MICHELIN Motorsport

Michelin Motorsport

— 05.09.2014

Vom Labor auf die Rallyepiste

Drei neue Gummis hat Michelin für seine Partnerteams in der Rallye-WM entwickelt. Technik-Direktor Nicolas Goubert erklärt, wie die Reifen entworfen, gebacken und getestet wurden.

Regennasse Asphaltstrecken, grobe Schotterpisten und eisige Schneerouten – VW-Pilot Sébastien Ogier (30) und seine Kollegen in der Rallye-WM geben auf jedem Terrain Vollgas. Eine Herausforderung ist das vor allem für ihre Reifen, die mit allen Bedingungen fertig werden müssen. Keine leichte Aufgabe. Daher herrscht in den Entwicklungslaboren von Michelin auch niemals Stillstand.

Drei Modelle für die Rallye-WM

Neue Generation von Michelin-Reifen: Der Pilot Sport FW (Full Wet, li.), der Pilot Sport und der LTX Force.

Erst vor einigen Wochen begannen die Franzosen damit, die neueste Reifen-Generation in den Wettbewerb einzuführen. Seit der Rallye Finnland können die Partnerteams Volkswagen, Citroën, Hyundai und Ford M-Sport einen neuen Schotter-Pneu einsetzen. Bei der Rallye Deutschland stand nun erstmals der sogenannte Sicherheitsreifen für besonders nasse Straßen zur Auswahl. Zu guter Letzt folgt in Frankreich (3. bis 5. Oktober) die Premiere des neuen Asphaltreifens. In Zukunft müssen diese drei Modelle nun die harten Strapazen der Rallye-Weltmeisterschaft aushalten. Doch wie entwickelt man eigentlich solche Reifen, die derart extremen Verhältnissen trotzen müssen?

Die Reise beginnt mit dem Ziel

Dahinter steckt ein langer Prozess. Nicolas Goubert, technischer Direktor der Michelin Motorsportabteilung verrät: "Am Asphaltreifen haben wir rund zwei Jahre gearbeitet." Die Reise beginnt mit dem Ziel. Was etwas verwirrend klingt, ist laut Goubert tatsächlich der erste Schritt in jedem Entwicklungsprozess bei Michelin. "Du musst zuerst wissen, wie dein Endprodukt aussehen soll", zeigt der Reifen-Experte auf. "Beim neuen Gummi für Asphalt-Rallyes sollten wir zum Beispiel die Performance bei extremer Nässe verbessern. Gleichzeitig mussten wir die Leistungsfähigkeit im Trockenen konstant halten und die Lebensdauer erhöhen." Anforderungen wie diese erhält die Michelin-Mannschaft aus mehreren Lagern. Sie kommen sowohl aus den eigenen Reihen, als auch von Fahrern und Teams sowie dem Automobilweltverband FIA. Nachdem das gesamte Anforderungsprofil fixiert ist, folgt als nächster Schritt das Designen des virtuellen Pneus am Computer. Dort kreieren die Entwickler Reifenprofil, Gummimischung und die Konstruktion. Anschließend stimmen sie alles aufeinander ab. "Beim neuen Asphaltreifen war es so, dass wir das Profil verändert haben, um ihn bei starkem Regen leistungsfähiger zu machen. Für die längere Lebensdauer haben wir die Mischung und den Aufbau verändert", erklärt Goubert. Steht das Computer-Modell, beginnen die Techniker mit der Fertigung, dem sogenannten Backen des ersten "echten" Prototyps. Direkt im Anschluss kommt dieser in eine Testanlage.

Prüfung auf Herz und Nieren

Wie hier in Finnalnd müssen die WM-Reifen die Belastungen auf steinigen Schotterpisten aushalten.

Nun beginnen die Strapazen für das Gummi. In verschiedenen Test-Simulationen prüfen die Techniker das neue Produkt auf Herz und Nieren. Stimmen die Ergebnisse mit den vorher berechneten Resultaten vom Computer-Entwurf überein, backen die Reifenkenner weitere Prototypen für die nächste Härteprüfung: den Test auf der Rallyepiste. Diesen Job übernimmt ein eigenes Testteam. Zehn Michelin-Techniker und Fahrer sind hauptberuflich damit beschäftigt, die Rallye-Pneus zu testen. Dafür reisen sie mitsamt einem Rallye-Auto in WM-Spezifikation durch die ganze Welt. "Wir arbeiten wie ein Werksteam und machen überall da Station, wo wir Strecken finden, die denen der einzelnen Rallyes ähneln. Wir fliegen beispielsweise extra nach Finnland, um vor Ort auf diesen speziellen Strecken zu fahren", erläutert Nicolas Goubert. Sind der Technik-Direktor und seine Kollegen mit den Messergebnissen der eigenen Prüffahrten zufrieden, dürfen die Kollegen von VW, Citroën, Hyundai und Ford M-Sport ran. Sie testen die neuen Reifen nun erstmals auf den Einsatzautos, auf denen sie später in der Meisterschaft funktionieren müssen. "Der Weg vom ersten Test auf der Straße bis zum Wettbewerbsdebüt ist der langwierigste Prozess", teilt Goubert seine Erfahrungen mit. Bisher haben er und seine Truppe es aber jedes Mal geschafft. Seit mehreren Jahrzehnten trotzen ihre Gummis in der Rallye-WM jedem Terrain.

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