Mini One D, Nisssan Micra dCi, VW Lupo TDI

Drei Kleinwagen mit Diesel: Nissan Micra, Mini und VW Lupo Drei Kleinwagen mit Diesel: Nissan Micra, Mini und VW Lupo

Mini One D, Nissan Micra dCi, VW Lupo TDI

— 10.06.2003

Die kleinen Strolche

Immer mehr Minis streunen mit einem Dieselmotor umher. Da dreht sich nicht alles ums Sparen – Spaß sollen die Kleinen auch noch machen!

Das Vorurteil vom bösen Nagler verhallt

Als ich klein war, bestand meine Welt aus Schwarzweißbildern. Farbfernsehen gab's ja noch nicht, und der Kasten wurde für uns nur am Sonntag angeschaltet. Unsere Helden hießen "Die kleinen Strolche". Sechs Stummfilm-Chaoten, die ständig irgendwelchen Mist bauten. Stibitzten einen Bollerwagen, ließen ihren Hund Buster lenken. Kinderkram, na klar. Aber ihre Fantasie, die Welt der Großen respektlos auf den Kopf zu stellen, könnte heute manches Problem lösen.

Die kleinen Strolche von heute rollen auf vier Rädern: Es sind Stadtautos wie Mini, Nissan Micra und VW Lupo, die sich moderne Diesel unter den Nagel gerissen haben. Ist das nun wirtschaftlicher Unsinn oder voll im Trend? Im aktuellsten Modeauto stellt sich gar die Sinnfrage: Passen Mini und Diesel überhaupt zusammen?

Gusseiserne Alt-Fans krähen sicher: "Nie!" Wir sagen: Warum nicht?! Der moderne 1,4-Liter-Motor (von Toyota zugekauft) erwacht mit einem dezenten Murmeln, und man muss beim Kaltstart schon das Fenster öffnen, um den Selbstzünder zweifelsfrei zu überführen. Der Grund: Die Common-Rail-Einspritzung bringt sowohl Mini als auch Micra erstaunliche Manieren bei, die gute Dämmung der modernen Kleinwagen erledigt den Rest. Das Vorurteil vom bösen Nagler verhallt. Rein ästhetisch betrachtet – abgesehen vom Gestank beim Tanken –, sinkt für Diesel-Anfänger die Hemmschwelle.

Der Mini One D zieht stur wie ein Kaltblut

In diese Ruhe hinein platzt der Lupo mit grundsätzlich anderer Dieseltechnik: Statt auf Laufruhe setzt die Pumpe-Düse-Einspritzung des Dreizylinders auf kernige Knauserei. So zündet der TDI frühmorgens mit dem Radau eines kaputten Häckslers, der dich im ganzen Viertel verhasst macht. Auch wenn der Motor warm ist, klingt jeder Gasstoß, als würde im Handschuhfach ein Eimer Astschnitt herumgeschüttelt.

Wenn der Lupo trotzdem ein Grinsen ins Gesicht zaubert, dann durch sein Temperament. Der kleine Diesel zieht an der Ampel mit einem Pfeffer an den Vorderrädern und jubelt durch die Gänge, dass sich Benziner mit der gleichen PS-Leistung anfühlen, als ob sie parkten. Sympathisch auch, dass auf der Autobahn Tacho 180 km/h möglich ist und trotzdem im Schnitt nur 5,7 Liter verbraucht werden. Ein Rätsel?

Die Lösung heißt TDI. Der Lupo hat das Feuer, das man im Mini erwartet hätte. Und nicht bekommt. Eher gleichmäßig dreht sein Diesel hoch, in der Stadt reicht der dritte Gang für alles, auf der Autobahn der fünfte. Schön relaxed, aber da fehlt irgendwie die Würze, die der Mini ansonsten mit jeder Faser vorlebt: Dieses Erlebnis-Auto macht an mit dem knackigen Sechsganggetriebe (überflüssig nur der zu lang übersetzte Schongang), mit der herrlich direkten Lenkung und einer trockenen Federung. In dieser Umgebung müsste doch der Diesel mitjubeln – aber der One D, so sein offizieller Name, zieht stur wie ein Kaltblut. Das schreit nach mehr Diesel-Power, aber ein Cooper D, sagt BMW, ist nicht geplant.

Der Micra wirkt mit dem Diesel erwachsener

Ganz anders Nissan. Die Japaner haben für den Herbst einen stärkeren dCi mit 82 PS versprochen. Gar nicht nötig, uns reichen die 65 PS im kleinen Motor, der als einziger ohne Ladeluftkühler auskommt. Der Micra erzielt fast die gleichen Fahrleistungen wie der Mini – und macht uns doch viel zufriedener. Man schnurrt überall locker mit, genießt die aufrechte Sitzposition, die gute Sicht und ein gelassenes Auto.

Genau darin liegt wie beim Vorgänger sein Geheimnis: Der Micra will einfach nur ein freundlicher kleiner Diener sein, vielseitig mit seiner verschiebbaren Rückbank (im Plus-Paket für 400 Euro) und handlich wie ein kleines Schminktäschchen (für Männer: wie ein kleiner Akkubohrer).

Dass seine elektrische Servolenkung mit den starken Rückstellkräften am wenigsten Gefühl für den Asphalt mitteilt oder bei Autobahntempo der Wind ungemütlich an den Dachholmen pfeift, kann nicht den Eindruck verwässern: Der kleine Nissan wirkt mit dem Diesel gleich ein ganzes Stück erwachsener. Man muss nicht länger den schwachbrüstigen Benziner mit seinen 110 Newtonmetern ausquetschen, sondern vertraut sich dem Diesel mit nervenschonenden 160 Nm an.

Sparen? Der Diesel-Aufpreis fällt zu groß aus

Darin liegt der Gewinn, wenn die drei kleinen Strolche mit einem Selbstzünder loslegen – und nicht im Geldvorteil. Denn unterm Strich gerechnet, können diese 3,70-Meter-Zwerge mit ihren geringen Jahresfahrleistungen niemals in die schwarzen Zahlen rollen, dafür fällt schon der Diesel-Aufpreis zu groß aus. Im Vergleich zum Benziner werden zwischen 1300 (Nissan) und 2000 Euro (VW) fällig. Zu viel, um durch den Verbrauchsvorteil zu sparen.

So rechnet BMW mit einem Dieselanteil von offiziell zehn Prozent, was übersetzt so viel heißt wie: "Wir wissen nicht, wer anbeißt: Dieselfahrer, die einen Mini drumherum wollen, oder eben sehr sparsame Engländer – also Schotten."

Die dürften verärgert abwinken, immerhin verlangen die Bayern saftige 16.150 Euro für ihr Kultgerät. Für ein Nichts von Kofferraum, für eine Notbank in der zweiten Reihe und für flache, haltlose Sitze. Für diesen Preis gehören nicht einmal schöne Alufelgen oder ESP serienmäßig dazu. Wir dürfen das den Mini-Fans deshalb so deutlich sagen, weil es sie anscheinend nicht stört. Das knubbelige Remake wird gekauft, als gäbe es kein Morgen. Mini ist Glaube, Liebe, Freiheit. Oder frei nach Shakespeare: Mini oder Micra – das ist hier nicht die Frage.

Böser Streich: Basis-Lupo ohne ABS

Der Nissan, der in Sunderland am anderen Ende Englands gebaut wird, bewältigt die Pflichten des Alltags lässiger. Man kann hinten zwei Erwachsene mitnehmen, seine Federung garantiert recht annehmbaren Komfort, und als Einziger bietet er für 500 Euro extra hinten zwei weitere Türen. Praktisch.

Das graue Interieur müssen wir gar nicht erst lieben lernen, ab September 2003 bekommen Cockpit und Sitze eine dunklere Farbe. Wer den Charme des Mini vermisst, schaut von drinnen auf die beiden dicken Krokodilstränen oben auf den Scheinwerfern, die angeblich das Einparken erleichtern sollen. Schöner Schnickschnack.

So etwas ist dem sachlichen Lupo völlig fremd. Im Wolfsburger Strolch gefallen die festen Sitzplätze und eine Verarbeitung, die auch fummelnde Kinderhände aushält. Doch Details zeigen, dass das Wölfchen schon fünf Jahre alt ist und nur wenig Pflege genießt: Die Heizungsregler liegen tief unten im Fußraum, in der Basisversion hat der Lupo nicht einmal ABS. Dass es so etwas noch gibt unter VW-Chef Pischetsrieder. Wenn ihm da mal nicht irgendein Strolch einen bösen Streich gespielt hat ...

Technische Daten im Überblick

Mini und Nissan Micra schaffen den Nothalt in weniger als 40 Metern, die Bremsen lassen auch unter Dauerlast kaum nach. Das ist heute Stand der Technik. Umso enttäuschender die Bremsleistung des VW Lupo (40,7 m).

Kosten und Ausstattungen

Der Teuerste muss nicht gleich der Beste sein. Im Gegenteil: Mit 16.150 Euro steht der Mini zu Buche, landet im Vergleich aber nur auf Platz drei. Hinter Lupo (13.675 Euro) und Micra (12.500 Euro).

Fazit und Wertung

Fazit Ganz erstaunlich, wie reif moderne Diesel in Kleinwagen laufen: leise und ruhig in Mini und Micra, spritzig im Lupo und sparsam bei allen dreien. Aber machen die Selbstzünder deshalb auch Sinn? Wenn's um Geld geht, und das tut es bei den Kurzen oft, ist der Diesel unterm Strich teurer als ein Benziner. Also reiner Luxus. Oder eine Modeerscheinung wie gerade in Italien. Im Vergleich siegt der Micra mit klarem Vorsprung, weil er diesen Luxus am günstigsten anbietet und das vielseitigste Stadtauto ist. Der Lupo ist vor allem Stadtauto, der Mini eher Luxus. Haben wir deshalb Äpfel mit Birnen verglichen? Nein, die Kleinen zeigen immer mehr eigenen Charakter.

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Autor: Joachim Staat

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