Mini Wagon

Mini Wagon Woody Mini Wagon Woody

Mini Wagon

— 04.08.2004

Auf dem Holzweg

Dass ein Mini aus Mailand schöner ist, überrascht kaum. Dass er auch praktischer ist, beweist Carosseria Castagna – mit der Wiedergeburt des Mini Wagon.

Bikini-Höschen und Cargo-Jeans

Es wäre schon sehr dumm gelaufen, wenn der Mini in Großbritannien und in Deutschland nicht für Furore gesorgt hätte. Schließlich sitzen seine geistigen Väter in München, und seine Erbauer im britischen Oxford. Doch ob jemand geahnt hat, dass diese Melange aus englischer Tradition und bayrischem Erfindungsgeist auch italienische Leidenschaften entzünden würde?

Die Italiener zählen heute weltweit zu den größten Fans des Mini. Der rührt eben an spezielle südländische Neigungen: Römer wie Sizilianer quetschen sich am liebsten mit pfiffigen Kleinwagen durch ihr enges Gassengewirr. Das ist seit den Zeiten des Fiat 500 so, einem Auto, das einiges an Toleranz abverlangte. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet ein Mailänder dem Mini mit dem Zollstock zu Leibe rückte und stirnrunzelnd konstatierte, dass dieses Auto sicher hübsch dastehe. Aber durchaus praktischer sein könnte. Praktisch wie ein Kombi eben. Ein Anspruch, der zuerst einmal so verwegen erscheint wie eine Kombination aus Bikini-Höschen und Cargo-Jeans. Doch die Metallbauer der Carozzeria Castagna zündeten umgehend die Schneidbrenner.

Der Gründungsmythos überliefert, dass ein verunfallter Mini ohnehin auf ein neues Heck gewartet hatte – warum dann nicht gleich eines anschweißen, wo ein bisschen mehr reinpasst? Zwölf Zentimeter länger geriet der Mini Wagon, ein Zuwachs, der ausschließlich dem Bereich hinter der Hinterachse zugute kommt. Radstand und Fahrwerk blieben unangetastet. Im Vergleich zum klassischen Vorbild aus dem Jahre 1960 hält sich das Wachstum also in Grenzen. Vorteil: Die flotte Figur des Mini bleibt ziemlich schlank, obwohl sich das Kofferraum-Volumen auf immerhin 300 Liter verdoppelt.

Ein Innenraum wie eine Modeboutique

Die Italiener kreierten gleich drei verschiedene Versionen: den Wagon, der sich äußerlich auf das Kombisein beschränkt; den Woody, der dem Ur-Mini mit Holzleisten am Heck nacheifert – eine zumindest auf rotem Lack nicht ganz geschmackssichere Variante. Dem Zeitgeist weit mehr entspricht Nummer drei, der SUWagon. Mit Chrom- und Plastikbollwerk rempelt der wie ein Geländewagen durch den Nahverkehr. Mit dem höhenverstellbaren Fahrwerk meistert er lässig gröbere Bordsteinkanten und derbe Schlaglöcher. Als Familienauto kann freilich kein Wagon gelten. Sein Fond ist so eng wie der im deutsch-britischen Originalprodukt.

Trotzdem fühlen sich die Passagiere wohl: Der Innenraum erstrahlt in der ganzen Pracht mailändischer Mode-Boutiquen. Wie genau, das entscheidet allein der Kunde. Ob Leder, Korbgeflecht oder Missoni-Stoffe, der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das gilt leider auch für den stolzen Preis. Mit 14.000 Euro schlägt allein der Karosserie-Umbau zu Buche, die Ausstattung kommt extra. 40.000 Euro kann die Mini-Mode insgesamt verschlingen – dafür wirkt die Verarbeitung teilweise etwas provisorisch. Germanische Perfektion aus Italien hätte uns allerdings noch mehr beunruhigt.

Fazit Mit dem liebevoll gemachten Innenraum und dem geräumigen Kombiheck begegnen die Italiener typischen Mini-Schwächen. Transport-Qualitäten eines Opel Meriva sollte man aber nicht erwarten. Die 14.000 Euro nur für den Karosserieumbau zahlt man eher für das Plus an Originalität.

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