Cooper S gegen Clubman

Mini Cooper S gegen Clubman Mini Cooper S gegen Clubman

Mini Cooper S gegen Clubman

— 01.11.2007

Ein Mini macht mehr an

So kurz wie möglich, so lang wie nötig - beim Mini zählt allein die Länge. Das gilt bei der Kleidung, aber auch beim Kult-Knirps von BMW. Der Clubman will es wissen.

Genau 24,4 Zentimeter groß ist der Unterschied. Also etwa die Höhe eines Aktenregisters. Nicht viel? Irrtum. Zumindest beim Mini bedeuten diese 244 Millimeter Welten. 24,4 Zentimeter mehr oder weniger Stoff? Das entscheidet beim Minirock zwischen scharf und schlampig. 24,4 Zentimeter mehr oder weniger Blech? Das macht beim Mini Cooper S die Differenz zwischen klassischem Kleinwagen und coolem Kombi namens Clubman. Doch rein äußerlich sind es weniger die zusätzlichen Zentimeter, die uns beim Clubman weich werden lassen. Nein, der Mini-Kombi provoziert die Liebe auf den ersten Blick vor allem durch sein pfiffiges Türkonzept. Gegenüber dem dreitürigen Standard-Mini finden wir beim Clubman immerhin fünf Einladungen zum Rendezvous. Eine mittig geteilte Tür eröffnet beim aktuellen Mini erstmals nennenswertes Transport-Talent. Der Clubman taugt auch ohne umgeklappte Rücklehnen zum Einkaufen, mit flach gelegten Fondsitzen erreicht er schon fast Übernachtungs-Format.

Im Clubman lässt es sich zu viert auf Partytour gehen

Da kann der deutlich kleinere Normal-Mini nur charmant lächeln und darauf verweisen, dass auch er immerhin über geteilte Rücksitze verfügt. Nicht weniger clever als die zweiflügelige Kofferraumtür, vielleicht aber sogar noch trendiger: die zusätzliche Mini-Tür auf der Beifahrerseite. Obwohl es sich bei dem Stummelportal tatsächlich nur um eine halbe Tür handelt, erleichtert sie den Einstieg doch enorm. Ins Clubman-Hinterzimmer können selbst Minirock-Trägerinnen mit Würde und Anstand einsteigen – der Dreitürer erfordert hier deutlich mehr Körpereinsatz. Der dann noch nicht einmal belohnt wird. Im Gegenteil. Denn der ursprüngliche Mini kneift in der zweiten Reihe wie eine eingelaufene Jeans. Im Clubman dagegen lässt's sich sogar zu viert auf Partytour gehen. Acht Zentimeter mehr Radstand und 2,5 Zentimeter mehr Dachhöhe verwandeln ihn zwar nicht gleich in eine gemütliche Chillout-Lounge, wohl aber in einen absolut brauchbaren Pistenbegleiter.

Beim Kurvenräubern machen beide Minis viel Spaß

In Sachen Dynamik wenig unterschiedlich: Fahrspaß steckt im großen wie im kleinen Mini.

Für ausgelassene Stimmung sorgen bei beiden Mini fette 175 PS und ein mitreißendes Fahrwerk. Der 1,6-Liter-Turbo sorgt dabei nicht nur für sportlichen Sound, sondern auch für den nötigen Schub auf der Geraden. Die Verbindung zwischen zwei Kurven verwandelt das kleine Kraftwerk in eine ebenso druck- wie lustvolle Party-Zone. Nur sieben Sekunden braucht der Cooper S bis Tempo 100, gerade mal eine halbe Sekunde weniger der Clubman. Die Ursache für die leichte Verspätung des Maxi-Mini liegt in seinem etwas erhöhten Gewicht. So fährt er seinem schlankeren Bruder zwar auch in allen anderen Disziplinen knapp hinterher, einen Mangel an Temperament verspüren wir allerdings auch beim Clubman nicht. Das gilt auch für die Tanzeinlagen auf der Handlingstrecke. Die straffe – und leider auch recht unkomfortable – Fahrwerkabstimmung macht die beiden Kleinen beim Kurvenräubern zu richtig Großen. Wer das nur im Clubman serienmäßige DSC (bayrisch für ESP) lahmlegt, fährt sich auf dem Rundkurs in einen wahren Rausch. Achtung, hier besteht erhöhte Suchtgefahr.

Weitgehend neutral, äußerst präzise und fast schon narrensicher zieht der Clubman seine Bahnen. Mit der angenehm direkten Lenkung folgen wir der Ideallinie so locker, als sei sie dem Maximal-Mini schon von Geburt an ins Fahrwerk programmiert worden. Nur in engen Kehren schiebt er nennenswert über die Vorderräder, sonst folgt er brav und willig jedem Lenkeinschlag, lässt sich selbst beim abrupten Gaswegnehmen in Kurven leicht in der Spur halten. So macht sogar der Grenzbereich noch Spaß. Im Prinzip gilt das Gleiche auch für den kurzen Cooper S, nur dass er in jeder Hinsicht schärfer reagiert. Die etwas schwergängigere Lenkung arbeitet noch einen Zacken direkter, wirkt im Alltag fast schon zu spitz und ein wenig nervös. Wer im Übereifer zu schnell in die Kurve sticht, sollte beim Rettungsversuch auf der Bremse das Gegenlenken nicht vergessen – auf Lastwechsel reagiert der nicht elektronisch überwachte Kurz-Mini mit stärkerem Hüftschwung. Und wer den kaum zu überbietenden Spaß bis an die Drehzahlgrenze ausreizt, dem spült der Motor die Gehörgänge auch mit ein paar Dezibel mehr als im Clubman.

An der Kasse spielt der Clubman dann aber wieder den Wilden. Während er bei Garantien, Versicherung und Wartung keinen Cent extra kostet und auch beim Verbrauch alle 100 Kilometer nur bescheidene 0,1 Liter Großraum-Zuschlag fordert, haut er bei der Anschaffung ordentlich rein. Mit 23.900 Euro kostet er bei gleicher Ausstattung – nur das ESP ist inklusive – immerhin 2300 Euro mehr als der kurze Cooper S (21.600 Euro). Umgerechnet sind das annähernd 100 Euro pro Zentimeter – und da sage noch einer, auf die Länge kommt es nicht an...

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Der Mini ist und bleibt Kult – das gilt für den normalen Mini, aber noch mehr für den neuen Clubman. Mit seinem ebenso pfiffigen wie trendigen Türkonzept stiehlt er seinem kleinen Bruder die Show. Und mit dem spürbar größeren Innenraum wird er auch noch deutlich alltagstauglicher. Das alles ohne den fahraktiven Charakter des Originals zu verleugnen. Nur der happige Preis stört.

Technische Daten Mini Cooper S

Vierzylinder, Turbolader, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • zwei oben liegende Nockenwellen mit Kettenantrieb • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 128 kw (175 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 240 Nm (260 mit Overboost) bei 1600/min • Vorderradantrieb •Sechsganggetriebe manuell • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Testwagenbereifung 195/55 R 16 V • Spitze 225/224* km/h • Verbrauch (EU-Mix) 6,2/6,3* l/100 km • CO2 149/150* g/km • Tankinhalt 50 l Super • Vorbeifahrgeräusch 74 dB(A) • Kofferraumvolumen minimal 160/260* l, maximal 680/930* l (*Werte für Clubman)
Preise/Ausstattung Cooper S Clubman
Modell Cooper S Cooper S Clubman
Airbags Fahrer/Beif./Seiten vorn S/S/S S/S/S
Kopfairbags vorn/hinten S/S S/S
DSC (ESP) 350 € S
Automatikgetriebe 1540 € 1540 €
elektrisches Schiebedach 980 € 980 €
Metalliclack 400 € 400 €
Grundpreis 21.600 € 23.900 €
Messwerte Cooper S Clubman
Beschleunigung
0– 50 km/h 2,8 s 2,9 s
0–100 km/h 7,0 s 7,5 s
0–130 km/h 10,7 s 11,3 s
Elastizität
60–100 km/h 4,9 s (4. Gang) 5,3 s (4. Gang)
800–120 km/h 8,0 s (6. Gang) 8,2 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1230/350 kg 1294/396 kg
Gewichtsverteilung v./h. 63/37 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 10,8/11,2 m 11,1/11,2 m
Bremsweg
aus100 km/h kalt 36,5 m 36,1 m
aus100 km/h warm 36,8 m 36,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 64 dB (A) 62 dB (A)
bei 100 km/h 68 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – Test CO2 7,4 l S – 178 g/km 7,5 l S – 179 g/km
Reichweite 680 km 660 km
Die Mini-Wertung Cooper S Clubman
Alltag und Familie 3– 2
Antrieb und Fahrleistungen 1– 2+
Agilität und Fahrverhalten 1– 1
Ausstattung und Fahrkomfort 3– 3
Anschaffung und Finanzen 3 4+
Aussehen und Flair 2 1–
Gesamt 2– 2

Autor: Gerald Czajka

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.