Milliardengeschäft Oldtimer

Mercedes baut Classic-Center in den USA Mercedes baut Classic-Center in den USA

Milliardengeschäft Oldtimer

— 29.04.2002

Mercedes baut Classic-Center in den USA

Mercedes-Benz wird in den Vereinigten Staaten als erste europäischer Automarke ein Oldtimer-Center gründen.

Vorbild Classic-Center Fellbach

Für gute Kunden ist kein Aufwand zu groß. Als der amerikanische Millionär Arturo Keller kürzlich Geburtstag feierte, setzten sich zwei DaimlerChrysler-Manager in Marsch, um artig zu gratulieren. Denn Autonarr Keller hütet in klimatisierten Hallen im Nappa Valley (Kalifornien) 40 Mercedes- Benz-Raritäten und gehört zu den "etwa 1000 Autosammlern, die für seltene Stücke fast alles zahlen", wie Oldtimer-Fachautor Jürgen Lewandowski weiß.

Malcolm Barber vom britischen Auktionshaus Bonham & Brooks nennt die weltweite Oldtimer-Szene einen "Milliardenmarkt". Und in diesem attraktiven Umfeld mischen die Autokonzerne heute stärker als früher aktiv mit. Mercedes-Benz wird in den USA als erster europäischer Autokonzern sogar ein Oldtimer-Center gründen. Die Oldtimer-Events, seien es legendäre Rallyes wie die Mille Miglia, das Rennen im Schlosspark von Goodwood (England) oder die Luxus-Show auf dem Golfplatz von Pebble Beach (Kalifornien) sind längst zu einem Muss-Termin für die Topmanager der Branche geworden. Denn "Heritage", also das historische Erbe, ist in den Vorstandsetagen der Automobilindustrie zu einem Schlüsselwort für Image und Vertrauensbildung geworden, sagen Branchenkenner.

Nicht ohne Grund haben VW und BMW die legendären Marken Bugatti, Bentley und Rolls-Royce gekauft. "Marken und ihre Pflege gewinnen immer mehr an Bedeutung", sagt DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert. "Die USA sind der wichtigste Markt für Oldtimer", erklärt Max Gerrit van Pein, Classic-Chef der Marke Mercedes-Benz. Peter Spieth, sein Statthalter in den USA, schätzt, dass es dort allein 450.000 Mercedes-Oldtimer gibt (als Oldtimer gilt ein Auto ab 20 Jahre nach Ende seiner Produktion). Das sind mehr als in Europa und deshalb will DaimlerChrysler seiner 100 Jahre alten Marke in Nordamerika ein entsprechendes Umfeld schaffen. Denn wer einen alten Mercdes-Benz fährt, interessiert sich schließlich auch für neue.

Das Spiel mit den Millionen

Spieth baut zur Zeit das Mercedes-Benz Classic Center USA auf. Schon jetzt arbeiten dort neun Leute nur für das Thema Oldtimer, bald sollen es 22 sein. Und im kommenden Frühjahr wird dann in Kalifornien ein repräsentatives Gebäude bezogen. Vorbild ist das Classic-Center in Fellbach bei Stuttgart, das die Aktivitäten von Mercedes rund um die Restaurierung und Ersatzteilversorgung alter Fahrzeuge steuert. Der Umsatz lag hier 2001 bei 70 Millionen Euro, sagt der Leiter Stefan Röhrig.

Das Geschäft mit alten Autos ist starken Schwankungen unterworfen. Eine Boomzeit waren die 80er Jahre. Damals wurden wahre Fantasiepreise gezahlt. Christie's, zusammen mit Bonham & Brooks der bedeutendste Versteigerer edler Oldtimer, verkaufte 1987 einen Bugatti 41 Royale Kellner Coupé für über 16 Millionen Mark (rund 8 Mio. Euro). Wenig später wurde das Auto mit Gewinn nach Japan verkauft. Jetzt ist der Bugatti wieder auf dem Markt: Bonham & Brooks möchte gerne 10 Millionen Dollar erlösen - dass der Wunsch-Preis erzielt wird, gilt in der Branche aber als eher unwahrscheinlich.

Neben Bugatti und Mercedes gehören vor allem Ferrari sowie Alfa Romeo, Aston Martin, Jaguar, Bentley und Rolls-Royce zu den begehrten Marken. Aber auch für reinrassige Rennwagen machen Enthusiasten schon mal über eine Million Dollar locker. Weil DaimlerChrysler jetzt die Marke wiederbelebt hat, könnten auch alte Maybachs wieder im Preis anziehen, schätzt das Fachmagazin "artinvestor". In diesem Sommer wird die Marke in Pebble Beach beim jährlichen Concour D'Elégance die Hauptrolle spielen - und Arturo Keller ist mit seinem Maybach natürlich auch dabei.

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