Mineralölwirtschaft

Entwicklung von Ölpreis und der Nettogewinne großer Ölkonzerne

Mineralölwirtschaft

— 09.02.2005

Rekordgewinne für Ölriesen

55 Milliarden Dollar haben die drei größten Öl-Konzerne in 2004 verdient. Netto, also nach Abzug aller Kosten und Steuern.

Das Geld wird an der Ölquelle verdient

13 Milliarden Euro - so hoch könnte der Umsatz eines deutschen Großkonzerns sein. Beim Ölmulti British Petroleum (BP) jedoch ist dies der Nettogewinn, also das, was nach Abzug aller Kosten und der Steuern übrigbleibt. Dabei ist der Rekordgewinn von 16 Milliarden Dollar, den das Unternehmen gestern für 2004 meldete, im Branchenvergleich nicht einmal ein Spitzenwert.

Vor einigen Tagen legte Royal Dutch/Shell mit 16,6 Milliarden Dollar den höchsten Jahresgewinn der britischen Firmengeschichte vor, der weltgrößte Mineralölkonzern ExxonMobil (USA, Marke Esso) verdiente nach Steuern gar 25,3 Milliarden Dollar - nie zuvor hat ein Unternehmen einen höheren Gewinn verbucht. "Im Jahr 2004 waren die Ölmultis diejenige Branche, die am besten verdient hat", sagt Alexander Schuck, Analyst beim Hamburger Bankhaus Conrad Hinrich Donner.

Dies nahm der Automobilklub AvD zum Anlaß, eine Benzinpreissenkung zu fordern. Doch die Branche weist einen direkten Zusammenhang zwischen hohen Preisen an der Zapfsäule und den immensen Gewinnen der Konzerne weit von sich: "Die Ergebnisse im deutschen Tankstellengeschäft waren in den vergangenen Jahren äußerst unbefriedigend", so ExxonMobil-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann. "Gerade Deutschland ist der am härtesten umkämpfte Tankstellenmarkt in Europa. Manchmal werden hier dreimal am Tag die Preise verändert."

Ganz anders sieht es an der Quelle aus: "Hauptsächlich die Unternehmen, die am Anfang der Lieferkette stehen, profitieren von höheren Ölpreisen", erklärt Branchenexperte Rainer Wiek, Sprecher vom Energie Informationsdienst (EID). "Bei einem Unternehmen wie BP stammen 75 Prozent des Gewinns aus der Ölförderung und den Raffinerien."

"Gewinnschwelle bei 16 Dollar pro Barrel"

Hauptprofiteure des teuren Öls aber sind längst nicht allein die Konzerne mit den bekannten Namen: "Die zehn größten Multis zusammen haben insgesamt nur knapp 15 Prozent der weltweiten Ölförderung in der Hand", sagt Schult-Bornemann. Den Löwenanteil der Förderung kontrollieren staatliche Firmen wie etwa Saudi Aramco in Saudi-Arabien oder KPC aus Kuwait.

Doch egal ob privat oder staatlich – zuletzt waren die Förderer in einer komfortablen Position: Die weltweite Ölnachfrage steigt angesichts des Aufschwungs in Ländern wie China, die Kosten der Ölförderung bleiben zumindest auf kurze Sicht gleich. "Bei BP liegt die Gewinnschwelle bei einem Ölpreis von 15 bis 16 Dollar je Barrel", so Firmensprecher Ulrich Winkler. Zuletzt kostete ein Barrel rund 40 Dollar. Und wie es in der Branche heißt, betragen die reinen Förderkosten älterer Quellen in Saudi-Arabien weniger als fünf Dollar je Barrel.

Doch solche Ölquellen sprudeln nicht mehr ewig. Neue Vorkommen müssen erschlossen werden, und die sind meist wesentlich schwerer abbaubar, zum Beispiel weil sie kilometertief unter der Meeresoberfläche liegen. Hohe Gewinne seien daher nötig, um sich auf solche Zeiten vorzubereiten, heißt es in der Branche. Doch dies hat man in vielen Fällen schleifen lassen, meint Analyst Schuck: "In den letzten Jahren hat sich mancher Konzern ausgeruht." Statt dessen flossen viele Milliarden aus den Gewinnen in Aktienrückkaufprogramme, um den Börsenkurs zu steigern.

Auch dieses Geld aber sei letztlich der Allgemeinheit zugute gekommen, so BP-Sprecher Winker: "Rund 80 Prozent unserer Aktien gehören Pensionsfonds und damit Kleinanlegern." Wieviel Freude ihnen die Ölaktien in den nächsten Jahren machen werden, ist aber fraglich. Nach Ansicht von Experten könnten die Ölpreise in der zweiten Jahreshälfte abbröckeln, zudem müßten sich die Firmen künftig stärker um neue Reserven bemühen.

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