Mini Cooper 1.6

Mini Cooper Mini Cooper

Mini Cooper 1.6

— 21.02.2002

Quadratisch. Praktisch? Gut!

Der neue Mini will (fast) ganz der alte sein. Ob er das schafft? Redakteur Jörg Maltzan ging mit ihm auf eine erste Probefahrt.

Neuer Mini, alte Tugenden

Da ist es wieder. Dieses unvergleichliche Fahrgefühl: zügig bis zur Kurve, spät bremsen und dann kurz einlenken. Das ist Mini pur. Sauber und präzise flitzt er durch Kurven aller Art. Besonders wenn es eng wird, ist der Mini unschlagbar. So trocken geht kein anderer Kleinwagen um die Ecken. Einfach herrlich. Für alle Ungläubigen: Ja, ich meine tatsächlich den neuen Mini. Und ich lege mich hier und heute fest: In puncto Fahrfreude ist der neue ganz der alte. Und damit ist schon fast alles gesagt: Operation gelungen!

Der englische Patient badete im bayerischen Jungbrunnen. BMW verpasste dem von Rover eingelieferten Winzling einen kompletten Blutaustausch. Die Blutgruppe blieb gleich: Rhesusfaktor positiv. Besonders das hervorragende Einlenkverhalten und der drehfreudige 1,6-Liter-Motor knüpfen nahezu nahtlos an vergangene Mini-Tugenden an, die das bereits 1959 vorgestellte Urmodell auszeichneten.

Agilität und hohe Fahrdynamik standen im Lastenheft ganz oben. Beibehalten haben die Münchner Ingenieure das quadratisch anmutende Layout. Die Räder wurden an die äußeren vier Ecken gepflanzt und schaffen so die Hauptvoraussetzung für gute Fahreigenschaften. Dazu kommen eine extrem verwindungssteife Fahrgastzelle sowie ein niedriger Schwerpunkt. Glanzstück ist die aus dem Dreier-BMW adaptierte Mehrlenker-Hinterachse. Befreit von Antriebseinflüssen, garantiert sie ein herausragendes Handling.

Technik von BMW - das passt

Gokart-Gefühl bescheinigen die Entwickler ihrem Kind. Einspruch: Der Ur-Mini war da noch näher dran. Denn der rollte auf Zehn-Zoll-Rädchen. Die Neuauflage kommt ab September mit 15-Zöllern (175/65) neuzeitlich und bullig daher. Gegen Aufpreis gibt es ein Sportfahrwerk mit 16-Zoll-Alurädern (195/55), und mit Einführung des Cooper S sogar eine 17-Zoll-Option. Aber der muss es nicht sein.

Schon der 115-PS-Cooper macht reichlich Spaß. Selbst in sehr schnell gefahrenen Kurven neigt sich die Karosserie nur minimal. Der New Mini schiebt gutmütig über die Vorderachse. Mit Serienrädern bleibt das Untersteuern im Grenzbereich gut beherrschbar; besonders an der Eindrehtendenz bei Lastwechseln haben die Fahrwerkstechniker ganze Arbeit geleistet.

Wer im Scheitelpunkt einer zügig gefahrenen Kurve Gas wegnimmt, spürt leichtes Übersteuern, das durch die direkt arbeitende elektrohydraulische Servolenkung sofort pariert werden kann. Bei Breitbereifung verschiebt sich die Haftungsgrenze deutlich nach oben; das Auto reagiert nervöser. Auch Abroll- und Federungskomfort des hart abgestimmten Zweitürers leiden dadurch spürbar.

Doch derartige Details dürften bei den angepeilten Mini-Kunden trocken abtropfen. So ortet der BMW-Marketingstab die erwünschten Käufer unter den 20- bis 35-jährigen Jungdynamikern. Die lieben es trendig. Und hip. Und genau das soll er sein, der neue Mini. Mit kultiger Historie und großer Zukunft. Aber kein überstyltes Retromodell wie der New Beetle.

Das Ziel: Spaßig, nicht praktisch

Die BMW-Gestalter hielten sich konsequent an die Formensprache des Vorbilds. Kurze Motorhaube, steile Frontscheibe, langes Dach, große Glasflächen und ein fast senkrechtes Heck - der Urtyp ist unverkennbar. Auch die lustigen Kulleraugen sind noch da. Sie sind aus Klarglas und mit dem Grinse-Grill in die breite Motorhaube integriert. Wer einsteigt, vermisst zunächst das sensationell luftige Raumgefühl des Oldies. Rein subjektiv wirkt der Neue enger. Schuld daran ist besonders die breite C-Säule, die den Mechanismus für die hinteren Gurte aufnimmt und dadurch auch die Rundumsicht beeinträchtigt.

Dennoch will der Mini in erster Linie Spaßauto sein. Praktisch ist er nicht. Der Kofferraum reicht gerade für zwei kleine Taschen. Fondpassagiere erreichen ihre engen Plätze nur mühsam. Der Easy-Entry-Mechanismus arbeitet hakelig und schwergängig. Mini-Fans wird es nicht stören. Die fahren ohnehin allein oder zu zweit.

Aber reicht das zum Kult? Mein Tipp: Ja, es reicht. Denn der Mini ist wieder ein Mini und kein billiger Erbschleicher. Sogar britische Puristen fangen schon an, ihn zu akzeptieren. Chef-Designer Frank Stephenson: "Unser Motto hieß ,Vom Original zum Original'." Das spürt der Fahrer vor allem im durchgestylten Cockpit. Auf der Lenksäule thront ein großer Drehzahlmesser. Auch der Tacho weckt gewollt Reminiszenzen. Er sitzt - wie bis 1968 beim Mini üblich - wieder zentral in der Mitte. Ein Kunstwerk. Groß wie eine Pizza, dominiert er das Cockpit. Darunter drei Drehschalter für die Heizungs- und Gebläseregulierung: schwarz - und leider aus Kunststoff. Das wirkt billig und fühlt sich auch so an. Hey, BMW, das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Zumal die restlichen Kunststoffteile durchaus BMW-Qualität verströmen.

Maxi-Thema beim Mini: Sicherheit

Unser Testwagen hatte silbern lackierte Applikationen am Cockpit; später soll auch eine Holzvariante lieferbar sein. Gut gelungen auch die klassischen Kippschalter, die mit einem hörbaren Klick die Fenster öffnen und schließen sowie Nebelleuchten aktivieren oder ASC abschalten. Leider stehlen ihnen hässliche Plastikhalbringe ihre optische Wirkung. "Die mussten aus Sicherheitsgründen dorthin", bedauern BMW-Techniker.

Denn Sicherheit ist im Mini ein Maxi-Thema: Vier Airbags sind serienmäßig, zwei Kopfbags zusätzlich bestellbar. Und das ist gut so. Denn der Mini ist ein schnelles Auto. Bis auf 200 km/h beschleunigt der gemeinsam mit Chrysler entwickelte 16-Ventiler den Floh, und er stürmt damit direkt in die Liga der Klein-GTIs.

Da liegt er auch preislich: 32.075 Mark kostet der Cooper in der Grundversion, den Mini One mit 90 PS gibt es ab 28.359 Mark. Rund 30.000 Exemplare möchte BMW jährlich in Deutschland verkaufen. Das hört sich realistisch an.

Auf die Frage, ob er auch so lange (über)leben wird wie sein legendärer Vorgänger, allerdings kann sich Designer Stephenson ein Grinsen nicht verkneifen: "Der New Mini hat viel Potenzial", sagt er. Soll heißen: Ein Clubman-Kombi wär denkbar. Oder ein Pick-up. Oder. Oder. Oder. Der Mini ist tot. Lang lebe der Mini.

Technische Daten und Preise

Der Mini verfügt über diverse elektronische Fahrhilfen, die die aktive Sicherheit verbessern: EBD (Serie), CBC (Serie) und DSC (gegen Aufpreis).

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