Vier Minivans im Vergleich

Skoda Roomster gegen Renault Kangoo, Nissan Note, Opel Meriva (v.l.) Skoda Roomster gegen Renault Kangoo, Nissan Note, Opel Meriva (v.l.)

Minivans im Vergleich

— 03.08.2006

Raum ist in der kleinsten Hütte

Renault Kangoo, Opel Meriva, Nissan Note: kleine Raumkünstler und große Familienfreunde. Jetzt kommt der Roomster dazu. Skoda wählt den eleganten Weg.

Kosten und Ausstattungen

Vergessen Sie Sprüche wie: "Es kommt auf die inneren Werte an". Einfach löschen. Die meisten kaufen einen neuen Wagen doch nach dem simpelsten aller Motive: dem Aussehen. Für diese sind Vans und Kastenwagen bislang tabu gewesen. Ein Dilemma. Sie suchten Platz, wollten aber weder den einen noch den anderen fahren. Weder die imagelädierte Familienkutsche mit "Jannick on Tour"-Aufkleber noch die alternativ angehauchte Blechbox, die nach feuchten Schlafsäcken und selbstgedrehten Zigaretten riecht. Auf ihren Wunschlisten steht ein schick aussehender Kompakter, gefühlte Wohnzimmer-Größe, der komfortabel durchs Leben fährt und auch noch bezahlbar ist – quasi eine zum Auto mutierte eierlegende Wollmilchsau. Aber das mag man sich bildlich gar nicht vorstellen – bis jetzt. Denn mit dem Roomster scheint Skoda nun der Zwickmühle zu entkommen.

Die Tschechen zivilisierten den rustikalen Kastenwagen zum Lifestyle-Objekt mit italienischem Flair und nennen ihn selbstbewusst: Van. Einer, der mit optischen Brüchen zwischen Fahrerkabine und Fond spielt und auch als kommendes Lancia-Modell im Schauraum stehen könnte. Dabei kaschiert sein Design, dass er mit 14.190 Euro für den 86-PS-Benziner zu den günstigeren Angeboten seiner Klasse zählt. Nicht aber, dass er außer dem edlen Anzug auch noch Verantwortung für fünf Familienmitglieder trägt.

Die meisten Ideen stecken in Fond und Kofferraum, erst dort wird der Roomster zum wahren Raumwunder. Die Rückbank steht wie im Hörsaal 46 Millimeter höher als die erste Reihe,

Fit for fun: Der Skoda kann alle Bewegungstricks.

die Fensterlinie verläuft kinderfreundlich tief. Raumgefühl bis ins Unendliche zaubert ein optionales Glasdach (630 Euro) von Schreibtisch-Größe. Alle drei Fondlehnen lassen sich nach hinten neigen. Alle üblichen Bewegungstricks beherrschen seine beiden äußeren Sitze auch: wegklappen, mit einem Riemen an den Kopfstützen fixieren, auf Schienen vor-, zurück- und auch zur Seite fahren.

Das Ausbauen der Sitze ist aber komplizierter als mit dem Flexspace-System im Meriva. Im Opel verschwinden alle hinteren Plätze unsichtbar im Fahrzeugboden mit einem Minimum des Kraftaufwands. Dafür räumt der Roomster mit 1780 Litern mehr Platz ein. Mit der kompletten Theaterbestuhlung an Bord, bewegt sich das Ladevolumen zwischen 450 und 1555 Litern. Motto: Raum ist in der kleinsten Hütte, denn mit 4,21 Metern ist der Roomster nur so groß wie ein Golf. Dank des großzügigen Radstands von 2,62 Metern spürt das keiner. Alles tadellos, auch im Cockpit. Die Knöpfe lassen sich "blind" bedienen, VW-Fahrern wird das Interieur irgendwie bekannt vorkommen. Bis auf die Sitze vielleicht, die weniger großzügig geschnitten sind. Dafür in einem edlen Beigeton, der zierliche Schokoladenfinger magisch anzieht.

Ohne Kraftaufwand funktioniert das Einlegen des Rückwärtsgangs. Mit diesem Handgriff wird auch der Parkpieper (240 Euro) aktiv. Auf dem Radio-Display erscheint ein abstrahiertes Auto, Hindernisse werden als Balkendiagramm dargestellt.

Bodenständig: Der Roomster ist eine sichere Sache.

Aber was soll den Roomster schon kratzen? Er fährt sicher auch in kritischen Situationen, die wachende Elektronik kommt selten zum Einsatz. Skoda baute erst ein gutes Fahrwerk, das weitgehend auf dem des Polo basiert, dann schenkten sie dem Vanchen noch das Sicherheitsnetz ESP. So soll es sein.

Ideal wäre es, wenn nicht nur die Motoren ab 80 PS davon in Serie profitieren würden, sondern auch die beiden Einstiegsmotoren mit 64 und 70 PS (Diesel). Wie sich das Ausweichmanöver mit Kind und Kegel wohl in diesen beiden anfühlt? Denn ohne ESP neigt der vollbeladene Familienwagen dazu, sein Heck rauszuhängen. Ein unschönes Gefühl, ein unsicheres dazu. 300 Euro kostet ESP für die Basismodelle extra. So viel sollte jeder für seine Sicherheit übrig haben.

Werksangaben und Testwerte

Hohen Fahrkomfort bietet Skoda allen Roomster-Besitzern gratis. Mit Unebenheiten belastet der Wagen seine Federn, nicht aber den Fahrer. Dafür nervt er mit einem müden Motor, der sich auf der Autobahn mühsam auf seine Spitze von 171 km/h quält. Wie ein zartes Pflänzchen bietet der Roomster dem Wind seine Stirn, mit jedem Kilometer mehr droht er moralisch einzuknicken.

Auch Nissan Note 1.4 (88 PS) und Opel Meriva 1.4 (90 PS) sind eher für gemütliche Gemüter. Zwar täuschen ihre straff abgestimmten Fahrwerke Sportlichkeit vor, beim Überholen zockeln sie aber mit einem langgezogenen Gähnen vorbei. Ausgerechnet das Fossil unter den Kastenwagen fährt der deutlich jüngeren Van-Konkurrenz etwas vor. Dank größeren Hubraums und 95 PS erzielt der Renault Kangoo (kam 1998) beachtliche 11,9 Sekunden von null auf 100. Seine Serienausstattung gehört zu den umfangreichsten. Anders als seine Konkurrenten gönnt er Passagieren sogar Klimaanlage und Radio. Ansonsten fällt es schon schwer, dem Oldie Komplimente zu machen. Sein Fahrverhalten? Instabil. Beim Elchtest stemmt er sich auf zwei Räder. Seine Verarbeitung? Antiquarisch. Im Cockpit trifft grobes Plastik auf Knöpfe, die irgendwo im Nichts abtauchen. Die Fensterheber stecken wadentief in den Türablagen, das Lenkrad lässt sich nicht verstellen, die Sitze sind weich wie ein Hamburger-Brötchen.

Trotzdem glättet der Kangoo die Sorgenfalten seiner Insassen. Was soll kommen, was nicht in den 2600 Liter fassenden Kofferraum passt? Die Ladeluke hat das Format eines Scheunentors, der Innenraum den Charme einer Werkstatt, der sich aber notfalls mit dem Gartenschlauch abduschen lässt. Hier spürt man mit jeder Faser, was der Kastenwagen früher wirklich war: ein praktisches Handwerkerauto. Deshalb vernachlässigt der Renault auch seine dynamischen Eigenschaften. Der Schalthebel geht lange Wege, die Lenkung fühlt sich an wie ein Griff in den Pudding.

Deutlich verbindlicher arbeiten Nissan Note und Opel Meriva. Die beiden Vans ähneln sich vom Charakter her noch am meisten. Allerdings punktet der Opel durch sein serienmäßiges ESP, das sich erst gar nicht abschalten lässt.

Ungeheuer praktisch: 2600 Liter passen auf die Kangoo-Ladefläche.

Das verleiht dem Mini-Van ein beinahe narrensicheres Fahrverhalten, während sich der Note ohne ESP kritisch aufschaukelt. Zwar besserte Nissan am Fahrwerk nach, trotzdem empfehlen wir weiterhin, ESP für das Basismodell als Extra zu bestellen. Es reicht einfach nicht aus, dem Fahrer eine leidlich präzise Lenkung in die Hand zu drücken.

Das Lenkrad lässt sich nur in der Höhe verstellen, trotzdem finden Durchschnittsmenschen eine angenehme Sitzposition. Vor allem im Fond, wo sich der Fußraum durch eine verschiebbare Rückbank im Handumdrehen verdoppeln lässt. Sonst trickst der Note mit einfachen Mitteln. Im Kofferraum ruht ein Flexi-Board (Serie ab Acenta), um die innere Ladekante zu überbrücken. Ohne das zweiteilige Bretter-Set fällt das Einladen unnötig schwer. Bis zu 1332 Liter fasst das Gepäckabteil, in diesem Vergleich das kleinste Maximal-Maß.

Fazit, Wertung, Ihre Meinung

Dafür glänzt der Note zusammen mit dem Meriva beim Spritverbrauch. Beide geben sich mit 6,8 Litern recht bescheiden – wogegen der Skoda Roomster negativ auffällt. Mit 8,3 Litern im Schnitt verbraucht er 1,4 Liter Super mehr, als das Werk verspricht. Was seine Kostenbilanz dann doch etwas aus dem Gleichgewicht bringt. Am souveränen Gesamtsieg des Roomster ändert das aber nichts. Der Neuling zeigt bis auf den müden, durstigen Motor keine Schwächen. Der ungewöhnlich gestylte Lifestyle-Van überzeugt eben nicht nur durch innere Größe.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteurin Margret Hucko Skoda sieht im Roomster einen Van, ich sehe die Weiterentwicklung des Kastenwagens. Mit dem Roomster verliert der alternativ angehauchte Handwerkerwagen sein Latzhosen-Image. Er entdeckt die Mode, ohne dabei seine Funktionalität über den Haufen zu werfen. Er fährt lässiger durchs Leben als die straffen Van-Alternativen Meriva und Note, weniger schaukelig als der Kangoo. Nur beim Einrichten, da macht der Meriva ihm immer noch was vor. Der Opel verändert sein Mobiliar ohne Ausbauen. Das bleibt Spitze.

Hier ist Ihre Meinung gefragt Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Skoda Roomster 1.4 16V, Nissan Note 1.4 Visia, Opel Meriva 1.4 und Renault Kangoo 1.6 16V Edition Campus. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Margret Hucko

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