviert, da kannst du alle deine Energien abrufen, da fährst du zu 100 Prozent, da reicht auch die Fitness noch. Aber in einem Moment, wo es vielleicht eng geworden wäre und wir was hätten holen können, hätte ich vielleicht nicht genügend Reserven gehabt. Okay, wir kamen erst gar nicht in diese Situation. Dennoch, das sind Dinge, von denen ich nicht wollte, dass sie mir passieren." (...)

Schumi dreht 2006 noch einmal auf, kämpft verbissen und siegt unter anderem beim GP von China.

Die Leute fingen wieder an, ihn zu beobachten: Zeigt er Abnutzungserscheinungen? Motivationsschwächen? Spürt er sein Alter? Es hieß, er habe den Zeitpunkt verpasst, in Würde abzutreten. Doch dies war sicherlich nicht der richtige Zeitpunkt für Michael. "Das war schon eine harte Zeit, klar, vor allem, wenn man so erfolgsverwöhnt ist wie ich es war. Aber ich hatte noch viel zu viel Energie, um da jetzt hinzuschmeißen. Außerdem bin ich jemand, bei dem immer, wenn es hart wird, dieses kämpferische Jetzt-erst-recht-Gefühl durchkommt. Ich wäre sehr ungern in einer Situation gegangen, wo die Dinge schlecht liefen. Ich hätte es als absolut unpassend empfunden aufzuhören. Aber vor allem hatte ich noch viel zu viel Spaß an der ganzen Fahrerei. (...) Entscheidend ist doch, dass mir immer klar war, irgendwann ziehe ich mich zurück und finde andere Dinge, die mir Spaß machen. Ich war nie der Meinung, dass ich der Beste und unschlagbar bin. Wie ich das anstellen werde, wie das auf mich wirken wird, keine Ahnung. Aber ich habe keine Angst davor - im Gegenteil. Es gibt so vieles, was ich erleben kann.

"Irgendwann drehst du dich im Kreis"

Als ich in die Formel-1 kam, mit 22 Jahren, war ich schon relativ weit für mein Alter, weil ich viele Dinge im Schnelldurchgang erlebt und mich mit vielen Dingen beschäftigt hatte, um auf die große, weite Welt vorbereitet zu sein. Da war ich anderen Gleichaltrigen weit voraus. Nur, irgendwann drehst du dich sprichwörtlich im Kreis. Denn die Dinge, die ich erlebe, bleiben die gleichen, und die anderen Jungs erweitern im Normalfall ihr Spektrum. Dann bewegst du dich in einer vermeintlich großen Welt, die in Wirklichkeit sehr klein ist, und verpasst dadurch sehr vieles.

Rekordweltmeister: Siebenmal holte Schumi den Titel, ging 2006 in Rente. Doch was kommt jetzt?

Das kann ich jetzt nachholen. Das fängt bei Kleinigkeiten an: ein ganz normales Wochenende mit der Familie zu haben, einfach zu Hause zu sein, wenn die Kiddies Zeit haben, in den Ferien zum Beispiel, oder gemeinsam Urlaub zu machen. Bisher war ich ja meistens unterwegs. Mit ihnen Sachen zu unternehmen, ohne dass ich noch an anderes denken muss. Alles Dinge, die ich jetzt neu erleben werde. Das wird langfristig nicht das sein, was mich auslastet, schon klar, aber ich verspüre einen Nachholbedarf an Dingen, die ich nicht so ausleben konnte. Ich werde mir schon etwas suchen, das mir Spaß machen wird. Ich bin viel zu Energie geladen, als dass ich vor mich hinsiechen werde. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, wo ich mir etwas suchen werde, was mich auslastet. (...)

Lustig bis laut: Bücher über Schumi

"Michael Schumacher. Die offizielle und autorisierte Insider-Story zum Karriereende" von Michael Schumacher in Zusammenarbeit mit Sabine Kehm, Fotos von Michel Comte, 240 Seiten, 24,90 Euro, Süddeutsche Zeitung Edition.

"Mensch Schumi" besticht durch die Hochglanzbilder der Motorsportfotografen Ferdi und Bodo Kräling – auch mit Champagnerdusche. 148 Seiten, 19,90 Euro, Delius Klasing Verlag.

"König Schumi" von Helmut Uhl bringt fast vergessene Anekdoten zu Tage. Bei den Schumachers war einst das Geld knapp, Michael hatte nur drei Hosen im Schrank. Mit Statistikteil. 208 Seiten, 9,95 Euro, Weltbild Verlag.

In "Michael Schumacher. Eine Karriere geht zu Ende" wirft Karin Sturm einen Blick auf die unbequeme Seite des Piloten, der sich Fehden mit Kollegen lieferte. 177 Seiten, 19,90 Euro, Herbig Verlag.

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