Mini Cooper alt gegen neu

Mini Cooper alt gegen neu Mini Cooper alt gegen neu

Mini Cooper alt gegen neu

— 19.02.2002

Da sieht der Neue alt aus

Beim Parken ist der Ur-Mini nicht zu schlagen. Was sein Nachfolger von BMW dagegen besser kann, klärt dieser Test.

Nostalgie statt Van-Hysterie

Es wird nur so rauschen auf den Bankkonten. Geschäftsfrauen, Galeristen, Werbeleute, Geliebte, England-Fans und die ewigen Mini-Malisten erwarten sehnsüchtig ihren neuen Szene-Darling. Am 8. September 2001 betritt der Mini den Boulevard, ach, Unsinn: Er wird ihn erobern. Und den Verstand und die Herzen gleich mit. Dann werden Terminkonten geplündert und Aktiendepots gelöscht. Schluss mit Nemax - der Mini muss her.

So müssen sie gedacht haben, die Passanten bei unserer ersten Mini-Ausfahrt. Da zeigen ausgestreckte Arme, und offene Münder plappern wie Kinder "dadada, der neue..." Mini eben. Der Kleine hat einen Wiedererkennungswert wie Günter Jauch oder Donald Duck - man erkennt sie zur Not auch am Augenaufschlag. Kein Wunder, schließlich wurde uns der alte Mini 41 Jahre lang unverändert vorgeführt, und BMW hat die historische Strichzeichnung von Alec Issigonis noch strenger konserviert als ein treuer englischer Royalist.

Nur nicht in der Größe. Im direkten Vergleich fällt auf, wie klein der Mini doch war - geplant als Sparmobil einer Zeit, als auch die Menschen und ihre Ansprüche noch deutlich kleiner ausfielen. Der Nachfolger dagegen will gerüstet sein für den pubertären Zweimeter-Schlacks, der seinem Vater die Zündschlüssel wegschnappt, und hat sich trotzdem den Charme des kleinen Ausreißers bewahrt: Der Mini ist das tief gelegte "No" zur aktuellen Van-Hysterie.

Vollwert-Kleinwagen mit Symphatiebonus

Statt in die Höhe geht der Mini auf den Asphalt hinunter, hockt dort tief und breit und verlangt beim Einsteigen gesunde Knie und einen unterwürfigen Diener. Fast wie der Alte. Der Tacho thront in der Mitte, Wischerchen wuseln auf der steilen Frontscheibe - sorry, aber dann endet die Gemeinsamkeit mit dem Urahn. Gut so. Denn der Alte ist, jenseits aller Nostalgie, ein schrulliger Dino aus der Auto-Steinzeit: mit drei verschiedenen Schlüsseln, einer Straßenbahnkurbel als Lenkrad, null Federung und einem Seufzer der Hoffnung statt moderner Seitenairbags. Das Richtige für Fan-Clubs mit Zeit oder Frauen mit Geld, die nur lächelnd die Schlüssel rüberschieben, wenn er mal wieder nicht läuft. Was er gerne tut.

Der neue Mini kann das alles nicht nur besser, er kann alles. Alles, was ein moderner Kleinwagen heute können muss. Öffnet bequem auf Funkbefehl, heizt, lüftet. Der Elch ist sein Freund, auch ohne DSC, das erst im Oktober kommt. Er federt erstaunlich und rennt auf der Autobahn 200, wo sich sein Vorgänger nur tapfer gegen den Wind wehren konnte.

Motor und Testwerte

Vor allem aber: Er fährt wie ein Mini. Mit diesem einmaligen Mix aus Kraft, Klang und einer knackigen Lenkung. Zugegeben, der Alte besaß diesen Erlebniswert schon ab Tempo 20, da ist der neue Cooper noch ein müder Jedermann. Erst wenn der Drehzahlmesser über 4000 klettert, dann grollt er böse und verführt zum Kurvenkratzen und Kolonnenspringen. Der neue 1,6-Liter turnt etwa in der Leistungsklasse des ersten Golf GTI, das sagt alles. Das Original, der 57 Zentimeter kürzere Ur-Mini, kann nur eines besser: parken. Er passt in die kleinsten Lücken - falls ein trainierter Bizeps die Lastwagen-Lenkung besiegt. Also: haushoher Sieg für den Neuling.

42.735 Mark - doch der Lack blättert ab

Zu bemängeln gibt es trotzdem genug, auch wenn manche das nicht hören wollen. Beim Interieur haben die Designer den guten Geschmack verloren: viel zu großer Tacho, Blinkerhebel wie aus dem Überraschungs-Ei - dezentere Details hätten optisch ein späteres Verfallsdatum. Die Sitze bieten keinen Seitenhalt, der Kofferraum ist winzig, der Fond klein. Aber dort sollen ja keine Familien sitzen, sondern bestenfalls entstehen.

Im Detail erfüllt die Qualität des kleinsten BMW (mit dieser Bezeichnung haben Engländer bestimmt Probleme) noch nicht den Premium-Anspruch. Der Lack blättert, die Tankklappe steht schief, das lackierte Plastik innen wirkt ein wenig zu billig. Für 42.735 Mark, so viel kostet unser Testwagen, verdient die verwöhnte Kundschaft Besseres. Wenn der saftige Preis nicht gleich abschreckt. Oder man verschweigt die Macken und genießt nur Darlings Auftritt. So wie früher.

In dem Kleinen steckt großes Potential

Und der lässt sich garantiert noch aufpolieren. Wie wär's mit einem Holzcockpit, Chromeinlagen, hübschen Felgen oder einem stilechten Mittelauspuff, der sicher ab 2002 den Cooper S schmückt? Kein Problem, in dem Kleinen steckt großes Potenzial - und die Möglichkeit, eine Menge Geld zu versenken. Nur in einem Punkt fährt der neue Mini seinem Vorgänger vermutlich Jahrzehnte hinterher. Der Alte ist schon Kult, der Neue muss es erst werden. Daran hatten zuletzt - zumindest in Deutschland - Retro-Repliken wie der VW Beetle oder auch Chryslers PT Cruiser zu knabbern. Ja, richtig gelesen, auch für den heiß gehandelten Chrysler gewähren Händler bereits deftige Rabatte.

Aber BMW versteht etwas von der Salamitaktik, nach und nach mit einer ganzen Mini-Familie den Kult am Köcheln zu halten. Der neue Mini kann's schaffen. Entweder sofort oder wenn das Cabrio kommt oder spätestens, wenn er zur Monte startet. Der Mini ist nicht mehr original, aber originell. Gereift zum Vollwert-Kleinwagen mit Sympathie-Bonus, den BMW sich teuer bezahlen lässt.

Fazit und Wertung

Fazit Eine würdigen Mini-Nachfolger zu bauen, war eine schwerere Aufgabe, als den Briten Kochen beizubringen. Doch BMW hat es angepackt - und geschafft. Der Neue kann rein objektiv wirklich alles besser als das Original - außer einparken. Er beschleunigt und bremst besser, verbraucht weniger Sprit bei höherem Tempo, liegt super auf der Straße - von der höheren Qualität ganz zu schweigen. Doch das Wichtigste: Der Mini ist noch ein Kleinwagen und macht Reisenspaß. Und war es nicht genau das, was den Alten zu Kultmobil machte?

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