Michael Schumacher im Interview

Michael Schumacher im Interview

— 22.07.2002

"Schlimmsten Runden meiner Karriere"

Der Formel-1-Weltmeister über die Liebe zu seinem Team, die Tränen nach dem Sieg und den Appetit auf den sechsten Titel.

Zum fünften Male wurde Michael Schumacher Formel-1-Weltmeister. Das erreichte vor ihm nur der Argentinier Juan Manuel Fangio. Doch mit dem möchte der Deutsche nicht verglichen werden. Denn "was Fangio geleistet hat, ist nicht vergleichbar mit dem, was wir heute tun".

Was empfinden Sie nach dem fünften Titelgewinn? Mit der Zeit kennt man mich ja und weiß, dass es mir in solchen Momenten immer schwer fällt, die richtigen Worte zu finden. Danke oder andere Worte sind wohl ziemlich unpassend. Was wir alles zusammen erreicht haben in all den Jahren und speziell in diesem Jahr, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Die Freundschaft, die Liebe, die vorhanden ist. Die Bereitschaft, ständig 100 Prozent zu geben, bei jedem in der Fabrik. So etwas habe ich zuvor noch nie kennen gelernt.

Wie verlief der Grand Prix aus Ihrer Sicht? Ich sah Rubens Barrichello beim Vorstart stehen bleiben, und wir waren etwas schneller als Montoya. Aber dann kam mein Fehler mit dem Überfahren der weißen Linie nach der Boxengasse. Ich weiß nicht genau, um wie viel, aber das können höchstens Zentimeter gewesen sein. Da schien alles gelaufen zu sein und ich dachte: vorbei ist vorbei. Es war so ein ereignisreiches Rennen.

Was dachten Sie, als Kimi Räikkönen plötzlich auf Öl auf der Strecke ausrutschte? Kimi fuhr an der Spitze so toll. Ich dachte nicht mehr daran, ihn überholen zu können, es sei denn, er würde einen Fehler machen oder durch Hinterbänkler aufgehalten werden. Ich glaube, er hat das Öl nicht gesehen. Ich war gewarnt, als ich sein Problem sah, das war meine Chance. Dann war ich plötzlich vorbei. Da fiel mir der Titel praktisch in die Tasche.

Was ging Ihnen danach durch den Kopf? Ich hatte das ganze Wochenende keinen Druck verspürt. Als ich dann vorne lag, spürte ich plötzlich den ganzen Druck auf meinen Schultern. Es waren die schlimmsten fünf Runden meiner Karriere. Ich bin so glücklich, dass wir das zusammen erreicht haben. Ferrari ist so ein tolles Team. Man kann die Leute dort nur lieben und bewundern. Es ist so schön, ein Teil dieses Teams zu sein. Ich kann nur danke sagen an Präsident Luca di Montezemolo, Jean Todt, Ross Brawn und all die anderen. Ihr seid alle fantastisch. Ich liebe euch alle, Jungs. Dankeschön ist ein viel zu kleines Wort für alles.

Haben Sie nach der Zieldurchfahrt geweint? Ich war sehr bewegt und aufgewühlt. Ja.

Was bedeutet es Ihnen, Juan Manuel Fangios Rekord von fünf WM-Titeln eingestellt zu haben? Was Fangio geleistet hat, ist nicht vergleichbar mit dem, was wir heute tun. Es war eine völlig andere Zeit unter völlig anderen Bedingungen. Ich freue mich nur darüber, es erreicht zu haben.

Haben Sie jetzt Appetit auf den sechsten Titel? Ja, aber nicht aus dem Grund, wie Sie denken. Ich fahre einfach gerne und will so viele gute Rennen wie möglich liefern. Wir sind in einer so guten Verfassung, dass wir es nochmals schaffen können.

Alle Informationen zur Formel 1 finden Sie hier.

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