Minenräum-Panzer: Update

— 20.02.2013

Die Minen-Fresser

Mit gigantischen Pflügen, Schaufeln und Bodenfräsen zerhacken sie alles, was ihnen in die Stahl-Fänge kommt. Trojan, Breacher, Husky und Co wagen den Ritt ins Minenfeld. Jetzt neu: Wisent und Fuchs aus Deutschland!



Mit riesigen Pflügen, Bodenfräsen und Schaufeln fressen sich diese Panzer durch brandgefährliche Minenfelder. Die speziell entwickelten Geräte erkennen und zerstören dabei alles, was Menschen und Fahrzeugen gefährlich werden kann. Extrem gepanzert oder sogar ferngesteuert trauen sich die Maschinen dorthin, wo für Menschen Lebensgefahr herrscht. Minenverseuchte Gebiete für humanitäre- oder militärische Einsätze säubern, so lautet ihr Auftrag.

Diese Panzer haben was drauf: Brückenpanzer

Sieht aus wie ein mutierter Traktor, ist aber innovativ. Explosionen unter dem Fahrzeug werden vom Fahrer abgelenkt.

Bei der Entminung muss zwischen zwei Arten unterschieden werden: In Friedenszeiten spricht man vom zivilen Minenräumen. Ein Gebiet wird dabei gründlich und mit zeitaufwendigen Prozessen gereinigt, damit es von der Bevölkerung wieder genutzt werden kann. Dafür eignet sich der Husky der US-Army besonders gut. Er wurde 2012 von den US-Soldaten unter die Top 10 der innovativsten Militärfahrzeuge gewählt. Mit seinem an der Front angebauten Radar wirft er einen Blick unter die Erde und sucht dort nach versteckten Sprengfallen. Der 8,8 Tonnen schwere Minensuch-Hund kommt aus Afrika und ist eins der ganz wenigen ausländischen Fahrzeuge in den US-Streitkräften. Aktuell werden die Huskies in Afghanistan eingesetzt, um dort die Straßen von Sprengfallen zu säubern. Dabei deckt er bei 35 km/h einen Bereich von drei Metern ab und schafft am Tag 200 Kilometer.

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Der hydraulischen Baggerarm vom Torjaner hat eine Hebekapazität von 6,5 Tonnen.

Zeit, die im Ernstfall fehlt. Dann muss die Entminung in einer Kampfzone schnell gehen, um feindlichen Beschuss zu minimieren. In den meisten Fällen wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Pfad ins Minenfeld gerissen, um anderen Militär-Fahrzeugen einen sicheren Korridor zu bieten. Eine vollständige Entminung findet dabei nicht statt. Die Schäden durch Bodenabtragungen sind erheblich, aber unvermeidlich. Zu den imposantesten Vertretern dieser schnellen Minen-Fresser gehört der Trojan. Er kommt aus der Challenger-2-Familie, ebenso wie der Kampfpanzer Challenger 2 und der Brückenleger Titan. Wie seine Kollegen, hat er einen Perkins CV12 Diesel unter seiner Panzerung und schiebt so mit 1200 PS seinen Räum-Pflug durchs Erdreich. Was ihm in die Quere kommt, wird zerstört oder ausgelöst. Neben dem Pflug verfügt er über einen hydraulischen Baggerarm, der eine Hebekapazität von 6,5 Tonnen hat. Mit dem Arm kann der Trojaner Hindernisse aus dem Weg räumen und sogenannte Faschinenrollen ablegen. Diese rollen wie ein Teppich über Krater und machen sie so passierbar.

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Das Ambush Breaching Vehicle der Marines erinnert an die Bugs aus Starship Troopers und ist ebenso rigoros.

Neben dem Trojaner ist das amerikanische Ambush Breaching Vehicle (ABV) einer der modernsten militärische Minenräum-Panzer. Das über 72 Tonnen schwere, spinnenartige Ungetüm basiert auf dem M1A1 Abrams. Mit einer 1521 PS starken Gasturbine pflügt, räumt und sprengt sich der ABV den Weg frei. Nicht umsonst wird der ABV auch "Shredder" genannt. Anders als viele ältere Minen-Fresser verbindet der ABV gleich mehrere Räumungsmethoden. Beim Pflug-System reißen seine langen, spitzen Metall-Arme den Boden vor dem Panzer auf. Dabei werden besonders Sprengfallen gegen Fahrzeuge im sicheren Abstand zur Detonation gebracht oder schwer beschädigt. Kleine Minen können allerdings durchs Raster fallen. Eine andere Methode ist die pyrotechnische Räumung. Dazu verschießt der Shredder mit Raketen längere Ketten von C4-Sprengstoff. Dadurch wird ein Sicherheitskorridor in das Minenfeld gesprengt. Zusätzlich kommen ein Magnet-System und andere Sensoren zum Einsatz, da Sprengfallen auf unterschiedliche Signale wie Geräusche oder Vibrationen anspringen.

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Mit 72 Stahlketten klopft der Hydrema-Truck das Minenfeld windelweich.

Eine weitere Methode der Minenvernichtung ist die Anwendung eines Flegel-Systems. Der Hydrema-Truck 910 MCV nutzt diese Methode. Demnach fährt der gepanzerte Lkw langsam rückwärts in ein Minenfeld. An seinem Heck befinden sich 72 Ketten an einem Zylinder. Der dreht sich mit hoher Geschwindigkeit und peitscht die Ketten auf den Boden. Minen in einem Umkreis von 3,5 Meter werden dabei ausgelöst oder vernichtet. Doch nicht alle Arten von Landminen lassen sich mit der Flegel-Fräse auslösen. Oftmals folgt der Vorarbeit des Trucks die nachträgliche Räumung von Spezialisten per Hand. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, mit einer Walze Fahrspuren zu klären oder mit einer Bodenfräse alles umzugraben und zu zerhäckseln.

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Sperrgebiet: Zivilisten, meist Kinder, sind mit 80 Prozent die Leidtragenden von Verminung.

Die vielen unterschiedlichen Methoden sind der extremen Vielfalt der Minen geschuldet. Es ist bei der Verlegung von Minen üblich, unterschiedliche Typen zu vermischen. Den Räumern soll es schließlich schwer fallen, sich einen Weg zu bahnen. Während die Verlegung relativ einfach und kostengünstig ist, ist die Räumung kompliziert. Neben Minen richten beispielsweise in Afghanistan sogenannte IED (improvisierte Sprengfallen) großen Schaden an. Zudem werden in irregulären Konflikten Minenfelder in der Regel nicht kartografiert.

Minen, ein Teufelskreis

Verminte Kriegsschauplätze und Grenzen bergen über Jahrzehnte ein hohes Risiko. Die Leidtragenden kommen zu 80 Prozent aus der Zivil-Bevölkerung. Neben Hilfsorganisationen sind auch Soldaten an der Räumung von Minenfeldern beteiligt. Dabei nutzen sie Geräte, deren Hersteller auf Umwegen auch die Ursache geliefert haben: Minen, Munition und Streubomben. Sich einzelne Rüstungsunternehmen, Autohersteller oder Banken rauszupicken und auf sie zu zeigen, deckt keinesfalls die Gesamtheit der Schuldigen ab. Die Seite Landmine.de liefert einen guten und umfassenden Überblick, wer alles in der Welt am Handel mit Sprengfallen beteiligt ist.

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