Micra 1.4, Fiesta 1.6 16V und Punto 1.4 16V

Nissan Micra 1.4 gegen Ford Fiesta 1.6 16V und Fiat Punto 1.4 16V Nissan Micra 1.4 gegen Ford Fiesta 1.6 16V und Fiat Punto 1.4 16V

Micra 1.4, Fiesta 1.6 16V und Punto 1.4 16V

— 07.08.2003

Die Kraft-Zwerge

Klein, aber kräftig: Die Fliegengewichte Nissan Micra, Ford Fiesta und Fiat Punto proben den Zwergenaufstand. Reicht's für wahre Größe?

Motto: Klein, aber fein

Wahre Größe misst sich bekanntlich nicht in Zentimetern. Kaiser Napoleon brachte es auf kümmerliche 1,55 Meter Länge und war trotzdem Frankreichs größter Feldherr. Und einer dieser winzigen modernen Computerchips speichert wahrscheinlich mehr Infos, als unser Gedächtnis je behalten könnte. Schon meine Oma hatte für diese und andere Fälle immer die Faustregel zur Hand: "Klein, aber fein, Unkraut schießt in die Höhe." Ein Plädoyer für alle Kleinen.

Auch für Kleinwagen wie den Nissan Micra, 3,72 Meter kurz, den Fiat Punto (3,84 m) und den Ford Fiesta (3,92 m). Und vergessen wir bei der Gelegenheit gleich mal alle Vorurteile à la "Klein heißt klapprig". Auch "Der war wohl günstig" bedeutet längst nicht mehr automatisch: "Der sieht aber billig aus."

Ganz im Gegenteil: Der schnuckelige Nissan Micra zum Beispiel braucht nur mit seinen Wimpern zu klimpern – und schon hoffe ich, dass er auch in meine Garage fährt. Er ist mein bester Freund. Aber noch viel mehr als das: eine geräumige, variable Einkaufstüte mit stattlichen 982 Litern maximalem Kofferraumvolumen – dank der verschiebbaren und umklappbaren Rückbank.

Souveräner Micra gefällt

Und ein abgeklärter Manager ist der Micra auch. Sein Bordcomputer erinnert an Geburtstage der Eltern oder Enkel, speichert – wenn vorhanden – sogar den Hochzeitstag in seinem elektronischen Gedächtnis. Zudem wirkt er einfach sympathisch. Gestartet wird nicht etwa mit einem kratzigen Zündschlüssel, sondern mit einem griffigen Knopf – wie die großen Schalter, die man dreht, um den Backofen vorzuheizen. Und mit seinen traurigen Kulleraugen (sehen die aufgesetzten Nippel für das Standlicht nicht aus wie vergossene Tränen?) raubt er seinen Fahrerinnen fast das Herz.

Fast jedenfalls! Denn trotz seiner glasigen Augen ist der Kleine kein Kind von Traurigkeit. Mit den sportlichen 88 PS des 1,4-Liter-Motors wirft er sich fetzig in die Kurve. Die elektrische Servolenkung ist dabei leider nur so gefühlsecht wie Händchenhalten mit gestrickten Fäustlingen. Sie gibt dem Fahrer kaum Rückmeldung darüber, was gerade mit den Rädern geschieht.

Bei schnell gefahrenen Ausweichmanövern schaukelt der Micra etwas nach, den Alltag bewältigt er aber durchaus souverän. Über Straßenlöcher federt er gelassen hinweg, und auch bremsen kann er ordentlich: 38,9 Meter von Tempo 100 bis zum Stillstand sind ganz okay – nur der Fiat Punto bringt es in unserem Vergleich mit 38,6 Metern (kalte Bremsen) kürzer auf den Punkt. Der Ford Fiesta dagegen braucht mit kalten Bremsen 39,8 Meter und damit 1,2 Meter mehr. Punktsieg für den Fiat Punto.

Frisch frisierter Punto

Im Vergleich zu Fiesta und Micra ist der Punto der Jüngste im Vergleichs-Trio. Die Verarbeitung des Interieurs gleicht den schicken Mode-Klamotten von H&M: auf den ersten Blick recht pfiffig und einfallsreich, aber nicht unbedingt etwas fürs Leben. Das Punto-Cockpit sieht wirklich modern aus. Das Hartplastik des Armaturenbretts ist allerdings nicht jedermanns Sache.

Die Sitze sehen einladend aus und sind durchaus bequem. Auf langen Strecken sind die recht weichen Polster aber für mein Gefühl etwas zu nachgiebig. Der Rücken wird zu wenig gestützt – und so etwas macht müde. Den Sprint erledigt der 95-PS-Punto noch ganz gut, beim Zwischenspurt wirkt er aber etwas lustlos.

Wach wirst du dann auf jeden Fall beim Einparken: Der Punto hat ein knackiges Heck, das von außen richtig scharf aussieht. Dass die breite C-Säule den Blick nach draußen einschränkt, liegt in der Natur der Sache. Das erschwert das Manövrieren, trotz City-Modus der elektrischen Servolenkung, in dem sie besonders leichtgängig arbeitet.

Sportlicher Fiesta muckt auf

Fahrbahnunebenheiten meistert der Ford viel souveräner als sein Pendant aus Italien. Zwar spricht auch der Fiesta auf große Löcher ruppig an, die kleinen steckt er dafür locker weg. Das gesamte Fahrwerk ist harmonisch abgestimmt, die Lenkung folgt dem Fahrer gehorsam. Besser als der Fiesta kann das keiner der Kleinen. Dieser Zwerg fährt richtig sportlich. Dank seiner präzisen Lenkung würde er jeden Slalom gewinnen, der Motor beim Sprint vorn liegen. Der 1,6-Liter mit 100 PS spurtet in 10,4 Sekunden von null auf 100. Und der Unterschied beim Temperament ist größer, als es die Messwerte ahnen lassen (Nissan 11,0 Sekunden, Fiat 10,6 s).

Wer es so eilig hat, dem fehlt dann vielleicht auch der Blick für das Schöne. Ich finde, die Einrichtung des Fiesta schaut aus, als hätten die Fließbandarbeiter Instrumente und Bedienknöpfe vor der Schicht günstig im Baumarkt eingekauft. Schade. Ein so vernünftiges und vor allem so gut liegendes Auto hätte es verdient, ein wenig hübscher vorzufahren. Einziges markantes Merkmal des Innenraums sind jedenfalls die Lüftungsdüsen. Die einen sagen, die kugelrunden Gitter erinnern an Abgasrohre einer Industrieanlage. Andere finden sie ausgesprochen hübsch.

Keinen Streit gibt es dafür im Fond des Fiesta. Platz für zwei Erwachsene ist genug vorhanden. Auch im Micra können zwei Erwachsene würdevoll sitzen. Nur im Punto haben hoch aufgeschossene Hinterbänkler das Gefühl, die Decke falle ihnen auf den Kopf.

Kosten und Ausstattungen

Weniger groß sind die Unterschiede dann beim Preis: Nissan Micra und Fiat Punto gibt es für 12.900 Euro, der Ford liegt mit 13.050 Euro knapp darüber. Nicht nur in dieser Hinsicht sind die drei Kraftzwerge also gar nicht mehr so klein.

Technische Daten und Testwerte

Punkte für den Punto: Der Fiat steht sowohl mit kalten als auch warmen Bremsen deutlich früher als Ford und Nissan.

Wertung und Fazit

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko K.o. geht hier niemand, aber der Nissan Micra entscheidet den Vergleich sehr eindeutig für sich. Abgesehen vom knappen Platzangebot im Fond hat er kaum Schwächen, gefällt mit lebendigem Motor, ausgewogenem Fahrverhalten und viel Komfort. Richtig Punkte sammelt er dann mit Preis, günstiger Versicherung und den umfangreichsten Garantien. Und für seinen knuddeligen Charme hätte ich ihm gern noch mehr Punkte gegeben, aber so etwas werten wir ja nicht.

Dem Ford Fiesta auf dem zweiten Platz fehlt es gerade daran – besonders das Cockpit ist eher lieblos gemacht. So etwas hat der Ford nicht verdient. Er ist die richtige Wahl für Leute, die Wert auf einen temperamentvollen Motor und ein agiles, fast sportliches Handling legen. Der Fiat Punto landet nur auf dem dritten Platz. Obwohl er frisch überarbeitet wurde, wünsche ich mir noch einigen Feinschliff an Fahrwerk, Motor, Sitzen. Denn die Ansätze sind durchaus in Ordnung: schickes Italo-Design, viel Platz, günstiger Preis und komplette Ausstattung.

Micra, Fiesta oder Punto – urteilen Sie selbst

Testwerte sind harte Fakten. Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen aber nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und vergeben Sie eigene Noten für den oder die Test-Teilnehmer. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Margret Hucko

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