Minardi-Start in Melbourne gefährdet

Minardi-Start in Melbourne gefährdet

Minardi-Start in Melbourne gefährdet

— 02.03.2005

Retourkutsche in voller Fahrt

Ferrari verweigert Hinterbänklerteam Minardi die Zustimmung für eine Sonder-Starterlaubnis.

Denkzettel von den Spielverderbern

Paul Stoddart sieht dieser Tage nicht gerade aus wie ein zufriedener Milliardär, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. "Es gibt Streß", sagt der 49jährige Australier, "jede Menge Streß." Stoddart geht mit seinem Minardi-Rennstall in die fünfte Saison nach der Übernahme. Doch ob die Startampeln im Albert-Park auch für seine Piloten Christijan Albers (Niederlande) und Patrick Friesacher (Österreich) leuchten, ist ungewiß.

Minardi will, nein, muß die ersten drei Saisonrennen mit dem Vorjahreswagen PS04B antreten. Dessen Nachfolger gibt es bisher nur in der Theorie, genauer: auf der Festplatte des Minardi-Chefdesigners Andrea Rochetto im italienischen Firmensitz Faenza. Allein: Das Auslaufmodell entspricht nicht mehr dem neuen Technikreglement des Automobilweltverbandes FIA. Zu einer Ausnahmegenehmigung müßte jedes Team zustimmen. Alle haben unterschrieben, außer Ferrari. Stoddarts Argument: Das Vorjahresauto war so langsam, daß die neuen aerodynamischen Handicaps für die Konkurrenten keine Auswirkungen auf das Klassement haben. Um bis zu fünf Sekunden pro Runde zuckelten die Minardis im Vorjahr hinter den Spitzenteams her.

Nun ließe sich trefflich herumhacken auf den Spielverderbern aus Maranello. Ein WM-Punkt von Minardi im Jahr 2004 verglichen mit 252 von Ferrari, 14 Millionen Euro Jahresetat gegen 350 Millionen. Die sollten sich was schämen. Das ist die eine Seite. Andererseits scheint es ein wenig so, als wolle Ferrari-Teamchef Jean Todt, der den Interimswagen F2004-M für die ersten Rennen auf die neuen FIA-Abmaße trimmen lassen mußte, den Kollegen am anderen Ende der Boxengasse einen Denkzettel verpassen.

Anti-Ferrari-Sprecher im Alleingang

Stoddart hatte sich zuletzt zu einem Sprecher der Anti-Ferrari-Fraktion aufgeschwungen, wenn es um den Alleingang des Branchenführers bei der Verlängerung des Concorde-Agreement ging, das Testlimit oder die Einheitsreifen – während die mächtigen Hersteller aus Angst vor einer unkalkulierbaren Kettenreaktion in der Deckung blieben, erhob Stoddart die Stimme: "Ferrari hält sich nicht an die Abmachung. Sie grenzen sich aus." Wegen des Ferrari-Vetos etwa, gibt es beim Testen nur einen Ehrenkodex. Nach Stoddarts Auffassung verstoßen die Weltmeister aus Italien dagegen mit der Ankündigung, in dieser Woche den F2005 probezufahren. In der Tat untersagte die FIA 2004 ausgiebige Testfahrten in der Woche vor einem Grand Prix.

Der erbitterte Streit rückt die Branche in ein schlechtes Licht, sie reibt sich in hochpolitischen Diskussionen auf. "Die Formel 1 stinkt", resümierte Teamchef Frank Williams gereizt. Er glaubt, in FIA-Präsident Max Mosley den Schuldigen gefunden zu haben, der mit Bernie Ecclestone und Ferrari gemeinsame Sache mache.

Der Disput droht sogar, das Dröhnen der Motoren ab Freitag zu übertönen. Als ob es keine wichtigeren Themen gebe. Ist der modifizierte Ferrari von Michael Schumacher noch konkurrenzfähig? Wie schlägt sich die stärkste Fahrerpaarung der Formel 1, die Silberpfeilpiloten Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen? Hält der Aufwärtstrend bei BAR-Honda und Jenson Button an? Ist der Renault so zuverlässig, daß er auf allen Rennplätzen um den Sieg fahren kann?

Zwischen Jean Todt und Paul Stoddart sind ungeachtet der vermeintlichen Strafaktion die Fronten geklärt. Ferrari wird weiter aus dem Vollen schöpfen, um die Spitzenposition beizubehalten. Und Minardi? Bleibt der liebenswerte Verlierer. Stoddart darf sich damit trösten, daß er im Milliardenspiel dringend benötigt wird, und sei es nur als Ausbilder. Mit Giancarlo Fisichella, Jarno Trulli, Fernando Alonso und Mark Webber sitzen am Sonntag vier Fahrer in teuren Autos sitzen, die ihre Formel-1-Karriere bei Minardi begannen.

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