Minister-Streit — 29.06.2007
CO2-Steuer ausgebremst
Wann die CO2-Steuer kommt, bleibt weiter ein Rätsel. Grund: Die Minister Tiefensee, Steinbrück und Gabriel finden keinen Konsens.
Die von Politik, Wirtschaft und Umweltlobby massiv geforderte
CO2-Steuer lässt weiter auf sich warten. Grund: In Berlin streiten die beteiligten Minister sowie die Bundesländer darüber, wie die neue, nach dem
Kohlendioxidausstoß gestaffelte Kraftfahrzeug-Steuer aussehen soll. Inzwischen gilt es als unwahrscheinlich, dass die Reform, die Bundesverkehrsminister
Wolfgang Tiefensee für Anfang 2008 angekündigt hatte, noch in dieser Legislaturperiode durchgeführt wird – wenn sie denn überhaupt kommt. Der Grund: Tiefensee, Umweltminister Sigmar Gabriel und Finanzminister Peer Steinbrück (alle SPD) können sich über Details nicht einigen.
Umstritten ist zum Beispiel, auf welcher Basis die Steuer erhoben werden soll. Der Umweltminister will eine Staffelung auch nach Fahrzeugklassen, nicht nur den reinen Emissionswert als Bezugsgröße. Gabriel erhofft sich davon mehr Anreize zum Kauf
sparsamerer Autos. Der Finanzminister wiederum knausert mit dem Ausgleich für die Länder, denen bisher die
Kfz-Steuer zusteht. Die Länder, die 2006 rund neun Milliarden Euro aus der Kfz-Steuer kassierten, wollen sich nicht mit der Versicherungssteuer (8,75 Milliarden) abspeisen lassen. Grund: Die Kfz-Steuer verspricht bei Umstellung auf den Schadstoffausstoß künftig noch kräftiger zu sprudeln.
Die Unsicherheit schlägt aufs Neuwagengeschäft
Auf einem Treffen beschlossen die Länder-Finanzminister einstimmig: Der Bund muss ihnen die Kfz-Steuerausfälle in voller Höhe ausgleichen – oder alles bleibt beim Alten. Der neue Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Ex-Verkehrsminister
Matthias Wissmann (CDU), mahnt derweil baldige Einigung an. Laut
VDA ist wegen der Steuerdebatte der
Neuwagenkauf in den ersten fünf Monaten des Jahres trotz Aufschwungs dramatisch eingebrochen (minus zehn Prozent). CDU-Haushaltsexperte Ole Schröder: "Autofahrer und Autoindustrie brauchen endlich Planungssicherheit."